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- Januar
- 4.1. Zwei US-amerikanische Militärmaschinen schießen
über internationalen Gewässern im Mittelmeerraum zwei libysche
Militärflugzeuge des Typs MiG-23 ab.
- 7.1. In Moskau finden erstmals westdeutsche Theatertage statt.
- 11.1. In Ost-Berlin verlassen 20 ausreisewillige Bürger
der DDR die Ständige Vertretung Bonns in der DDR. Ihnen war zuvor
Straffreiheit und die Überprüfung ihrer Ausreiseanträge
zugesichert worden.
- 15.1. Die Teilnehmer des dritten KSZE-Folgetreffens (Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) in Wien sprechen
sich in ihrem Schlussdokument für konventionelle Abrüstung
in Europa und die Beachtung der Menschenrechte aus.
- 18.1. Mehrere Tausend Studenten demonstrieren in verschiedenen
Städten der Bundesrepublik gegen die schlechten Studienbedingungen
und die Wohnungsnot. Bundesbildungsminister Jürgen Möllemann
(1945-2003) kündigt eine Aufstockung der Finanzmittel an.
- 19.1. DDR-Staats- und Parteichef Erich
Honecker versichert, die Mauer werde "in 50 und auch in 100 Jahren
noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe noch nicht
beseitigt sind".
- 20.1. Der Republikaner George
Bush (geb. 1924) tritt die Nachfolge von Ronald
Reagan als 41. Präsident der USA an.
- 23.1. Der surrealistische Maler, Bildhauer und Grafiker Salvador
Dalì (1904-1989) stirbt in Figueras/Spanien.
- Februar
- 1.2.-12.5. 28 inhaftierte Mitglieder der Rote
Armee Fraktion (RAF) treten in den Hungerstreik, um die Zusammenlegung
aller RAF-Gefangenen in ein Gefängnis zu erzwingen.
- 2.2. Die Wiener Verhandlungen der NATO
und des Warschauer
Paktes über den Truppenabbau enden nach 15jähriger Dauer
ergebnislos, jedoch einvernehmlich. Sie werden durch die am 6. März
beginnenden Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte
in Europa (VKSE) und die Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende
Maßnahmen (VSBM) ersetzt.
- 6.2. In Warschau beginnen Gespräche zwischen 57 Vertretern
von Regierung, Opposition und Kirche Polens am sogenannten Runden Tisch.
Am 5. April wird
zwischen Regierung und Opposition
- ein Abkommen über politische und wirtschaftliche Reformen unterzeichnet.
DDR-Grenzsoldaten erschießen den 20jährigen Schlosser Chris
Gueffroy beim Versuch, von Ost- nach West-Berlin zu flüchten.
- 9.2. Die rechtsextreme "Nationale Sammlung" unter Leitung von
Michael Kühnen (1955-1991) wird vom Bundesinnenministerium wegen
verfassungsfeindlicher Ziele verboten.
- 14.2. Als erstes Bundesland beschließt Schleswig-Holstein
das kommunale Wahlrecht für Ausländer. Einen Tag später
schließt sich Hamburg an.
Im Iran ruft Ayatolla Ruhollah Khomeini (1900-1989) alle Moslems zur
Ermordung des britisch-indischen Schriftstellers Salman Rushdie (geb.
1947) wegen seines Romans "Die Satanischen Verse" auf.
- 15.2. Die letzten sowjetischen Truppen, die seit 1979 Afghanistan
besetzt hatten, verlassen das Land.
- 20.2. Die Außenminister der EG-Staaten beschließen
in Brüssel, wegen der Morddrohung gegen den Schriftsteller Salman
Rushdie ihre Botschafter aus Teheran zurückzurufen. Am 21. Februar
beruft wiederum der Iran seine Botschafter aus den EG-Staaten ab.
- 24.2. Die Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei verzichtet
auf ihren in der Verfassung verankerten Führungsanspruch.
- März
- 3.3. Die DDR-Volkskammer gewährt den ständig in der
DDR lebenden Ausländern das aktive und passive kommunale Wahlrecht.
- 6.3. In Wien beginnen die Verhandlungen über konventionelle
Streitkräfte in Europa (VKSE) und zugleich Verhandlungen über
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) zwischen
den 35 KSZE-Teilnehmerstaaten.
- 8.3. Bundespräsident Richard
von Weizsäcker begnadigt die ehemalige RAF-Angehörige
Angelika Speitel zum 30. Juni 1990.
- 12.3. Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann (geb. 1943)
und Bundesbauminister Oscar Schneider (geb. 1927) sagen ihren geplanten
Besuch der Leipziger Frühjahrsmesse aus Protest gegen die von DDR-Soldaten
zwei Tage zuvor auf flüchtende Bürger abgegebenen Schüsse
ab. Am 16. März lädt die DDR Bundesumweltminister Klaus Töpfer
(geb. 1938) wegen der Absagen seiner Kollegen zur Leipziger Messe ihrerseits
aus.
- 23.3. Bei albanischen Protesten gegen eine vom Präsidenten
der jugoslawischen Teilrepublik Serbien, Slobodan Milosevic (geb. 1941),
betriebene Verfassungsreform zur Einschränkung der Autonomie des
Kosovo kommt es zu Ausschreitungen, bei denen 29 Menschen getötet
werden.
