1963-74

 

Unruhige Jahre: Neuer Deutscher Film

Filmplakat: Es, 1966
Filmplakat: Abschied von gestern, 1966
Filmplakat: Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt, 1974

1962 unterzeichnen 26 junge Filmemacher bei den Oberhausener Kurzfilmtagen ein Manifest gegen den "konventionellen deutschen Film" und die künstlerisch einengenden kommerziellen Produktionsmethoden. Sie wollen dem ihrer Ansicht nach verlogenen Kino der Wirtschaftswunderzeit einen "neuen deutschen Film" entgegensetzen, der die Wirklichkeit in der Bundesrepublik zeigt. Zu den Unterzeichnern gehören u.a. Alexander Kluge, Peter Schamoni (geb. 1934) und Edgar Reitz (geb. 1932), die in der Folgezeit gemeinsam mit anderen jungen Regisseuren realistische Filme über aktuelle Themen wie Abtreibung, Scheidung, Generationenkonflikte und gesellschaftliche Außenseiter drehen.

Die Ausdrucksweisen und Techniken der jungen Filmemacher sind vielfältig. Durch eigenwillige Montagen und die Vermischung von Dokumentar - und Filmsequenzen entsteht ein eigener Stil. Sexualität wird als Bestandteil des Alltags bewußt einbezogen, die Darsteller nicht als "glatte" Schönheiten, sondern als "Gesichter mit Charakter" gezeigt. Die neuen Produktionen kommen zudem mit einem deutlich geringeren Budget aus. Sie verzichten häufig auf technische Vollkommenheit und arbeiten vielfach mit Laiendarstellern. Viele Regisseure schreiben ihre Drehbücher selbst: der Autorenfilm ist geboren.

Der "neue deutsche Film" beendet die Krise des Films in der Bundesrepublik und verhilft ihm zu neuem Ansehen. Filme wie Alexander Kluges "Abschied von gestern" und Ulrich Schamonis (1939-1998) "Es" erhalten deutsche und internationale Preise. Der Staat unterstützt diese Entwicklung durch ein Filmförderungsgesetz, das am 1. Januar 1968 in Kraft tritt. Es sieht die Gründung einer Filmförderungsanstalt vor, die Fördermittel für Filmemacher gewährt. Diese Mittel werden von den Kinobesitzern durch einen Aufschlag auf jede verkaufte Karte erhoben. 1971 greifen 20 Regisseure zur Eigeninitiative und gründen in Frankfurt am Main den "Filmverlag der Autoren", um Produktion, Rechteverwertung und Vertrieb der eigenen Filme gemeinsam zu organisieren.

Dokument Erklärung: Oberhausener Manifest, 28. Februar 1962

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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