1945-49

 

Entstehung zweier deutscher Staaten: Scheitern der Viermächte-Regierung

Geschirr: Galaservice des Alliierten Kontrollrates, 1947
Karikatur: Mirko Szewczuk "Die Konferenz", 1949

Die auf der Potsdamer Konferenz beschlossenen Ziele sind allgemein und unpräzise formuliert. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Auslegung durch die vier Siegermächte kommt es in der alltäglichen Praxis nicht zu einer gemeinsamen Politik. Die erforderlichen einstimmigen Beschlüsse des Alliierten Kontrollrates sind deshalb fast unmöglich. Die geplanten gesamtdeutschen Verwaltungsstellen werden nicht errichtet. Daher sind die Militärgouverneure auf sich gestellt und handeln eigenständig in ihren Zonen. Die vier Besatzungszonen entwickeln sich auseinander. Umstritten ist zwischen den Alliierten zunächst vor allem die Reparationsfrage: Während die USA und Großbritannien an der Stabilisierung der deutschen Wirtschaft interessiert sind, wollen Frankreich und die UdSSR in erster Linie umfangreiche Reparationen erhalten. Der Konflikt ist unvermeidlich.

Bereits im Mai 1946 stoppt General Clay die Lieferungen von Reparationsgütern aus der amerikanischen Besatzungszone an die Sowjetunion. Die Wende in der amerikanischen Deutschlandpolitik wird im September 1946 durch Außenminister Byrnes in seiner Stuttgarter Rede angekündigt: Künftig setzen die USA auf eine aktive Mitarbeit der Deutschen und eine wirtschaftliche Konsolidierung der drei westlichen Zonen. Entscheidungen sollen in Zukunft auch gegen den Willen der anderen Besatzungsmächte getroffen werden. Als Folge dieser Politik kommt es zur Bildung der Bizone und der Verkündung des Marshallplans. Wie zu erwarten, lehnt die UdSSR die Teilnahme für sich und die Länder in ihrem Einflussbereich, einschließlich der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), ab. Die Spaltung Europas und Deutschlands beginnt sich abzuzeichnen.

Nach dem Scheitern der Londoner Außenministerkonferenz Ende 1947 entschließen sich Großbritannien und die USA endgültig zur Gründung eines westdeutschen Teilstaates. Frankreich wird zur Mitarbeit veranlasst. Das offizielle Ende der Viermächte-Regierung in Deutschland kommt am 20. März 1948: Der Alliierte Kontrollrat wird von Marschall Sokolowski auf unbestimmte Zeit vertagt. Die Waffenbrüderschaft der Anti-Hitler-Koalition ist damit endgültig zerbrochen. Nur wenig später kommt es mit der Berlin-Blockade zum ersten Höhepunkt des Kalten Krieges.

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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