1949-55

 

Wirtschaftlicher Aufbau "Markt- oder Planwirtschaft?"

Wahlplakat der CDU zum Bundestagswahlkampf, 1953
Werbeplakat für den Ersten Fünfjahrplan, 1952
Wahlplakat: Wohlstand für alle durch die Soziale Marktwirtschaft, 1957
Schautafel: Die soziale Sicherung, 1954

Gegensätze und Differenzen hinsichtlich der zukünftigen Wirtschaftsordnung verhindern nach 1945 die auf der Potsdamer Konferenz beschlossene Wahrung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands. Spätestens seit der Währungsreform verläuft die wirtschaftliche Entwicklung der späteren DDR völlig getrennt von der Wirtschaftspolitik in den westlichen Besatzungszonen: In der sowjetischen Besatzungszone wird eine sozialistische Zentralplanwirtschaft nach sowjetischem Vorbild errichtet, die westlichen Besatzungszonen entscheiden sich bei der Neuordnung der Wirtschaft für die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft.

Die Sowjetunion beginnt schon 1945 in ihrer Besatzungszone mit der Durchführung einer umfassenden Boden- und Industriereform. Das seit Beginn des Zweiten Weltkriegs praktizierte System einer staatlichen Zwangswirtschaft wird übernommen und im Sinne einer sozialistischen Zentralplanwirtschaft ausgebaut. Die DDR führt diese System weiter. In den zentralgesteuerten Mehrjahresplänen hat zunächst der Wiederaufbau, insbesondere der Aufbau einer eigenen Schwerindustrie Priorität, die Konsumgüterproduktion wird dagegen vernachlässigt. Versorgungskrisen lassen jedoch in der Bevölkerung Zweifel an der Überlegenheit der Wirtschaftsordnung aufkommen.

Auch die Lage in den westlichen Besatzungszonen ist durch Versorgungsmangel und Kriegszerstörung gekennzeichnet. Zur Förderung des Wiederaufbaus und der wirtschaftlichen Integration Westdeutschlands in die westeuropäische Staatenwelt drängen die USA auf den Aufbau einer marktwirtschaftlich orientierten Wirtschaftsordnung. Bei ihnen findet Ludwig Erhards Konzept einer Sozialen Marktwirtschaft Gehör. 1948 erfolgt zusammen mit der Währungsreform und dem Abbau der Bewirtschaftung die Neuordnung der Wirtschaft. An die Stelle eines wirtschaftlichen Zwangssystems tritt die Marktwirtschaft mit freier Preisbildung, die ihre Grenzen jedoch in der staatlichen Pflicht zur Wahrung von sozialer Gerechtigkeit findet.

Nach Anfangsschwierigkeiten kann sich die Soziale Marktwirtschaft durchsetzen. Ihre Erfolge führen zu einer wachsenden Akzeptanz bei früheren Kritikern, zumal der ökonomische Aufschwung dazu beiträgt, drängende Probleme wie hohe Arbeitslosigkeit und große Wohnungsnot zu lösen sowie sozialpolitische Anliegen finanziell abzusichern.

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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