1963-74 |
Große Koalition: Kanzlersturz |
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Im September 1965 gewinnt die Koalition von CDU/CSU und Freier Demokratischer Partei (FDP) unter Kanzler Ludwig Erhard die Bundestagswahl. Die bald danach einsetzende wirtschaftliche Rezession führt jedoch zu einer Belastung der öffentlichen Haushalte. In dieser Situation lässt der Bundeskanzler Führungskraft vermissen. Eine aktive Finanz- und Wirtschaftspolitik widerspräche seinem Konzept vom "freien Spiel der Kräfte". Weil er sich mit den Intellektuellen anlegt, wenden sich auch die Medien von Erhard ab. Innerhalb eines Jahres sinkt sein Ansehen dramatisch. Selbst in den Unionsparteien mehren sich nun die Stimmen, die seine Ablösung fordern. Auch in der Bundeswehr herrscht Krisenstimmung. Der Starfighter, das neue US-Kampfflugzeug der Luftwaffe, ist technisch offenbar noch nicht ausgereift. Allein 1965 stürzen 26 Maschinen ab, wobei 15 Piloten ums Leben kommen. Der Verteidigungsausschuss des Bundestages leitet daraufhin eine Untersuchung ein. Im Juli 1966 verliert die CDU dann die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, die Erhard zuvor zur Testwahl für seine Politik erklärt hatte. Die Niederlage leitet das Ende von Erhards Kanzlerschaft ein. Über den neuen Bundeshaushalts kommt es im Oktober 1966 schließlich zum Streit zwischen CDU/CSU und FDP. Da die FDP mögliche Steuererhöhungen strikt ablehnt, treten ihre Minister am 27. Oktober 1966 geschlossen zurück. Die Regierungskoalition ist damit zerbrochen. Doch auch die eigene Partei lässt Erhard nun fallen. Noch während er mit einem Minderheitskabinett regiert, verhandelt die CDU/CSU mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) über die Bildung einer Großen Koalition. Am 30. November 1966 tritt Bundeskanzler Erhard dann zurück. Bereits einen Tag später wählt der Bundestag den bisherigen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Kurt Georg Kiesinger, zu seinem Nachfolger. (ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |