1963-74 |
Unruhige Jahre: Kunst als Provokation |
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Neue Kunstformen verändern die Kunstszene in den 60er Jahren. Happening und Fluxus wollen mit theaterähnlichen Inszenierungen die Grenzen zwischen den Kunstmedien, zwischen Künstler und Zuschauer sowie zwischen künstlerischem und realem Bereich auflösen. An der Entwicklung dieser Aktionskunst, die auf eine Einheit von Kunst und Leben zielt, arbeiten vor allem Joseph Beuys, Wolf Vostell und Daniel Spoerri. Unter dem Einfluss der amerikanischen Pop Art gewinnt der Realismus wieder an Bedeutung. Häufig dient wie bei Gerhard Richter (geb. 1932) das fotografische Bild der Wirklichkeit als Vorlage. In Berlin entsteht um Johannes Grützke (geb. 1937) ein Zentrum des kritischen Realismus. Joseph Beuys zählt ab den 60er Jahren mit seinen Aktionen, Objekten, Installationen und Zeichnungen zu den bedeutendsten Avantgardisten. Mit Hilfe außergewöhnlicher Materialen wie Wachs, Fett und Filz erarbeitet er seine Objekte, die häufig die Transformation von Energie thematisieren. Seine Kunst zielt auf die mytischen Kräfte im Menschen. Jeder Mensch und alle Lebensbereiche sind nach Beuys' Ansicht künstlerisch. Mit Hilfe von umstrittenen Aktionen versucht er seinen erweiterten Kunstbegriff umzusetzen. Berühmt werden vor allem sein Fluxuskonzert in der Berliner Akademie der Künste 1969 und sein Happening "24 Stunden" mit Wolf Vostell, Bazon Brock (geb. 1936) und Nam June Paik 1965 in Wuppertal. Als feste Institution innerhalb der Kunstszene und Forum für neue Kunstformen etabliert sich seit 1955 die Kasseler "documenta", die alle vier bis fünf Jahre 100 Tage lang Schlüsselwerke der internationalen Moderne präsentiert. 1968 und 1972 bilden Pop Art und Fotorealismus die Schwerpunkte dieses Ausstellungsereignisses. Auch "Multiple Objekte", die sich beliebig vervielfältigen lassen, werden als Tendenzen der Gegenwartskunst vorgestellt. Ihre industrielle Herstellungsform zielt auf eine massenhafte Verbreitung des künstlerischen Anliegens. Aufgrund dieses Anspruchs wird in der multiplizierten Kunst während der Studentenbewegung vielfach ein Mittel zur Demokratisierung der Kultur gesehen. (ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |