1974-89

 

Bürgerbewegungen: Arche - grün-ökologisches Netzwerk in der Evangelischen Kirche

Zeitschrift: Arche Nova, 1988

Schon bald nach Gründung der Umweltbibliothek entsteht bei einigen ihrer Mitglieder die Idee, die verschiedenen Umweltgruppen der DDR zu einem Umweltbund zusammenzufassen. Ein solcher Bund würde die Kommunikation zwischen den Gruppen verbessern und die Koordinierung von gemeinsamen Aktionen erleichtern. Weil dies jedoch mit dem Aufbau zentraler Strukturen verbunden wäre, wird der Vorschlag mehrheitlich abgelehnt. Trotzdem gründen Vertreter verschiedener Umweltgruppen am 10. Januar 1988 in der Wohnung von Carlo Jordan (geb. 1951) die Arche - grün-ökologisches Netzwerk in der Evangelischen Kirche. Die Gründungsmitglieder werden daraufhin im Mai 1988 aus der Umweltbibliothek ausgeschlossen.

Das Grüne Netzwerk Arche - wie der unabhängige Umweltbund in Kurzform genannt wird - baut ein Informationsnetz auf, das über die DDR hinaus auch nach Osteuropa reicht. Um andere Umweltgruppen für das Grüne Netzwerk Arche zu gewinnen, reisen dessen Mitglieder durch die gesamte DDR. Seit Juli 1988 wird vom Grünen Netzwerk Arche die Zeitschrift "Arche Nova" herausgegeben, in der auf hohem fachlichen Niveau über Umweltschäden in der DDR und über die Umweltbewegung berichtet wird.

Um auf die Umweltzerstörungen durch die chemische Industrie im Raum Bitterfeld aufmerksam zu machen, drehen Mitglieder der Arche im Juni 1988 den Film "Bitteres aus Bitterfeld". Es gelingt, den Film in die Bundesrepublik zu bringen, wo er von zahlreichen Sendern ausgestrahlt wird. Obwohl das Ministerium für Staatssicherheit auch in das Grüne Netzwerk Arche - wie in fast alle oppositionellen Gruppen der DDR - Mitarbeiter eingeschleust hat, werden die Autoren des Films nie entdeckt. Während der friedlichen Revolution im Herbst 1989 bildet das Grüne Netzwerk Arche dann den Kern der Grünen Partei in der DDR.

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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