- 24.3. Im Prinz-William-Sund vor der Südküste Alaskas
läuft der mit 206.000 Tonnen Rohöl beladene Tanker "Exxon
Valdez" auf ein Riff und schlägt leck. Es kommt zur bis dahin größten
Ölpest in der amerikanischen Geschichte.
- 26.3. Bei den Wahlen zum ersten sowjetischen Volksdeputiertenkongress
können sich die Bürger erstmals zwischen mehreren Kandidaten
entscheiden. Zahlreiche reformorientierte Politiker werden gewählt.
- 28./29.3. In Hamburg treffen sich ranghohe Offiziere der Bundeswehr
und der NVA
zu einem Meinungsaustausch.
- April
- 8.4. In der georgischen Hauptstadt Tiflis treten nationalistische
Unruhen auf. Demonstranten fordern den Austritt Georgiens aus der UdSSR.
Uraufführung des Schauspiels "Unbefleckte Empfängnis" von
Rolf Hochhuth im
West-Berliner Schillertheater. Hochhuth plädiert mit dem Stück
für die Leihmutterschaft und richtet sich damit gegen Kirche, Staat,
Ärzte, Feministinnen und Gegner der Gentechnologie.
- 12.4. In Ungarn wird das Politbüro der Ungarischen Sozialistischen
Arbeiterpartei aufgelöst und verstärkt mit Reformern neu gebildet.
- 13.4. Bundeskanzler Helmut
Kohl kündigt eine Kabinettsumbildung an (vollzogen 21. April):
unter anderem wird Theo Waigel (geb. 1939) (CSU) Finanzminister, Gerhard
Stoltenberg (geb. 1928) (CDU) Verteidigungsminister und Wolfgang
Schäuble Innenminister.
- 14.4. Der SPD-Vorstand beschließt aus Kostengründen
die endgültige Einstellung des Parteiblattes "Vorwärts" als
Wochenzeitung. Die Zeitung fusioniert mit dem "Sozialdemokratischen
Magazin" zu einer Mitgliederzeitung.
Die Umweltminister von Bund und Ländern vereinbaren für alle
ab 1. Oktober 1991 zugelassenen benzingetriebenen Neuwagen eine Ausrüstungspflicht
mit einem geregelten Drei-Wege-Katalysator.
- 15.4. Im Sheffielder Fußballstadion (England) ereignet
sich die bisher größte Katastrophe in der europäischen
Sportgeschichte. Als etwa 4.000 zu spät kommende Fans in das bereits
überfüllte Stadion drängen, werden 94 Menschen erdrückt
oder zu Tode getreten.
- 17.4. Die polnische Gewerkschaft "Solidarnosc" wird nach jahrelanger
Untergrundarbeit legalisiert.
- Mai
- 2.5. Ungarn beginnt mit dem Abbau der Grenzbefestigungen zu
Österreich.
- 5.5. Der Memminger Frauenarzt Horst Theissen wird wegen illegaler
Abtreibungen zu zweieinhalb Jahren Gefängnis und dreijährigem
Berufsverbot verurteilt.
- 7.5. Bei den Kommunalwahlen in der DDR entfallen nach offiziellen
Angaben 98,8 Prozent der Stimmen auf die Kandidaten der Einheitslisten.
Von Oppositionellen werden zum ersten Mal Kontrollen vorgenommen, vielerorts
Wahlfälschungen festgestellt und publik gemacht.
- 15.5. Nach dreißig Jahren findet zum ersten Mal wieder
ein Gipfeltreffen zwischen der Sowjetunion und China statt. Der Besuch
des sowjetischen Parteichefs Michail
Gorbatschow in Peking wird von Studentendemonstrationen begleitet,
die die Übernahme der Perestroika
durch China fordern.
- 23.5. Bundespräsident Richard von Weizsäcker wird
mit 86,3 Prozent der Stimmen von der Bundesversammlung in seinem Amt
bestätigt.
- 25.5. In der UdSSR wird Parteichef Gorbatschow vom neugeschaffenen
Kongress der Volksdeputierten zum Staatspräsidenten mit besonderen
Vollmachten gewählt.
- 30.5. Die Berliner Philharmoniker geben erstmals seit dem Mauerbau
1961 in Ost-Berlin ein Konzert.
- 30./31.5. Der US-amerikanische Präsident George Bush besucht
die Bundesrepublik.
- Juni
- 3.6. In Teheran/Iran stirbt Ayatollah Ruhollah Khomeini. Während
seiner Beisetzung kommt es zu massenhysterischen Szenen, bei denen sechs
Menschen getötet werden. Khomeini war seit 1979 die alle Lebensbereiche
beherrschende geistige und politische Kraft des Iran. Sein religiöser
Fanatismus wurde zur Initialzündung eines den gesamten arabischen
Raum beeinflussenden islamischen Fundamentalismus.
- 4.6. In Peking richtet das chinesische Militär ein Blutbad
unter Studenten an, die seit Wochen auf dem Platz des Himmlischen Friedens
für mehr Demokratie demonstrieren. Die Angaben über die Zahl
der Toten schwanken zwischen 2.500 und 7.000 Menschen. Dem Massaker
schließt sich eine umfassende Verfolgungswelle an.
Bei den polnischen Parlamentswahlen sind erstmals Oppositionsparteien
zugelassen.
- 7.6. In Ost-Berlin löst der Staatssicherheitsdienst
eine Demonstration gegen die Fälschung der Kommunalwahlergebnisse
vom 7. Mai auf.
- 8.6. In einer Stellungnahme bewertet die DDR-Volkskammer das
Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking als "Niederschlagung
einer Konterrevolution" und zeigt Verständnis für den Einsatz
des Militärs.
- 12.-15.6. Der sowjetische Staats- und Parteichef Gorbatschow
wird bei seinem Staatsbesuch in Bonn von der Bevölkerung mit großem
Jubel empfangen. Zum Abschluss seines Besuchs erklärt er: "Die
Mauer kann wieder verschwinden, wenn die Voraussetzungen entfallen,
die sie hervorgebracht haben".
- 13.6. In Ungarn nehmen Vertreter der Regierung und der Opposition
"Gespräche am Runden Tisch" auf.
- 17.6. Der FC Bayern München wird deutscher Fußballmeister.
- 18.6. Bei den dritten Wahlen zum Europaparlament können
sozialistische Gruppierungen Gewinne erzielen, während die Konservativen
Verluste hinnehmen müssen. Erstmals ziehen die Republikaner mit
7,1% der Stimmen in das Parlament ein.
- 27.6. In einem symbolischen Akt zerschneiden der ungarische
Außenminister Gyula Horn (geb. 1932) und sein österreichischer
Kollege Alois Mock (geb. 1934) bei Sopron den Stacheldrahtzaun an der
gemeinsamen Grenze. Beseitigt werden nur die Grenzsperren, die Grenzkontrollen
bleiben. In der DDR löst dies dennoch einen verstärkten Urlauber-
und Flüchtlingsstrom
nach Ungarn aus.
- Juli
- 6.7. Zwischen der Bundesregierung und der DDR-Regierung wird
eine Umweltvereinbarung zur Säuberung der Elbe und zur Verringerung
der Luftverschmutzung in der DDR geschlossen.
- 7.7. Der sowjetische Staats- und Parteichef Gorbatschow gesteht
auf der ersten Ostblock- Gipfelkonferenz seit 1968 in Bukarest jedem
sozialistischen Staat seine eigene Entwicklung zu. Damit verliert die
sogenannte Breschnew-Doktrin vom November 1968 ihre Gültigkeit.
- 9.7. Bei den Internationalen Tennismeisterschaften in Wimbledon/England
gibt es einen deutschen Doppelerfolg: Bei den Damen gewinnt Steffi
Graf und bei den Herren Boris
Becker .
- 12.7. Der Seniorenschutzbund "Graue Panther" gründet eine
eigene Partei, die "Grauen".
- 14.7. Zeitgleich mit den Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag
der Französischen Revolution findet in Paris der 15. Weltwirtschaftsgipfel
statt.
- 17.7. Österreich beantragt formell die Aufnahme in die
Europäische Gemeinschaft (EG).
- 19.7. In Polen wird der Chef der Kommunistischen Partei, General
Wojciech Jaruzelski (geb. 1923), zum Staatspräsidenten gewählt.
- 27.7. Laut Beschluss des Obersten Sowjet erhalten die drei
baltischen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen ab 1990 weitgehende
wirtschaftliche Autonomie.
- August
- 1.8. Die Zeitungen und Zeitschriften des Axel
Springer-Verlages verzichten von nun an auf die Anführungszeichen
bei der Nennung der DDR. Auf Anweisung des im September 1985 verstorbenen
Axel Springer sollte damit der provisorische Charakter des Staates verdeutlicht
werden.
- 8.8. Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin
wird wegen Überfüllung
- für den Besucherverkehr geschlossen. Über 130 DDR-Bürger
halten sich in der Vertretung auf, um ihre Ausreise zu erzwingen.
- 10.8. Zwischen Frankfurt/Main und Leipzig richtet die Lufthansa
die erste innerdeutsche Fluglinie ein.
- 13.8. Auch die Bonner Botschaft in Budapest muss wegen Überfüllung
geschlossen werden. Von dort wollen rund 180 Bürger der DDR ausreisen.
- 14.8. Der südafrikanische Staatspräsident Pieter
Willem Botha (geb. 1916) erklärt seinen Rücktritt. Sein Nachfolger
wird Frederik Willem De Klerk (geb. 1936).
- 19.8. In Sopron/Ungarn kommt es zur größten Massenflucht
von Bürgern der DDR seit dem Mauerbau. Etwa 900 Menschen nutzen
das von dem Präsidenten der Paneuropa-Union, Otto von Habsburg
(geb. 1912), initiierte "Paneuropäische Picknick" zur Flucht über
die "grüne" ungarisch-österreichische Grenze.
- 21.8. Am 21. Jahrestag der Niederschlagung des Prager
Frühlings fordern Demonstranten in Prag Demokratie und Freiheit.
Die Polizei löst die Demonstration gewaltsam auf.
