1949-89

 

Das geteilte Deutschland

Werbeplakat für die in die NATO integrierte Bundeswehr, um 1956
Plakat: Klassenbrüder-Waffenbrüder, Warschauer Pakt, 1965
Photo: Ludwig Erhard präsentiert sein Buch "Wohlstand für alle", 1957
Werbeplakat für den Ersten Fünfjahrplan, 1952
Photo: Kabinett der sozial-liberalen Koalition, 1969
Photo zum zunehmenden Verfall in der DDR, 1982
Sachbuch: Michail Gorbatschow, Perestroika, 1987

1949 werden zwei deutsche Staaten gegründet: Die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik Deutschland. Die drei Westmächte fördern in ihren Zonen den Aufbau einer parlamentarischen Demokratie. Die Sowjetunion ebnet der SED den Weg zu einer kommunistischen Diktatur. Nach ihrer Gründung werden beide deutschen Staaten Schritt für Schritt in die jeweiligen Machtblöcke integriert. Zunächst erfolgt die wirtschaftliche Einbindung in den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) beziehungsweise die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). 1955 werden die DDR in das östliche Militärbündnis des Warschauer Paktes und die Bundesrepublik in das westliche Militärbündnis der NATO als Mitglieder aufgenommen. Im Gegenzug erhalten beide deutschen Staaten weitgehend ihre Souveränität zurück. Mit der Nationalen Volksarmee und der Bundeswehr werden zwei deutsche Armeen gebildet, die sich am Eisernen Vorhang gegenüberstehen. Die deutsche Teilung vertieft sich.

Der politische Kurs der Bundesrepublik Deutschland wird maßgeblich durch den ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer geprägt. Das von ihm verfolgte Konzept der politischen und wirtschaftlichen Westintegration wird bald von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt und von den Nachfolgern Adenauers fortgeführt. Die deutsch-französische Aussöhnung und die Verpflichtung zur Wiedergutmachung für die nationalsozialistischen Verbrechen werden ebenfalls von Adenauer vorangetrieben.
In der DDR ist der eigentliche Machthaber der Erste Sekretär des Zentralkomitees der SED, Walter Ulbricht. Er treibt die Umgestaltung nach dem Vorbild der Sowjetunion voran und übernimmt nach und nach alle Schlüsselpositionen in Staat und Partei. Erst 1971 wird Ulbricht durch Erich Honecker abgelöst. Zur Verfolgung von Regimegegnern wird 1950 das Ministerium für Staatssicherheit gegründet. An der Spitze der gefürchteten "Stasi" steht seit 1957 Erich Mielke.

Beeinflußt durch die jeweilige Besatzungsmacht, gehen beide deutschen Staaten auch in der Wirtschaftspolitik von Anfang an unterschiedliche Wege. In der Bundesrepublik setzen sich die Befürworter einer sozial verpflichteten Marktwirtschaft durch. Die Soziale Marktwirtschaft in Verbindung mit dem Marshallplan und einer weltweiten Hochkonjunktur verhilft zu einem raschen Wiederaufbau. Das "Wirtschaftswunder" hält bis Mitte der 1960er Jahre an. Es trägt dazu bei, die Millionen Vertriebenen einzugliedern, die Wohnungsnot zu überwinden und fast Vollbeschäftigung zu erreichen. In der SBZ beginnt hingegen bereits 1945 der Aufbau einer sozialistischen Zentralplanwirtschaft. Diese und die Wiederaufrüstung verlangsamen den Wiederaufbau in der DDR. Von Anfang an belastet auch die ständige Flucht von qualifizierten Arbeitskräften in den Westen die DDR-Wirtschaft. Die meisten Menschen fliehen über das noch offene West-Berlin in den Westen. Durch den Bau der Berliner Mauer im August 1961 wird auch dieser Fluchtweg schließlich von der DDR geschlossen. Mit dem Mauerbau und der Kuba-Krise erreicht der Kalte Krieg seinen Höhe- und Wendepunkt.

Nach dem Ende der Ära Adenauer wandelt sich das politische und kulturelle Klima in der Bundesrepublik. Vor allem von der studierenden Jugend und den Intellektuellen werden die herrschenden Traditionen und Werte in Frage gestellt. Die Bundestagswahl 1969 macht den Stimmungsumschwung deutlich: Erstmals gelingt es der SPD, mehr als 40 Prozent der Stimmen zu gewinnen und zusammen mit der FDP die Regierung zu übernehmen. Die sozial-liberale Koalition mit Willy Brandt und Walter Scheel an der Spitze ergänzt mit ihrer Ostpolitik die Politik der Westintegration Adenauers. Im Rahmen einer weltweiten Entspannungspolitik ist die Regierung Brandt/Scheel bereit, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa entstandenen Grenzen anzuerkennen und Gewaltverzichtsverträge abzuschließen. Verbunden mit der Ostpolitik ist auch die "Normalisierung" der Beziehungen beider deutscher Staaten zueinander. Mit dem Grundlagenvertrag wird die Basis für ein geregeltes Nebeneinander gelegt.

Durch den Mauerbau stabilisiert sich die DDR politisch und wirtschaftlich. Der Lebensstandard bleibt jedoch wesentlich geringer als im Westen. In den 1970er Jahren wird die DDR von der weltweiten Wirtschaftskrise erfaßt. Vor allem die steigenden Rohstoffpreise verursachen Probleme. Schließlich helfen nur noch Milliardenkredite aus der Bundesrepublik. Dem rasanten wirtschaftlichen Strukturwandel kann die DDR längst nicht mehr folgen. Trotzdem weigert sich die SED, Reformen im wirtschaftlichen sowie im politischen Bereich durchzuführen. Dies hat das Erstarken oppositioneller Gruppen und einer massiven Ausreisewelle zur Folge. Im Herbst 1989 demonstrieren schließlich Hunderttausende DDR-Bürger für politische Reformen. Die Demokratiebewegung und die Maueröffnung im November 1989 führen zum rapiden Machtverlust der SED. Daß die DDR jedoch innerhalb kürzester Zeit in sich zusammenfällt, übertrifft alle Erwartungen.

Die von Bundeskanzler Helmut Schmidt geführte sozial-liberale Koalition zerbricht 1982 an den Folgen einer anhaltenden Wirtschaftskrise und den Auseinandersetzungen um den NATO-Doppelbeschluss. Die nachfolgende christlich-liberale Koalition unter Bundeskanzler Helmut Kohl hält trotz großer öffentlicher Proteste an der Nachrüstung fest. Auch die europäische Integration wird durch die Regierung Kohl/Genscher vorangetrieben. Insgesamt orientiert sie sich jedoch an der bisherigen Außen- und Deutschlandpolitik. Im September 1987 kommt es sogar zu dem lange geplanten Besuch Honeckers in Bonn. Als dem SED- Regime aber im Herbst 1989 die Macht entgleitet, ergreift Bundeskanzler Kohl sofort die Chance, die deutsche Frage wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Durch Verhandlungen mit den vier Siegermächten des Zweiten Weltkriegs 1990 kann er den Prozess der Wiedervereinigung außenpolitisch absichern. Am 3. Oktober 1990 wird die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten schließlich offiziell vollzogen.

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