1989

 

Chronik

Photo: Montagsdemonstration in Leipzig, 1989
Photo: Nach der Maueröffnung vor dem Brandenburger Tor, 1989
Photo: Bundeskanzler Helmut Kohl spricht vor der Ruine der Dresdner Frauenkirche, 1989
Januar
4.1. Zwei US-amerikanische Militärmaschinen schießen über internationalen Gewässern im Mittelmeerraum zwei libysche Militärflugzeuge des Typs MiG-23 ab.
7.1. In Moskau finden erstmals westdeutsche Theatertage statt.
11.1. In Ost-Berlin verlassen 20 ausreisewillige Bürger der DDR die Ständige Vertretung Bonns in der DDR. Ihnen war zuvor Straffreiheit und die Überprüfung ihrer Ausreiseanträge zugesichert worden.
15.1. Die Teilnehmer des dritten KSZE-Folgetreffens (Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) in Wien sprechen sich in ihrem Schlussdokument für konventionelle Abrüstung in Europa und die Beachtung der Menschenrechte aus.
18.1. Mehrere Tausend Studenten demonstrieren in verschiedenen Städten der Bundesrepublik gegen die schlechten Studienbedingungen und die Wohnungsnot. Bundesbildungsminister Jürgen Möllemann (1945-2003) kündigt eine Aufstockung der Finanzmittel an.
19.1. DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker versichert, die Mauer werde "in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe noch nicht beseitigt sind".
20.1. Der Republikaner George Bush (geb. 1924) tritt die Nachfolge von Ronald Reagan als 41. Präsident der USA an.
23.1. Der surrealistische Maler, Bildhauer und Grafiker Salvador Dalì (1904-1989) stirbt in Figueras/Spanien.
Februar
1.2.-12.5. 28 inhaftierte Mitglieder der Rote Armee Fraktion (RAF) treten in den Hungerstreik, um die Zusammenlegung aller RAF-Gefangenen in ein Gefängnis zu erzwingen.
2.2. Die Wiener Verhandlungen der NATO und des Warschauer Paktes über den Truppenabbau enden nach 15-jähriger Dauer ergebnislos, jedoch einvernehmlich. Sie werden durch die am 6. März beginnenden Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa (VKSE) und die Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) ersetzt.
6.2. In Warschau beginnen Gespräche zwischen 57 Vertretern von Regierung, Opposition und Kirche Polens am sogenannten Runden Tisch. Am 5. April wird zwischen Regierung und Opposition
ein Abkommen über politische und wirtschaftliche Reformen unterzeichnet.
DDR-Grenzsoldaten erschießen den 20-jährigen Schlosser Chris Gueffroy beim Versuch, von Ost- nach West-Berlin zu flüchten.
9.2. Die rechtsextreme "Nationale Sammlung" unter Leitung von Michael Kühnen (1955-1991) wird vom Bundesinnenministerium wegen verfassungsfeindlicher Ziele verboten.
14.2. Als erstes Bundesland beschließt Schleswig-Holstein das kommunale Wahlrecht für Ausländer. Einen Tag später schließt sich Hamburg an.
Im Iran ruft Ayatolla Ruhollah Khomeini (1900-1989) alle Moslems zur Ermordung des britisch-indischen Schriftstellers Salman Rushdie (geb. 1947) wegen seines Romans "Die Satanischen Verse" auf.
15.2. Die letzten sowjetischen Truppen, die seit 1979 Afghanistan besetzt hatten, verlassen das Land.
20.2. Die Außenminister der EG-Staaten beschließen in Brüssel, wegen der Morddrohung gegen den Schriftsteller Salman Rushdie ihre Botschafter aus Teheran zurückzurufen. Am 21. Februar beruft wiederum der Iran seine Botschafter aus den EG-Staaten ab.
24.2. Die Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei verzichtet auf ihren in der Verfassung verankerten Führungsanspruch.
März
3.3. Die DDR-Volkskammer gewährt den ständig in der DDR lebenden Ausländern das aktive und passive kommunale Wahlrecht.
6.3. In Wien beginnen die Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa (VKSE) und zugleich Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) zwischen den 35 KSZE-Teilnehmerstaaten.
8.3. Bundespräsident Richard von Weizsäcker begnadigt die ehemalige RAF-Angehörige Angelika Speitel zum 30. Juni 1990.
12.3. Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann (geb. 1943) und Bundesbauminister Oscar Schneider (geb. 1927) sagen ihren geplanten Besuch der Leipziger Frühjahrsmesse aus Protest gegen die von DDR-Soldaten zwei Tage zuvor auf flüchtende Bürger abgegebenen Schüsse ab. Am 16. März lädt die DDR Bundesumweltminister Klaus Töpfer (geb. 1938) wegen der Absagen seiner Kollegen zur Leipziger Messe ihrerseits aus.
23.3. Bei albanischen Protesten gegen eine vom Präsidenten der jugoslawischen Teilrepublik Serbien, Slobodan Milosevic (1941-2006), betriebene Verfassungsreform zur Einschränkung der Autonomie des Kosovo kommt es zu Ausschreitungen, bei denen 29 Menschen getötet werden.
24.3. Im Prinz-William-Sund vor der Südküste Alaskas läuft der mit 206.000 Tonnen Rohöl beladene Tanker "Exxon Valdez" auf ein Riff und schlägt leck. Es kommt zur bis dahin größten Ölpest in der amerikanischen Geschichte.
26.3. Bei den Wahlen zum ersten sowjetischen Volksdeputiertenkongress können sich die Bürger erstmals zwischen mehreren Kandidaten entscheiden. Zahlreiche reformorientierte Politiker werden gewählt.
28./29.3. In Hamburg treffen sich ranghohe Offiziere der Bundeswehr und der NVA zu einem Meinungsaustausch.
April
8.4. In der georgischen Hauptstadt Tiflis treten nationalistische Unruhen auf. Demonstranten fordern den Austritt Georgiens aus der UdSSR.
Uraufführung des Schauspiels "Unbefleckte Empfängnis" von Rolf Hochhuth im West-Berliner Schillertheater. Hochhuth plädiert mit dem Stück für die Leihmutterschaft und richtet sich damit gegen Kirche, Staat, Ärzte, Feministinnen und Gegner der Gentechnologie.
12.4. In Ungarn wird das Politbüro der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei aufgelöst und verstärkt mit Reformern neu gebildet.
13.4. Bundeskanzler Helmut Kohl kündigt eine Kabinettsumbildung an (vollzogen 21. April): unter anderem wird Theo Waigel (geb. 1939) (CSU) Finanzminister, Gerhard Stoltenberg (geb. 1928) (CDU) Verteidigungsminister und Wolfgang Schäuble Innenminister.
14.4. Der SPD-Vorstand beschließt aus Kostengründen die endgültige Einstellung des Parteiblattes "Vorwärts" als Wochenzeitung. Die Zeitung fusioniert mit dem "Sozialdemokratischen Magazin" zu einer Mitgliederzeitung.
Die Umweltminister von Bund und Ländern vereinbaren für alle ab 1. Oktober 1991 zugelassenen benzingetriebenen Neuwagen eine Ausrüstungspflicht mit einem geregelten Drei-Wege-Katalysator.
15.4. Im Sheffielder Fußballstadion (England) ereignet sich die bisher größte Katastrophe in der europäischen Sportgeschichte. Als etwa 4.000 zu spät kommende Fans in das bereits überfüllte Stadion drängen, werden 94 Menschen erdrückt oder zu Tode getreten.
17.4. Die polnische Gewerkschaft "Solidarnosc" wird nach jahrelanger Untergrundarbeit legalisiert.
Mai
2.5. Ungarn beginnt mit dem Abbau der Grenzbefestigungen zu Österreich.
5.5. Der Memminger Frauenarzt Horst Theissen wird wegen illegaler Abtreibungen zu zweieinhalb Jahren Gefängnis und dreijährigem Berufsverbot verurteilt.
7.5. Bei den Kommunalwahlen in der DDR entfallen nach offiziellen Angaben 98,8 Prozent der Stimmen auf die Kandidaten der Einheitslisten. Von Oppositionellen werden zum ersten Mal Kontrollen vorgenommen, vielerorts Wahlfälschungen festgestellt und publik gemacht.
15.5. Nach dreißig Jahren findet zum ersten Mal wieder ein Gipfeltreffen zwischen der Sowjetunion und China statt. Der Besuch des sowjetischen Parteichefs Michail Gorbatschow in Peking wird von Studentendemonstrationen begleitet, die die Übernahme der Perestroika durch China fordern.
23.5. Bundespräsident Richard von Weizsäcker wird mit 86,3 Prozent der Stimmen von der Bundesversammlung in seinem Amt bestätigt.
25.5. In der UdSSR wird Parteichef Gorbatschow vom neugeschaffenen Kongress der Volksdeputierten zum Staatspräsidenten mit besonderen Vollmachten gewählt.
30.5. Die Berliner Philharmoniker geben erstmals seit dem Mauerbau 1961 in Ost-Berlin ein Konzert.
30./31.5. Der US-amerikanische Präsident George Bush besucht die Bundesrepublik.
Juni
3.6. In Teheran/Iran stirbt Ayatollah Ruhollah Khomeini. Während seiner Beisetzung kommt es zu massenhysterischen Szenen, bei denen sechs Menschen getötet werden. Khomeini war seit 1979 die alle Lebensbereiche beherrschende geistige und politische Kraft des Iran. Sein religiöser Fanatismus wurde zur Initialzündung eines den gesamten arabischen Raum beeinflussenden islamischen Fundamentalismus.
