1963-74 |
Unruhige Jahre: Neue Frauenbewegung |
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Die sich im Zuge der Studentenbewegung bereits 1968 formierende Neue Frauenbewegung erfährt Anfang der 70er Jahre als Protestbewegung gegen den "Abtreibungsparagraphen" 218 StGB eine enorme Ausweitung. In vielen Städten entstehen Frauengruppen, die in der Öffentlichkeit für seine Streichung eintreten. Mit Kampagnen wie der Unterschriftenaktion "Ich habe abgetrieben" und Parolen wie "Mein Bauch gehört mir" fordern sie das Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Mitte der 70er Jahre differenzieren sich die Aktivitäten und Gruppen. Mit zahlreichen Projekten und Initiativen kämpfen sie gegen die alltägliche Diskriminierung von Frauen in Beruf und Gesellschaft. Anders als in der Weimarer Republik steht beim Kampf gegen den § 218 jetzt nicht mehr die Angst vor der wirtschaftlichen Not, sondern die Forderung nach Eigenständigkeit und Selbstverantwortung im Vordergrund. Als Folge der § 218-Kampagne werden seit 1973 zahlreiche Frauenzentren gegründet, die als Versammlungs- und Arbeitsorte dienen. Ein feministisches Bewusstsein mit dem Ziel, den allgemeinen Einfluss der Frau im politischen und gesellschaftlichen Leben zu stärken, beginnt sich in der Bewegung durchzusetzen. Mit der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit gehen Frauen auf die Straße, überregionale Konferenzen zu Frauenthemen finden großen Zulauf. 1974 wird in München der erste Frauenverlag gegründet, ein Jahr später der erste Frauenbuchladen eröffnet. 1976 entsteht in West-Berlin das erste Frauenhaus für misshandelte Frauen. Im selben Jahr findet - ebenfalls in West- Berlin - die erste Frauen-Sommeruniversität statt. Auch publizistisch findet die neue Frauenbewegung ihren Niederschlag. Untersuchungen zur Stellung der Frau in der Gesellschaft erscheinen. In Romanen und Sachbüchern wird die historische und aktuelle Rolle der Frau neu interpretiert und definiert. 1975, im internationalen Jahr der Frau, erscheint Alice Schwarzers Buch "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen". Darin versucht die Autorin, diejenigen Mechanismen aufzudecken, die zur Unterdrückung der Frauen führen und als "patriarchalisches Prinzip" alle Lebensbereiche bestimmen. Das heftig umstrittene Buch, das die tabubesetzte weibliche Sexualität zum öffentlichen Thema macht, wird schnell zum Bestseller.
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