1949-55

 

Wiederbewaffnung: Kontroverse um die Atombewaffnung

Wahplakat der SPD zu den Bundestagswahlen, 1957
Plakat des Arbeitsausschusses Kampf dem Atomtod mit Albert Schweitzer, 1958
Broschüre: Martin Niemöller zur atomaren Rüstung, 1959

Um das Übergewicht der UdSSR an konventionellen Streitkräften in Europa auszugleichen, setzen die USA Mitte der 50er Jahre verstärkt auf atomare Abschreckung. Großbritannien und Frankreich arbeiten an der Entwicklung von Atomwaffen. Die Bundesregierung will ebenfalls an der atomaren Umrüstung der NATO beteiligt sein und drängt auf eine gleichberechtigte Bewaffnung der Bundeswehr. Auch NATO-Oberbefehlshaber General Norstad fordert im Februar 1957 für die Bundeswehr den Besitz von Kernwaffen. Im Dezember 1957 beschließen die Regierungschefs der NATO-Mitgliedsstaaten, die westeuropäischen Armeen mit Mittelstreckenraketen und Atomsprengköpfen auszurüsten.

Weil die Bundesrepublik in den Pariser Verträgen auf die Produktion und den Erwerb von Kernwaffen verzichtet hatte, soll die Bundeswehr nach dem Willen von Verteidigungsminister Strauß zumindest mit Trägersystemen für amerikanische Sprengköpfe ausgerüstet werden. Auch Bundeskanzler Adenauer tritt für die Atombewaffnung der Bundeswehr ein. Auf einer Pressekonferenz im April 1957 bezeichnet er die taktischen Atomwaffen verharmlosend als "Weiterentwicklung der Artillerie." Gegen die Politik Adenauers protestiert eine Gruppe angesehener deutscher Atomphysiker, darunter die Nobelpreisträger Otto Hahn, Max Born und Werner Heisenberg. Im "Göttinger Manifest" vom 12. April 1957 fordern sie öffentlich den Verzicht der Bundesrepublik "auf den Besitz von Atomwaffen jeder Art".

Eine von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und pazifistischen Gruppen im März 1958 angeregte Kampagne "Kampf dem Atomtod" führt in den darauffolgenden Wochen zu großen Demonstrationen. Eine der Leitfiguren des Protestes ist der evangelische Kirchentagspräsident Martin Niemöller. Auch im Bundestag kommt es zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen Regierung und Opposition. Die absolute Mehrheit von CDU/CSU und Deutscher Partei (DP)im Bundestag beschließt am 25. März 1958, die Bundeswehr mit Trägersystemen für Nuklearwaffen auszurüsten.

Dokument Erklärung: Göttinger Manifest, 1957
Dokument Aufruf: Gründungsaufruf der Aktion "Kampf dem Atomtod", 1958

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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