- 22.8. Die Botschaft der Bundesrepublik in Prag wird wegen Überfüllung
geschlossen. Rund 140 Bürger der DDR wollen von dort aus in den
Westen übersiedeln.
- 24.8. In Budapest erhalten 108 Bürger der DDR, die sich
in der Botschaft der Bundesrepublik aufhalten, durch die ungarische
Regierung als einmalige humanitäre Aktion die Ausreiseerlaubnis
in den Westen.
In Polen wird der Kandidat des "Bürgerkomitees Solidarnosc", Tadeusz
Mazowiecki (geb. 1927), zum ersten nichtkommunistischen Regierungschef
eines Warschauer-Pakt-Staates gewählt.
- 28.8. Bundespräsident Richard von Weizsäcker bekräftigt
in einem Schreiben an den polnischen Staatspräsidenten Jaruzelski
den Verzicht der Bundesrepublik auf Gebietsansprüche an Polen.
- 30.8. In Bayern wird mit den Vorbereitungen zur Errichtung
von Notaufnahmelagern für DDR-Flüchtlinge begonnen.
- September
- 4.9. In Leipzig findet die erste Montagsdemonstration
im Anschluss an das traditionelle Friedensgebet
in der Nikolaikirche statt. Es wird mehr Reisefreiheit und die Abschaffung
des Ministeriums
für Staatssicherheit (MfS) gefordert. Von nun an finden wöchentlich
Montagsdemonstrationen statt.
- 7.9. Auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz wird gegen die Wahlfälschung
bei den Kommunalwahlen vom 7. Mai protestiert. DDR-Sicherheitskräfte
unterbinden die Aktion und nehmen etwa 80 Personen vorübergehend
fest.
- 8.9. Bundeswirtschaftsminister Haussmann ermöglicht durch
einen Ministerentscheid den Zusammenschluss der Daimler-Benz AG mit
dem Luft- und Raumfahrtkonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB).
Damit ist die größte Unternehmensfusion in der Geschichte
der Bundesrepublik abgeschlossen.
- 10./11.9. Ungarn lässt ohne vorherige Absprache mit der
DDR-Regierung alle dort anwesenden DDR-Ausreisewilligen in den Westen
ausreisen. Bis Ende September kommen circa 30.000 Übersiedler auf
diesem Weg in die Bundesrepublik. Diese Grenzöffnung trägt
wesentlich zur "Wende" in der DDR bei.
- 12./13.9. Die DDR protestiert gegen die vorgenommene Öffnung
der ungarischen Grenze für Bürger der DDR und bezeichnet dies
als "organisierten Menschenhandel".
- 12.9. Gründungsaufruf der Bürgerbewegung Demokratie
Jetzt (DJ) in der DDR.
- 15.9.-19.11. Die Hamburger Kunsthalle präsentiert die
Ausstellung "Europa 1789. Aufklärung - Verklärung - Verfall".
- 19.9. Mit dem Neuen
Forum (NF) beantragt erstmals in der DDR eine Oppositionsgruppe
offiziell ihre Zulassung als Vereinigung. Am 20.9. wird der Antrag vorerst
abgelehnt, da die Gruppe "staatsfeindlich" sei.
Auch die west-deutsche Botschaft in Warschau muss wegen Überfüllung
mit ausreisewilligen Bürgern der DDR den Publikumsverkehr vorübergehend
einstellen.
In Düsseldorf wird der Weltverband des Behindertensports, das "Internationale
Paralympische Komitee", gegründet.
- 25.9. Etwa 5.000 Menschen protestieren in Leipzig für
Reformen und gegen das Verbot des Neuen Forums.
- 26.9. Einige Bürger der DDR verlassen die deutsche Botschaft
in Prag und kehren in die DDR zurück, weil ihnen die Ausreise in
den Westen binnen sechs Monaten zugesichert wird. Viele Flüchtlinge
bleiben jedoch in der Botschaft, da sie direkt in die Bundesrepublik
ausreisen wollen.
- 27.9. Aus Furcht vor einer starken, serbisch dominierten Zentralmacht
verabschiedet das slowenische Parlament eine Reihe von Verfassungsänderungen,
die der Republik den Austritt aus dem jugoslawischen Bund ermöglichen.
- 30.9. Bundesaußenminister Hans-Dietrich
Genscher verkündet am Abend auf dem Balkon der bundesdeutschen
Botschaft in Prag, dass alle DDR-Flüchtlinge, die sich in den deutschen
Botschaften in Prag und Warschau befinden, ausreisen dürfen. Offiziell
werden sie aus humanitären Gründen "abgeschoben", da die humanitären
und medizinischen Zustände in diesen Botschaften unhaltbar geworden
seien. Die Ausreiseerlaubnis ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen
den Außenministern der UdSSR, DDR, CSSR, Polens und der Bundesrepublik
in New York am Rande der UN-Vollversammlung.
Im Martin-Gropius-Bau in West-Berlin wird eine Ausstellung zum Werk
des aus der DDR stammenden Künstlers Bernhard
Heisig eröffnet.
- Oktober
- 1.10. Die ersten Sonderzüge aus Warschau und aus Prag
mit circa 6.800 DDR-Flüchtlingen durchqueren die DDR. Ausreisewillige
Bürger der DDR versuchen, auf die Züge aufzuspringen.
- 1.-3.10. Vor der Botschaft in Prag versammeln sich erneut 7.600
Menschen, obwohl die tschechoslowakische Polizei dies zu verhindern
sucht. Am 3.10. gewährt die DDR-Regierung auch ihnen die Ausreise.
- 2.10. In Leipzig demonstrieren 20.000 Menschen für Reformen
in der DDR. Die bisher größte dortige Demonstration für
Demokratie wird von DDR-Sicherheitsorganen gewaltsam aufgelöst.
In Ost-Berlin wird die Oppositionsgruppe Demokratischer
Aufbruch (DA) gegründet.
- 3.10.-11.11. Die DDR-Regierung setzt den visumsfreien Reiseverkehr
mit der Tschechoslowakei vorübergehend aus.
- 4.10. Sonderzüge der DDR-Bahn befördern etwa 7.600
DDR-Flüchtlinge, die in der Prager und in der Warschauer Botschaft
Zuflucht gesucht hatten, über das Territorium der DDR in die Bundesrepublik.
Bahnhöfe und Gleise auf dem Transportweg werden gesperrt, um zu
verhindern, dass weitere Menschen auf die Züge aufspringen. Am
Dresdner Hauptbahnhof liefern sich Ausreisewillige und Demonstranten
die schwersten Auseinandersetzungen mit DDR-Sicherheitskräften
seit dem 17.
Juni 1953.
- 7.10. Der
40. Jahrestag der DDR-Gründung wird mit Militärparaden
und Aufmärschen gefeiert. In Ost-Berlin nimmt der sowjetische Staats-
und Parteichef Gorbatschow an den Festveranstaltungen teil. Er betont
vor der Presse die Notwendigkeit von Reformen und äußert
die berühmten Worte: "Wer zu spät kommt, den bestraft das
Leben". Gleichzeitig finden in mehreren Städten der DDR Demonstrationen
statt, auf denen Zehntausende für Meinungsfreiheit und Reformen
eintreten. Die Demonstrationen werden brutal aufgelöst und dabei
über tausend Menschen festgenommen.
Konstituierung der Sozialdemokratischen
Partei in der DDR (SDP) im märkischen Dorf Schwante.
- 8.10. In Budapest löst sich als erste regierende kommunistische
Partei die ungarische KP auf.
- 9.10. Erstmals demonstrieren in Leipzig über 70.000 Menschen
für eine demokratische Erneuerung der DDR. Der Ruf "Wir
sind das Volk - keine Gewalt" setzt sich durch.
Die Roma und Sinti Union protestiert gegen die drohende Abschiebung
von Roma aus der Bundesrepublik, während gleichzeitig jeden Tag
Tausende von Übersiedlern aus der DDR aufgenommen würden.
- 15.10. Der Schriftsteller Vaclav
Havel (geb. 1936) erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Er kann den Preis nicht persönlich entgegennehmen, da die tschechoslowakische
Regierung ihm keine Ausreisegenehmigung erteilt.
- 16.10. Bei der bislang größten Demonstration in
der DDR seit dem Aufstand
vom 17. Juni 1953 ziehen mehr als 120.000 Menschen durch Leipzig.
Erneut halten sich die Sicherheitskräfte zurück.
- 18.10. Auf der 9. Tagung des Zentralkomitees (ZK) der SED wird
Erich Honecker "auf eigenen Wunsch" von allen Ämtern entbunden.
Gleichzeitig verliert unter anderem auch Günter
Mittag seine Ämter im Politbüro und im Sekretariat des
ZK. Egon Krenz wird
neuer Generalsekretär der SED. In einer von den Medien übertragenen
Rede räumt Krenz ein, daß die SED in den letzten Monaten
die reale Lage verkannt habe. Nun sei aber die "Wende eingeleitet",
doch der "Sozialismus auf deutschem Boden" stehe nicht zur Disposition.
- 19.10. Uraufführung des Theaterstückes "Jonas und
sein Veteran" von Max Frisch
in Zürich. Einen Monat vor der schweizerischen Volksabstimmung
über die Abschaffung der Armee gibt Frisch darin eine klare Stellungnahme
gegen die Armee ab.
- 23.10. Am Abend vor der Wahl von Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden
demonstrieren rund 300.000 Menschen gegen eine "neue Machtkonzentration".
Die "Volksrepublik Ungarn" wird vor jubelnden Menschenmassen in "Republik
Ungarn" umbenannt.
- 24.10. Die Volkskammer wählt Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden
und zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates. Damit sind wiederum
die höchsten Ämter der DDR in einer Person vereinigt.
- 27.10. Der DDR-Staatsrat verkündet eine weitgehende Amnestie
für Flüchtlinge und inhaftierte Teilnehmer nichtgenehmigter
Demonstrationen.
- 28.10. Die älteste bisher bestehende DDR-Oppositionsgruppe
Initiative
Frieden und Menschenrechte (IFM) konstituiert sich als landesweite
Organisation.
- 30.10. In der DDR wird die Sendung "Der schwarze Kanal" des
SED-Chef-Kommentators Karl-Eduard
von Schnitzler nach fast 30 Jahren aus dem Programm genommen.
- 30.10.-3.11. Mit der "Multimediale '89" stellt sich das Zentrum
für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe erstmals der Öffentlichkeit
vor.
- November
- 3.11. Die DDR-Regierung beschließt, dass Bürger
der DDR das Land ohne Formalitäten über das Gebiet der Tschechoslowakei
verlassen können. Daraufhin kommt es in den folgenden Tagen zu
einer erneuten Ausreisewelle.
- 4.11. Bei einer Kundgebung
auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin demonstrieren nach Schätzungen
zwischen 500.000 und einer Million Menschen für demokratische Reformen
und gegen das Machtmonopol der SED in der DDR. Das Fernsehen überträgt
die Veranstaltungen direkt und unangekündigt. Es sprechen unter
anderem Stefan Heym,
Christoph Hein (geb. 1944) und Christa
Wolf. Auf Vorbehalte stoßen Redner wie Markus
Wolf und vor allem Günter
Schabowski, der mehrfach ausgepfiffen wird.
- 6.11. In der DDR-Presse wird der Entwurf für ein neues
Reisegesetz veröffentlicht. Danach kann jeder Bürger der DDR
für maximal 30 Tage pro Jahr ins Ausland reisen, sofern er dies
beantragt und eine Genehmigung erhält. Der Entwurf stößt
auf heftige öffentliche Kritik. Der zuständige Volkskammerausschuss
verwirft die Vorlage bereits am nächsten Tag.
In Leipzig demonstrieren Hunderttausende von Bürgern der DDR für
unbeschränkte Reisemöglichkeiten, die Aufgabe des Führungsanspruchs
der SED und freie Wahlen.
- 7.11. Ministerpräsident Willi
Stoph tritt zusammen mit der gesamten DDR-Regierung zurück.
- 8.11. Auf der 10. Tagung des ZK der SED tritt das Politbüro
zurück. Anschließend wird ein verkleinertes Politbüro
gewählt und Egon Krenz
als Generalsekretär bestätigt.
Das Neue Forum (NF) wird als Vereinigung zugelassen.
- 9.11. Auf einer vom Fernsehen direkt übertragenen, internationalen
Pressekonferenz verliest das SED-Politbüromitglied Günter
Schabowski um 18.57 Uhr auf eine Anfrage zur neuen Ausreiseregelung
beiläufig einen Beschluss des amtierenden Ministerrates, den ihm
angeblich der SED-Generalsekretär Egon Krenz kurz vorher zustecken
ließ: "Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen
von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse)
beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt." Auf
eine Nachfrage erklärt Schabowski, das trete nach seiner Kenntnis
"sofort, unverzüglich" in Kraft. Geplant gewesen ist dies erst
später und nur auf Antrag. Daraufhin drängen noch am selben
Abend Tausende von Ost-Berlinern nach West-Berlin. Kurz vor Mitternacht
öffnen sich die ersten Schlagbäume an der Mauer.
- 10.11. Nach Öffnung
der innerdeutschen Grenzen besuchen Millionen von Bürgern der
DDR die grenznahen Städte der Bundesrepublik und West-Berlin. Es
kommt zu überschwänglichen Freudenszenen; fremde Menschen
umarmen sich, singen, tanzen und jubeln. Bundeskanzler Helmut
Kohl bricht seinen Polen-Besuch ab, um am Abend vor dem Schöneberger
Rathaus in West-Berlin auf einer Kundgebung zu sprechen. Der SPD-Ehrenvorsitzende
Willy Brandt prägt
dort den Satz "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört".
Sturz der Staats- und Parteiführung in Bulgarien.
- 11.11. Bundeskanzler Kohl und SED-Generalsekretär Egon
Krenz sprechen in einem Telefongespräch über eine Intensivierung
der Zusammenarbeit und einigen sich auf eine baldige persönliche
Begegnung.
- 11./12.11. Über das Wochenende besuchen etwa drei Millionen
Bürger der DDR die Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin.
Der Verkehr in den grenznahen Gebieten bricht teilweise zusammen. Zu
Verzögerungen kommt es besonders bei der Auszahlung des Begrüßungsgeldes.
- 11.11.-18.2.1990 Die von dem schweizerischen Kunsthistoriker
Harald Szeemann (geb. 1933) kuratierte Eröffnungsausstellung der
Hamburger Deichtorhallen präsentiert mit Richard Serra (geb. 1939),
Anselm Kiefer (geb. 1945), Bruce Nauman (geb. 1941) und Gerhard Richter
(geb. 1932) Großmeister der aktuellen Kunst.
- 12.11. In mehreren Städten der DDR finden Kundgebungen
und Versammlungen der SED statt, auf denen die Basis eine "Erneuerung
der Partei von unten" fordert.
- 13.11. Der bisherige Volkskammerpräsident Horst Sindermann
(1915-1990) tritt zurück. Zu seinem Nachfolger wird - erstmals
in geheimer Abstimmung - der Vorsitzende der Demokratischen Bauernpartei
Deutschlands Günther
Maleuda gewählt. Nach der Abberufung des amtierenden Ministerrates,
dessen Mitglieder Willi Stoph und Erich
Mielke sich zu rechtfertigen versuchen, wählt die Volkskammer
den "Reformkommunisten" Hans
Modrow zum neuen Ministerpräsidenten.
Die DDR hebt die Sperrzonen entlang der Berliner Mauer, der innerdeutschen
Grenze und in den Küstengewässern auf.
- 16.11. Als erstes Mitglied des Warschauer Paktes stellt Ungarn
einen Aufnahmeantrag für den Europarat.
Bundeskanzler Kohl sichert der DDR wirtschaftliche Hilfe zu, sobald
ein grundlegender Wandel des politischen und wirtschaftlichen Systems
vollzogen wird.
- 17.11. Regierungschef Hans Modrow präsentiert die 28 Minister
seines verkleinerten Kabinetts. In seiner Regierungserklärung kündigt
er einschneidende Reformen des politischen Systems, der Wirtschaft,
des Bildungswesens und der Verwaltung an. Das Ziel ist eine "neue sozialistische
Gesellschaft". Der Bundesregierung schlägt er einen Ausbau der
Beziehungen hin zu einer "Vertragsgemeinschaft" vor. Spekulationen über
eine Wiedervereinigung erteilt Modrow eine klare Absage.
- 18.11. An die Stelle des Ministeriums für Staatssicherheit
(MfS) tritt das "Amt für Nationale Sicherheit".
Die Volkskammer setzt einen "Untersuchungsausschuss Amtsmissbrauch"
zur Überprüfung der Privilegien der SED-Funktionäre ein.
- 20.11. Der rumänische Staats- und Parteichef Nicolae Ceausescu
(1918-1989) lehnt auf dem Parteikongress der KP in Bukarest jegliche
Reformen ab.
- 20.-23.11. Hunderttausende demonstrieren in Prag gegen das
Machtmonopol der Kommunisten.
- 22.11. Das SED-Polibüro bietet Gespräche am Runden
Tisch an.
- 23.11. Der DDR-Ministerrat beschließt Zollkontrollen
gegen den Ausverkauf von DDR-Produkten durch Besucher aus anderen Ländern.
Günter Mittag,
der als Verantwortlicher für die wirtschaftliche Misere in der
DDR gilt, wird aus der SED ausgeschlossen.
Die Führung der Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei tritt
zurück. Am 29.11. wird der Führungsanspruch der Partei aus
der Verfassung der CSSR gestrichen.
- 26.11. Namhafte Intellektuelle und Reformer treten mit dem
Aufruf "Für unser Land" dafür ein, die Eigenständigkeit
der DDR zu bewahren und damit eine "sozialistische Alternative zur Bundesrepublik"
zu schaffen.
- 28.11. Bundeskanzler Kohl legt ein "Zehn-Punkte-Programm zur
Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas", das letztendlich
zur Wiedervereinigung Deutschlands führen soll, vor. Nach anfänglicher
Zustimmung rücken FDP und SPD von dem Plan ab, da weder die Alliierten
vorab unterrichtet wurden, noch die polnische Westgrenze zugesichert
sei. Am 1.12. wird der Plan im Bundestag ohne die Stimmen der SPD und
der Grünen
gebilligt.
- 29.11. Der SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzende
Krenz sowie der DDR-Ministerpräsident Modrow schließen sich
dem Aufruf "Für unser Land - zur Bewahrung der Eigenständigkeit
der DDR" an.
- 30.11. Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred
Herrhausen (1930-1989), wird in Bad Homburg von Terroristen der
Roten
Armee Fraktion durch einen Bombenanschlag ermordet.
Die tschechoslowakische Regierung gibt den Abbau der Grenzsperren zu
Österreich bekannt.
- Dezember
- 1.12. Die DDR-Volkskammer streicht den Führungsanspruch
der SED aus der Verfassung.
- 2.12. Ein Bericht des Untersuchungsausschusses der DDR-Volkskammer
legt Korruption in der SED-Spitze offen. Daraufhin kommt es im Parlament
zu tumultartigen Szenen.
- 3.12. Auf der 12. Tagung des ZK der SED erfolgt der Rücktritt
des Politbüros und des ZK mit Egon Krenz an der Spitze. Erich Honecker,
Willi Stoph, Erich Mielke, Alexander
Schalck-Golodkowski und weitere Spitzenfunktionäre werden aus
der SED ausgeschlossen.
Die ehemaligen Politbüromitglieder Günter Mittag und Harry
Tisch (1927-1995) werden wegen schwerer Schädigung des Volkseigentums
und der Volkswirtschaft verhaftet.
- 4.12. In Leipzig dringen Bürger in das Gebäude des
Staatssicherheitsdienstes ein, um die Vernichtung von Stasi-Akten zu
verhindern.
- 4./5.12. Die DDR-CDU und die LDPD erklären ihren Austritt
aus dem "Demokratischen Block der Parteien
und der Massenorganisationen".
- 5.12. In der DDR wird die Aufhebung des Mindestumtausches und
der Visumspflicht für Bundesbürger zum 1. Januar 1990 verkündet.
- 6.12. Egon Krenz tritt als Staatsratsvorsitzender zurück.
Sein Nachfolger wird der Vorsitzende der LDPD, Manfred Gerlach (geb.