4.6. In Peking richtet das chinesische Militär ein Blutbad unter Studenten an, die seit Wochen auf dem Platz des Himmlischen Friedens für mehr Demokratie demonstrieren. Die Angaben über die Zahl der Toten schwanken zwischen 2.500 und 7.000 Menschen. Dem Massaker schließt sich eine umfassende Verfolgungswelle an.
Bei den polnischen Parlamentswahlen sind erstmals Oppositionsparteien zugelassen.
7.6. In Ost-Berlin löst der Staatssicherheitsdienst eine Demonstration gegen die Fälschung der Kommunalwahlergebnisse vom 7. Mai auf.
8.6. In einer Stellungnahme bewertet die DDR-Volkskammer das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking als "Niederschlagung einer Konterrevolution" und zeigt Verständnis für den Einsatz des Militärs.
12.-15.6. Der sowjetische Staats- und Parteichef Gorbatschow wird bei seinem Staatsbesuch in Bonn von der Bevölkerung mit großem Jubel empfangen. Zum Abschluss seines Besuchs erklärt er: "Die Mauer kann wieder verschwinden, wenn die Voraussetzungen entfallen, die sie hervorgebracht haben".
13.6. In Ungarn nehmen Vertreter der Regierung und der Opposition "Gespräche am Runden Tisch" auf.
17.6. Der FC Bayern München wird deutscher Fußballmeister.
18.6. Bei den dritten Wahlen zum Europaparlament können sozialistische Gruppierungen Gewinne erzielen, während die Konservativen Verluste hinnehmen müssen. Erstmals ziehen die Republikaner mit 7,1% der Stimmen in das Parlament ein.
27.6. In einem symbolischen Akt zerschneiden der ungarische Außenminister Gyula Horn (geb. 1932) und sein österreichischer Kollege Alois Mock (geb. 1934) bei Sopron den Stacheldrahtzaun an der gemeinsamen Grenze. Beseitigt werden nur die Grenzsperren, die Grenzkontrollen bleiben. In der DDR löst dies dennoch einen verstärkten Urlauber- und Flüchtlingsstrom nach Ungarn aus.
Juli
6.7. Zwischen der Bundesregierung und der DDR-Regierung wird eine Umweltvereinbarung zur Säuberung der Elbe und zur Verringerung der Luftverschmutzung in der DDR geschlossen.
7.7. Der sowjetische Staats- und Parteichef Gorbatschow gesteht auf der ersten Ostblock- Gipfelkonferenz seit 1968 in Bukarest jedem sozialistischen Staat seine eigene Entwicklung zu. Damit verliert die sogenannte Breschnew-Doktrin vom November 1968 ihre Gültigkeit.
9.7. Bei den Internationalen Tennismeisterschaften in Wimbledon/England gibt es einen deutschen Doppelerfolg: Bei den Damen gewinnt Steffi Graf und bei den Herren Boris Becker .
12.7. Der Seniorenschutzbund "Graue Panther" gründet eine eigene Partei, die "Grauen".
14.7. Zeitgleich mit den Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution findet in Paris der 15. Weltwirtschaftsgipfel statt.
17.7. Österreich beantragt formell die Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft (EG).
19.7. In Polen wird der Chef der Kommunistischen Partei, General Wojciech Jaruzelski (geb. 1923), zum Staatspräsidenten gewählt.
27.7. Laut Beschluss des Obersten Sowjet erhalten die drei baltischen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen ab 1990 weitgehende wirtschaftliche Autonomie.
August
1.8. Die Zeitungen und Zeitschriften des Axel Springer-Verlages verzichten von nun an auf die Anführungszeichen bei der Nennung der DDR. Auf Anweisung des im September 1985 verstorbenen Axel Springer sollte damit der provisorische Charakter des Staates verdeutlicht werden.
8.8. Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin wird wegen Überfüllung
für den Besucherverkehr geschlossen. Über 130 DDR-Bürger halten sich in der Vertretung auf, um ihre Ausreise zu erzwingen.
10.8. Zwischen Frankfurt/Main und Leipzig richtet die Lufthansa die erste innerdeutsche Fluglinie ein.
13.8. Auch die Bonner Botschaft in Budapest muss wegen Überfüllung geschlossen werden. Von dort wollen rund 180 Bürger der DDR ausreisen.
14.8. Der südafrikanische Staatspräsident Pieter Willem Botha (geb. 1916) erklärt seinen Rücktritt. Sein Nachfolger wird Frederik Willem De Klerk (geb. 1936).
19.8. In Sopron/Ungarn kommt es zur größten Massenflucht von Bürgern der DDR seit dem Mauerbau. Etwa 900 Menschen nutzen das von dem Präsidenten der Paneuropa-Union, Otto von Habsburg (geb. 1912), initiierte "Paneuropäische Picknick" zur Flucht über die "grüne" ungarisch-österreichische Grenze.
21.8. Am 21. Jahrestag der Niederschlagung des Prager Frühlings fordern Demonstranten in Prag Demokratie und Freiheit. Die Polizei löst die Demonstration gewaltsam auf.
22.8. Die Botschaft der Bundesrepublik in Prag wird wegen Überfüllung geschlossen. Rund 140 Bürger der DDR wollen von dort aus in den Westen übersiedeln.
24.8. In Budapest erhalten 108 Bürger der DDR, die sich in der Botschaft der Bundesrepublik aufhalten, durch die ungarische Regierung als einmalige humanitäre Aktion die Ausreiseerlaubnis in den Westen.
In Polen wird der Kandidat des "Bürgerkomitees Solidarnosc", Tadeusz Mazowiecki (geb. 1927), zum ersten nichtkommunistischen Regierungschef eines Warschauer-Pakt-Staates gewählt.
28.8. Bundespräsident Richard von Weizsäcker bekräftigt in einem Schreiben an den polnischen Staatspräsidenten Jaruzelski den Verzicht der Bundesrepublik auf Gebietsansprüche an Polen.
30.8. In Bayern wird mit den Vorbereitungen zur Errichtung von Notaufnahmelagern für DDR-Flüchtlinge begonnen.
September
4.9. In Leipzig findet die erste Montagsdemonstration im Anschluss an das traditionelle Friedensgebet in der Nikolaikirche statt. Es wird mehr Reisefreiheit und die Abschaffung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gefordert. Von nun an finden wöchentlich Montagsdemonstrationen statt.
7.9. Auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz wird gegen die Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen vom 7. Mai protestiert. DDR-Sicherheitskräfte unterbinden die Aktion und nehmen etwa 80 Personen vorübergehend fest.
8.9. Bundeswirtschaftsminister Haussmann ermöglicht durch einen Ministerentscheid den Zusammenschluss der Daimler-Benz AG mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB). Damit ist die größte Unternehmensfusion in der Geschichte der Bundesrepublik abgeschlossen.
10./11.9. Ungarn lässt ohne vorherige Absprache mit der DDR-Regierung alle dort anwesenden DDR-Ausreisewilligen in den Westen ausreisen. Bis Ende September kommen circa 30.000 Übersiedler auf diesem Weg in die Bundesrepublik. Diese Grenzöffnung trägt wesentlich zur "Wende" in der DDR bei.
12./13.9. Die DDR protestiert gegen die vorgenommene Öffnung der ungarischen Grenze für Bürger der DDR und bezeichnet dies als "organisierten Menschenhandel".
12.9. Gründungsaufruf der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt (DJ) in der DDR.
15.9.-19.11. Die Hamburger Kunsthalle präsentiert die Ausstellung "Europa 1789. Aufklärung - Verklärung - Verfall".
19.9. Mit dem Neuen Forum (NF) beantragt erstmals in der DDR eine Oppositionsgruppe offiziell ihre Zulassung als Vereinigung. Am 20.9. wird der Antrag vorerst abgelehnt, da die Gruppe "staatsfeindlich" sei.
Auch die west-deutsche Botschaft in Warschau muss wegen Überfüllung mit ausreisewilligen Bürgern der DDR den Publikumsverkehr vorübergehend einstellen.
In Düsseldorf wird der Weltverband des Behindertensports, das "Internationale Paralympische Komitee", gegründet.
25.9. Etwa 5.000 Menschen protestieren in Leipzig für Reformen und gegen das Verbot des Neuen Forums.
26.9. Einige Bürger der DDR verlassen die deutsche Botschaft in Prag und kehren in die DDR zurück, weil ihnen die Ausreise in den Westen binnen sechs Monaten zugesichert wird. Viele Flüchtlinge bleiben jedoch in der Botschaft, da sie direkt in die Bundesrepublik ausreisen wollen.
27.9. Aus Furcht vor einer starken, serbisch dominierten Zentralmacht verabschiedet das slowenische Parlament eine Reihe von Verfassungsänderungen, die der Republik den Austritt aus dem jugoslawischen Bund ermöglichen.
30.9. Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet am Abend auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag, dass alle DDR-Flüchtlinge, die sich in den deutschen Botschaften in Prag und Warschau befinden, ausreisen dürfen. Offiziell werden sie aus humanitären Gründen "abgeschoben", da die humanitären und medizinischen Zustände in diesen Botschaften unhaltbar geworden seien. Die Ausreiseerlaubnis ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen den Außenministern der UdSSR, DDR, CSSR, Polens und der Bundesrepublik in New York am Rande der UN-Vollversammlung.
Im Martin-Gropius-Bau in West-Berlin wird eine Ausstellung zum Werk des aus der DDR stammenden Künstlers Bernhard Heisig eröffnet.
Oktober
1.10. Die ersten Sonderzüge aus Warschau und aus Prag mit circa 6.800 DDR-Flüchtlingen durchqueren die DDR. Ausreisewillige Bürger der DDR versuchen, auf die Züge aufzuspringen.
1.-3.10. Vor der Botschaft in Prag versammeln sich erneut 7.600 Menschen, obwohl die tschechoslowakische Polizei dies zu verhindern sucht. Am 3.10. gewährt die DDR-Regierung auch ihnen die Ausreise.
2.10. In Leipzig demonstrieren 20.000 Menschen für Reformen in der DDR. Die bisher größte dortige Demonstration für Demokratie wird von DDR-Sicherheitsorganen gewaltsam aufgelöst.
In Ost-Berlin wird die Oppositionsgruppe Demokratischer Aufbruch (DA) gegründet.
3.10.-11.11. Die DDR-Regierung setzt den visumsfreien Reiseverkehr mit der Tschechoslowakei vorübergehend aus.
4.10. Sonderzüge der DDR-Bahn befördern etwa 7.600 DDR-Flüchtlinge, die in der Prager und in der Warschauer Botschaft Zuflucht gesucht hatten, über das Territorium der DDR in die Bundesrepublik. Bahnhöfe und Gleise auf dem Transportweg werden gesperrt, um zu verhindern, dass weitere Menschen auf die Züge aufspringen. Am Dresdner Hauptbahnhof liefern sich Ausreisewillige und Demonstranten die schwersten Auseinandersetzungen mit DDR-Sicherheitskräften seit dem 17. Juni 1953.
7.10. Der 40. Jahrestag der DDR-Gründung wird mit Militärparaden und Aufmärschen gefeiert. In Ost-Berlin nimmt der sowjetische Staats- und Parteichef Gorbatschow an den Festveranstaltungen teil. Er betont vor der Presse die Notwendigkeit von Reformen und äußert die berühmten Worte: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Gleichzeitig finden in mehreren Städten der DDR Demonstrationen statt, auf denen Zehntausende für Meinungsfreiheit und Reformen eintreten. Die Demonstrationen werden brutal aufgelöst und dabei über tausend Menschen festgenommen.
Konstituierung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) im märkischen Dorf Schwante.
8.10. In Budapest löst sich als erste regierende kommunistische Partei die ungarische KP auf.
9.10. Erstmals demonstrieren in Leipzig über 70.000 Menschen für eine demokratische Erneuerung der DDR. Der Ruf "Wir sind das Volk - keine Gewalt" setzt sich durch.
Die Roma und Sinti Union protestiert gegen die drohende Abschiebung von Roma aus der Bundesrepublik, während gleichzeitig jeden Tag Tausende von Übersiedlern aus der DDR aufgenommen würden.
15.10. Der Schriftsteller Vaclav Havel (geb. 1936) erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Er kann den Preis nicht persönlich entgegennehmen, da die tschechoslowakische Regierung ihm keine Ausreisegenehmigung erteilt.
16.10. Bei der bislang größten Demonstration in der DDR seit dem Aufstand vom 17. Juni 1953 ziehen mehr als 120.000 Menschen durch Leipzig. Erneut halten sich die Sicherheitskräfte zurück.
18.10. Auf der 9. Tagung des Zentralkomitees (ZK) der SED wird Erich Honecker "auf eigenen Wunsch" von allen Ämtern entbunden. Gleichzeitig verliert unter anderem auch Günter Mittag seine Ämter im Politbüro und im Sekretariat des ZK. Egon Krenz wird neuer Generalsekretär der SED. In einer von den Medien übertragenen Rede räumt Krenz ein, dass die SED in den letzten Monaten die reale Lage verkannt habe. Nun sei aber die "Wende eingeleitet", doch der "Sozialismus auf deutschem Boden" stehe nicht zur Disposition.
19.10. Uraufführung des Theaterstückes "Jonas und sein Veteran" von Max Frisch in Zürich. Einen Monat vor der schweizerischen Volksabstimmung über die Abschaffung der Armee gibt Frisch darin eine klare Stellungnahme gegen die Armee ab.
23.10. Am Abend vor der Wahl von Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden demonstrieren rund 300.000 Menschen gegen eine "neue Machtkonzentration".
Die "Volksrepublik Ungarn" wird vor jubelnden Menschenmassen in "Republik Ungarn" umbenannt.
24.10. Die Volkskammer wählt Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden und zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates. Damit sind wiederum die höchsten Ämter der DDR in einer Person vereinigt.
27.10. Der DDR-Staatsrat verkündet eine weitgehende Amnestie für Flüchtlinge und inhaftierte Teilnehmer nichtgenehmigter Demonstrationen.
28.10. Die älteste bisher bestehende DDR-Oppositionsgruppe Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) konstituiert sich als landesweite Organisation.
30.10. In der DDR wird die Sendung "Der schwarze Kanal" des SED-Chef-Kommentators Karl-Eduard von Schnitzler nach fast 30 Jahren aus dem Programm genommen.
30.10.-3.11. Mit der "Multimediale '89" stellt sich das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe erstmals der Öffentlichkeit vor.
November
3.11. Die DDR-Regierung beschließt, dass Bürger der DDR das Land ohne Formalitäten über das Gebiet der Tschechoslowakei verlassen können. Daraufhin kommt es in den folgenden Tagen zu einer erneuten Ausreisewelle.
4.11. Bei einer Kundgebung auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin demonstrieren nach Schätzungen zwischen 500.000 und einer Million Menschen für demokratische Reformen und gegen das Machtmonopol der SED in der DDR. Das Fernsehen überträgt die Veranstaltungen direkt und unangekündigt. Es sprechen unter anderem Stefan Heym, Christoph Hein (geb. 1944) und Christa Wolf. Auf Vorbehalte stoßen Redner wie Markus Wolf und vor allem Günter Schabowski, der mehrfach ausgepfiffen wird.
6.11. In der DDR-Presse wird der Entwurf für ein neues Reisegesetz veröffentlicht. Danach kann jeder Bürger der DDR für maximal 30 Tage pro Jahr ins Ausland reisen, sofern er dies beantragt und eine Genehmigung erhält. Der Entwurf stößt auf heftige öffentliche Kritik. Der zuständige Volkskammerausschuss verwirft die Vorlage bereits am nächsten Tag.
In Leipzig demonstrieren Hunderttausende von Bürgern der DDR für unbeschränkte Reisemöglichkeiten, die Aufgabe des Führungsanspruchs der SED und freie Wahlen.
7.11. Ministerpräsident Willi Stoph tritt zusammen mit der gesamten DDR-Regierung zurück.
8.11. Auf der 10. Tagung des ZK der SED tritt das Politbüro zurück. Anschließend wird ein verkleinertes Politbüro gewählt und Egon Krenz als Generalsekretär bestätigt.
Das Neue Forum (NF) wird als Vereinigung zugelassen.
9.11. Auf einer vom Fernsehen direkt übertragenen, internationalen Pressekonferenz verliest das SED-Politbüromitglied Günter Schabowski um 18.57 Uhr auf eine Anfrage zur neuen Ausreiseregelung beiläufig einen Beschluss des amtierenden Ministerrates, den ihm angeblich der SED-Generalsekretär Egon Krenz kurz vorher zustecken ließ: "Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse) beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt." Auf eine Nachfrage erklärt Schabowski, das trete nach seiner Kenntnis "sofort, unverzüglich" in Kraft. Geplant gewesen ist dies erst später und nur auf Antrag. Daraufhin drängen noch am selben Abend Tausende von Ost-Berlinern nach West-Berlin. Kurz vor Mitternacht öffnen sich die ersten Schlagbäume an der Mauer.
10.11. Nach Öffnung der innerdeutschen Grenzen besuchen Millionen von Bürgern der DDR die grenznahen Städte der Bundesrepublik und West-Berlin. Es kommt zu überschwänglichen Freudenszenen; fremde Menschen umarmen sich, singen, tanzen und jubeln. Bundeskanzler Helmut Kohl bricht seinen Polen-Besuch ab, um am Abend vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin auf einer Kundgebung zu sprechen. Der SPD-Ehrenvorsitzende Willy Brandt prägt dort den Satz "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört".
Sturz der Staats- und Parteiführung in Bulgarien.
11.11. Bundeskanzler Kohl und SED-Generalsekretär Egon Krenz sprechen in einem Telefongespräch über eine Intensivierung der Zusammenarbeit und einigen sich auf eine baldige persönliche Begegnung.
11./12.11. Über das Wochenende besuchen etwa drei Millionen Bürger der DDR die Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin. Der Verkehr in den grenznahen Gebieten bricht teilweise zusammen. Zu Verzögerungen kommt es besonders bei der Auszahlung des Begrüßungsgeldes.
11.11.-18.2.1990 Die von dem schweizerischen Kunsthistoriker Harald Szeemann (geb. 1933) kuratierte Eröffnungsausstellung der Hamburger Deichtorhallen präsentiert mit Richard Serra (geb. 1939), Anselm Kiefer (geb. 1945), Bruce Nauman (geb. 1941) und Gerhard Richter (geb. 1932) Großmeister der aktuellen Kunst.
12.11. In mehreren Städten der DDR finden Kundgebungen und Versammlungen der SED statt, auf denen die Basis eine "Erneuerung der Partei von unten" fordert.
13.11. Der bisherige Volkskammerpräsident Horst Sindermann (1915-1990) tritt zurück. Zu seinem Nachfolger wird - erstmals in geheimer Abstimmung - der Vorsitzende der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands Günther Maleuda gewählt. Nach der Abberufung des amtierenden Ministerrates, dessen Mitglieder Willi Stoph und Erich Mielke sich zu rechtfertigen versuchen, wählt die Volkskammer den "Reformkommunisten" Hans Modrow zum neuen Ministerpräsidenten.
