1963-74

 

Sozial-liberale Koalition: Schulkampf

Sachbuch: Bildungsgesamtplan, 1973
Zeitschrift: "Der Spiegel" zum Bildungsnotstand, 1964

Zur Vorbereitung "eines langfristigen Rahmenplans" für eine Bildungsreform wird im Juni 1970 eine Bund-Länder-Kommission eingesetzt. Der von ihr 1973 vorgelegte Bildungsgesamtplan fordert mehr und vor allem bessere Schulen, moderne Unterrichtsinhalte, gleiche Chancen für alle und Mitwirkungsmöglichkeiten für Lehrer, Eltern und Schüler. Vor allem um die Chancengleichheit im Bildungswesen zu verbessern, werden in verschiedenen Bundesländern Versuche unternommen, Gymnasium, Realschule und Hauptschule zur Gesamtschule zusammenzufassen. Erfahrungen der 20er Jahre sowie anderer europäischer Staaten stehen bei der Einführung der Gesamtschule Pate.

Aufgrund der Länderhoheit in Fragen des Bildungswesens werden in den einzelnen Bundesländern verschiedene Gesamtschultypen eingeführt. Die Zahl der Gesamtschulen steigt bis 1976 bundesweit auf 156 an. Vor allem die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die Freie Demokratische Partei (F.D.P.) und die Gewerkschaften setzen sich für die Gesamtschule ein. Christlich Demokratische Union (CDU) und Christlich Soziale Union (CSU) sowie die Gymnasiallehrer stehen der neuen Schulform hingegen skeptisch bis ablehnend gegenüber. Sie wenden sich gegen die "Gleichmacherei" durch eine "Einheitsschule".
Im Juli 1972 einigen sich die Kultusminister der Länder auf eine Reform der gymnasialen Oberstufe: Die Klassen 11 - 13 werden nun in Grund- und Leistungskurse aufgelöst. Statt der bisherigen Zensuren von 1 - 6 sollen nun Punkte zwischen 0 und 15 vergeben werden. Während die Belegung einiger Fächer den Schülern zur Pflicht gemacht wird, können sie andere frei wählen. Die Reform soll die individuellen Fähigkeiten der Schüler fördern und sie besser auf ein Universitätsstudium vorbereiten.

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