1963-74

 

Sozial-liberale Koalition: Bildungsreform

Sachbuch: Hildegard Hamm-Brücher " Auf Kosten unserer Kinder", 1965
Sachbuch: Bildungsgesamtplan, 1973

Seit Mitte der 60er Jahre ist die Kritik am deutschen Bildungssystem ein wichtiges politisches Thema. Unter Hinweis auf ausländische Vorbilder werden eine größere Zahl von Abiturienten und eine Reform der Universitäten gefordert. Bald macht sogar das Wort von der deutschen "Bildungskatastrophe" die Runde. Ein überparteiliches Bündnis aus Wissenschaft, Politik, Kirchen und Wirtschaft unterbreitet zahlreiche Vorschläge zur Verbesserung des Bildungswesens. Die von der Großen Koalition eingeleiteten Reformen werden von der sozial-liberalen Regierung energisch vorangetrieben. Zwischen 1970 und 1975 verdoppeln sich die Bildungsausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden.

Politiker aller Parteien befürchten, dass aufgrund der "Bildungskatastrophe" die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft gefährdet sein könnte. Bund und Länder bemühen sich deshalb gemeinsam um eine Lösung. Doch bei den Vorschlägen für Reformen zeigen sich grundlegende Differenzen zwischen den Unionsparteien auf der einen sowie der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und der Freien Demokratischen Partei (F.D.P.) auf der anderen Seite. Vor allem über die Einrichtung von Gesamtschulen entwickelt sich zwischen beiden Seiten ein jahrelanger Schulkampf.

Der von Bund und Ländern gemeinsam erarbeitete Bildungsgesamtplan entwirft ein bundesweites Konzept für eine Reform des gesamten Bildungswesens bis 1985. Doch schon im Mai 1974 stellen die Länderfinanzminister fest, dass aufgrund der wirtschaftlichen Rezession die vorgegebenen Ziele nicht einzuhalten sind. Viele Leistungen werden nach und nach gestrichen. Trotz der Gründung zahlreicher neuer Hochschulen müssen Zugangsbeschränkungen eingeführt werden.

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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