1928).
In West-Berlin stellt sich der DDR-Devisenbeschaffer und Staatssekretär
im Ministerium für Außenhandel, Alexander Schalck-Golodkowski,
der Polizei. In der DDR wird gegen ihn der Vorwurf der "Veruntreuung
von Volkseigentum" erhoben.
- 7.12. Erstmals treffen sich in Ost-Berlin Vertreter der fünf
ehemaligen Blockparteien und sieben Oppositionsgruppierungen am "Zentralen
Runden Tisch". Es wird beschlossen, das Amt für Nationale
Sicherheit aufzulösen, und vorgeschlagen, am 6. Mai 1990 die ersten
freien Wahlen abzuhalten.
- 8.12. Gegen verschiedene SED-Spitzenfunktionäre wie Erich
Honecker, Erich Mielke und Willi Stoph werden Ermittlungen wegen des
Verdachts des Amtsmißbrauchs und der Korruption eingeleitet.
- 8./9.12. Auf dem außerordentlichen SED-Parteitag in Ost-Berlin
wird die Parteiauflösung abgelehnt. Zum neuen Parteivorsitzenden
wird Gregor Gysi gewählt.
Seine Stellvertreter werden Hans Modrow und der Dresdner Oberbürgermeister
Wolfgang Berghofer (geb. 1943).
Auf dem EG-Gipfel in Straßburg erkennen die Staats- und Regierungschefs
in einer Grundsatzerklärung zum Wandel in Mittel- und Osteuropa
prinzipiell das Recht der Deutschen auf Einheit an.
- 10.12. In Oslo und Stockholm werden die Nobelpreise
verliehen. Der Friedensnobelpreis
geht an den 14. Dalai Lama (geb. 1935). Der tibetische Religionsführer
tritt für den gewaltfreien Widerstand gegen die chinesische Besetzung
seines Landes ein.
- 11.12. Erstmals wird bei den mittlerweile traditionellen Montagsdemonstrationen
in der DDR der Ruf nach Wiedervereinigung
deutlich.
In West-Berlin findet die erste Viermächtekonferenz seit 18 Jahren
statt.
- 14.12. Die Bürgerbewegung Demokratie Jetzt (DJ) legt einen
Dreistufenplan zur deutschen Einheit vor.
- 15.12. Auf dem Sonderparteitag der DDR-CDU wird der am 12.
November gewählte Parteivorsitzende Lothar
de Maizière bestätigt.
- 16.12. In den westrumänischen Städten Temesvar und
Arad bricht der offene Widerstand gegen das Ceausescu-Regime aus. Der
Aufstand breitet sich auch auf die Hauptstadt Bukarest aus. Während
sich die Armee schließlich auf die Seite der Bevölkerung
stellt, setzt der rumänische Staatssicherheitsdienst "Securitate"
den Kampf selbst dann noch fort, als am 22.12. der Staats- und Parteichef
Nicolae Ceausescu gestürzt wird. Am 25. 12. werden Ceausescu und
seine Frau von einem Militärtribunal zum Tode verurteilt und sofort
hingerichtet. Am 26.12. wird die "Securitate" zur Aufgabe gezwungen.
- 16./17.12. Auf dem Sonderparteitag der SED wird die Umbenennung
der Partei in SED-PDS (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands -
Partei des Demokratischen Sozialismus) beschlossen.
Gründungsparteitag des Demokratischen
Aufbruchs (DA), Vorsitzender wird Wolfgang
Schnur.
- 19./20.12. Bundeskanzler Kohl trifft zu Gesprächen mit
Ministerpräsident Hans Modrow in Dresden zusammen. Beide Regierungschefs
vereinbaren Verhandlungen über eine deutsch-deutsche Vertragsgemeinschaft.
Kohl wird bei seiner Ansprache vor der Ruine der Frauenkirche von der
Bevölkerung umjubelt.
- 20.12. US-Truppen greifen in Panama ein, um General Manuel
Noriega (geb. 1940) zu stürzen und unter dem Vorwurf des Drogenhandels
zur Verantwortung zu ziehen.
- 20.-22.12. Der französische Staatspräsident François
Mitterrand besucht als erstes Staatsoberhaupt einer westlichen Siegermacht
des Zweiten Weltkriegs die DDR.
- 22.12. In Berlin wird das Brandenburger Tor wieder geöffnet,
vorerst allerdings nur für Fußgänger.
- 24.12. Erstmals können Bundesbürger und West-Berliner
ohne Visum und Zwangsumtausch in die DDR reisen.
- 26.12. Bundesaußenminister Genscher und sein tschechischer
Amtskollege Jiri Dienstbier (geb. 1937) schneiden in einem symbolischen
Akt den Grenzzaun zwischen beiden Staaten am Übergang Waidhaus-Roßhaupt
durch.
- 28.12. Die Symbolfigur des Prager Frühlings, Alexander
Dubcek, wird zum Parlamentspräsidenten und einen Tag später
der Schriftsteller Vaclav Havel zum neuen Staatspräsidenten der
Tschechoslowakei gewählt.
- Außerdem
- Erich Loest: Fallhöhe
(Roman)
(iz/cwg/reh)
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