1963-74

 

Wirtschaftliche Entwicklungen in Ost und West: Neues Ökonomisches System

Photo: Erich Apel erläutert vor dem Staatsrat der DDR den Volkswirtschaftsplan 1964, 1963
Dokumentation: Neues Ökonomisches System der Planung und Leitung (NÖSPL), 1961-1971
Ausstellungsszenerie: NÖSPL, Baugruppensteuerung BNC 3, nach 1967

Zur Reformierung des Wirtschaftssystems verkündet der Ministerrat der DDR im Juni 1963 das von Wirtschaftsfachleuten entwickelte "Neue Ökonomische System der Planung und Leitung" (NÖSPL). Materielle Anreize für die Arbeiter werden in die Zentralplanwirtschaft integriert. Betriebe dürfen eigenverantwortlicher handeln und Gewinne selbst nutzen. Die DDR entwickelt sich in Ansätzen zu einer "Sozialistischen Leistungs- und Konsumgesellschaft", die im Vergleich mit anderen Ostblockländern einen hohen Standard erreicht. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), die ihre Machtstellung durch die Reformansätze bedroht sieht, lässt das Experiment jedoch bald scheitern.

Das NÖSPL sieht vor, dass die staatliche Plankommission jeweils für fünf bis sieben Jahre einen Perspektivplan aufstellt und mit den unteren Planungsstellen entsprechende Jahrespläne erarbeitet. Den Vereinigungen Volkseigener Betriebe (VVB) wird bei der Leitung ihrer Industriezweige eine größere Selbstverwaltung zugebilligt. Die Betriebe erhalten weitreichende Autonomie in Fragen der Beschaffung und Absatzgestaltung. Die "Arbeitermitverwaltung" soll die Eigeninitiative der Arbeiter fördern, Prämien und Gewinne den einzelnen zuteilen, aber auch Betriebe zu höheren Leistungen anspornen.

Die Reformen führen zu einer deutlichen Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Schon 1964 steigt die Arbeitsproduktivität um sieben Prozent. Der Anpassungsdruck der Sowjetunion und die Angst der SED um ihre ideologische Vorherrschaft führen jedoch bald zu einer Modifikation des Reformansatzes. Bereits in der Ende 1965 verkündeten "Zweiten Etappe" der Reform, die zum "Ökonomischen System des Sozialismus" überleiten soll, wird die zentralistische Leitung durch die SED wieder gestärkt. Erich Apel, Leiter der staatlichen Planungskommission und Vorkämpfer des NÖSPL, begeht Selbstmord. 1970 werden die Reformen abgebrochen.

Dokumentation: Neues Ökonomisches System der Planung und Leitung (NÖSPL), 1961-1971 Dokumentation: Neues Ökonomisches System der Planung und Leitung (NÖSPL), 1961-1971

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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