Die DDR hebt die Sperrzonen entlang der Berliner Mauer, der innerdeutschen Grenze und in den Küstengewässern auf.
16.11. Als erstes Mitglied des Warschauer Paktes stellt Ungarn einen Aufnahmeantrag für den Europarat.
Bundeskanzler Kohl sichert der DDR wirtschaftliche Hilfe zu, sobald ein grundlegender Wandel des politischen und wirtschaftlichen Systems vollzogen wird.
17.11. Regierungschef Hans Modrow präsentiert die 28 Minister seines verkleinerten Kabinetts. In seiner Regierungserklärung kündigt er einschneidende Reformen des politischen Systems, der Wirtschaft, des Bildungswesens und der Verwaltung an. Das Ziel ist eine "neue sozialistische Gesellschaft". Der Bundesregierung schlägt er einen Ausbau der Beziehungen hin zu einer "Vertragsgemeinschaft" vor. Spekulationen über eine Wiedervereinigung erteilt Modrow eine klare Absage.
18.11. An die Stelle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) tritt das "Amt für Nationale Sicherheit".
Die Volkskammer setzt einen "Untersuchungsausschuss Amtsmissbrauch" zur Überprüfung der Privilegien der SED-Funktionäre ein.
20.11. Der rumänische Staats- und Parteichef Nicolae Ceausescu (1918-1989) lehnt auf dem Parteikongress der KP in Bukarest jegliche Reformen ab.
20.-23.11. Hunderttausende demonstrieren in Prag gegen das Machtmonopol der Kommunisten.
22.11. Das SED-Polibüro bietet Gespräche am Runden Tisch an.
23.11. Der DDR-Ministerrat beschließt Zollkontrollen gegen den Ausverkauf von DDR-Produkten durch Besucher aus anderen Ländern.
Günter Mittag, der als Verantwortlicher für die wirtschaftliche Misere in der DDR gilt, wird aus der SED ausgeschlossen.
Die Führung der Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei tritt zurück. Am 29.11. wird der Führungsanspruch der Partei aus der Verfassung der CSSR gestrichen.
26.11. Namhafte Intellektuelle und Reformer treten mit dem Aufruf "Für unser Land" dafür ein, die Eigenständigkeit der DDR zu bewahren und damit eine "sozialistische Alternative zur Bundesrepublik" zu schaffen.
28.11. Bundeskanzler Kohl legt ein "Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas", das letztendlich zur Wiedervereinigung Deutschlands führen soll, vor. Nach anfänglicher Zustimmung rücken FDP und SPD von dem Plan ab, da weder die Alliierten vorab unterrichtet wurden, noch die polnische Westgrenze zugesichert sei. Am 1.12. wird der Plan im Bundestag ohne die Stimmen der SPD und der Grünen gebilligt.
29.11. Der SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzende Krenz sowie der DDR-Ministerpräsident Modrow schließen sich dem Aufruf "Für unser Land - zur Bewahrung der Eigenständigkeit der DDR" an.
30.11. Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen (1930-1989), wird in Bad Homburg von Terroristen der Roten Armee Fraktion durch einen Bombenanschlag ermordet.
Die tschechoslowakische Regierung gibt den Abbau der Grenzsperren zu Österreich bekannt.
Dezember
1.12. Die DDR-Volkskammer streicht den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung.
2.12. Ein Bericht des Untersuchungsausschusses der DDR-Volkskammer legt Korruption in der SED-Spitze offen. Daraufhin kommt es im Parlament zu tumultartigen Szenen.
3.12. Auf der 12. Tagung des ZK der SED erfolgt der Rücktritt des Politbüros und des ZK mit Egon Krenz an der Spitze. Erich Honecker, Willi Stoph, Erich Mielke, Alexander Schalck-Golodkowski und weitere Spitzenfunktionäre werden aus der SED ausgeschlossen.
Die ehemaligen Politbüromitglieder Günter Mittag und Harry Tisch (1927-1995) werden wegen schwerer Schädigung des Volkseigentums und der Volkswirtschaft verhaftet.
4.12. In Leipzig dringen Bürger in das Gebäude des Staatssicherheitsdienstes ein, um die Vernichtung von Stasi-Akten zu verhindern.
4./5.12. Die DDR-CDU und die LDPD erklären ihren Austritt aus dem "Demokratischen Block der Parteien und der Massenorganisationen".
5.12. In der DDR wird die Aufhebung des Mindestumtausches und der Visumspflicht für Bundesbürger zum 1. Januar 1990 verkündet.
6.12. Egon Krenz tritt als Staatsratsvorsitzender zurück. Sein Nachfolger wird der Vorsitzende der LDPD, Manfred Gerlach (geb. 1928).
In West-Berlin stellt sich der DDR-Devisenbeschaffer und Staatssekretär im Ministerium für Außenhandel, Alexander Schalck-Golodkowski, der Polizei. In der DDR wird gegen ihn der Vorwurf der "Veruntreuung von Volkseigentum" erhoben.
7.12. Erstmals treffen sich in Ost-Berlin Vertreter der fünf ehemaligen Blockparteien und sieben Oppositionsgruppierungen am "Zentralen Runden Tisch". Es wird beschlossen, das Amt für Nationale Sicherheit aufzulösen, und vorgeschlagen, am 6. Mai 1990 die ersten freien Wahlen abzuhalten.
8.12. Gegen verschiedene SED-Spitzenfunktionäre wie Erich Honecker, Erich Mielke und Willi Stoph werden Ermittlungen wegen des Verdachts des Amtsmißbrauchs und der Korruption eingeleitet.
8./9.12. Auf dem außerordentlichen SED-Parteitag in Ost-Berlin wird die Parteiauflösung abgelehnt. Zum neuen Parteivorsitzenden wird Gregor Gysi gewählt. Seine Stellvertreter werden Hans Modrow und der Dresdner Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer (geb. 1943).
Auf dem EG-Gipfel in Straßburg erkennen die Staats- und Regierungschefs in einer Grundsatzerklärung zum Wandel in Mittel- und Osteuropa prinzipiell das Recht der Deutschen auf Einheit an.
10.12. In Oslo und Stockholm werden die Nobelpreise verliehen. Der Friedensnobelpreis geht an den 14. Dalai Lama (geb. 1935). Der tibetische Religionsführer tritt für den gewaltfreien Widerstand gegen die chinesische Besetzung seines Landes ein.
11.12. Erstmals wird bei den mittlerweile traditionellen Montagsdemonstrationen in der DDR der Ruf nach Wiedervereinigung deutlich.
In West-Berlin findet die erste Viermächtekonferenz seit 18 Jahren statt.
14.12. Die Bürgerbewegung Demokratie Jetzt (DJ) legt einen Dreistufenplan zur deutschen Einheit vor.
15.12. Auf dem Sonderparteitag der DDR-CDU wird der am 12. November gewählte Parteivorsitzende Lothar de Maizière (1912-2006) bestätigt.
16.12. In den westrumänischen Städten Temesvar und Arad bricht der offene Widerstand gegen das Ceausescu-Regime aus. Der Aufstand breitet sich auch auf die Hauptstadt Bukarest aus. Während sich die Armee schließlich auf die Seite der Bevölkerung stellt, setzt der rumänische Staatssicherheitsdienst "Securitate" den Kampf selbst dann noch fort, als am 22.12. der Staats- und Parteichef Nicolae Ceausescu gestürzt wird. Am 25. 12. werden Ceausescu und seine Frau von einem Militärtribunal zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet. Am 26.12. wird die "Securitate" zur Aufgabe gezwungen.
16./17.12. Auf dem Sonderparteitag der SED wird die Umbenennung der Partei in SED-PDS (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands - Partei des Demokratischen Sozialismus) beschlossen.
Gründungsparteitag des Demokratischen Aufbruchs (DA), Vorsitzender wird Wolfgang Schnur.
19./20.12. Bundeskanzler Kohl trifft zu Gesprächen mit Ministerpräsident Hans Modrow in Dresden zusammen. Beide Regierungschefs vereinbaren Verhandlungen über eine deutsch-deutsche Vertragsgemeinschaft. Kohl wird bei seiner Ansprache vor der Ruine der Frauenkirche von der Bevölkerung umjubelt.
20.12. US-Truppen greifen in Panama ein, um General Manuel Noriega (geb. 1940) zu stürzen und unter dem Vorwurf des Drogenhandels zur Verantwortung zu ziehen.
20.-22.12. Der französische Staatspräsident François Mitterrand besucht als erstes Staatsoberhaupt einer westlichen Siegermacht des Zweiten Weltkriegs die DDR.
22.12. In Berlin wird das Brandenburger Tor wieder geöffnet, vorerst allerdings nur für Fußgänger.
24.12. Erstmals können Bundesbürger und West-Berliner ohne Visum und Zwangsumtausch in die DDR reisen.
26.12. Bundesaußenminister Genscher und sein tschechischer Amtskollege Jiri Dienstbier (1937-2011) schneiden in einem symbolischen Akt den Grenzzaun zwischen beiden Staaten am Übergang Waidhaus-Roßhaupt durch.
28.12. Die Symbolfigur des Prager Frühlings, Alexander Dubcek, wird zum Parlamentspräsidenten und einen Tag später der Schriftsteller Vaclav Havel zum neuen Staatspräsidenten der Tschechoslowakei gewählt.
Außerdem
Erich Loest: Fallhöhe (Roman)

(iz/cwg/reh)
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