1974-89 |
Bürgerbewegungen |
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Seit Mitte der 60er Jahre entwickelt sich eine neue Form außerparlamentarischer Meinungsbildung: Bürgerbewegungen treten an die Seite der klassischen Repräsentationsdemokratie. Zunächst sind es kleine lokale Gruppen, denen es um Beseitigung einzelner konkreter Missstände wie Mülldeponien, Bebauungspläne und Ortsumgehungen geht. Als Betroffene fordern sie besondere Mitsprache und wollen aktiv auf die lokalen Parteien und Verwaltungen einwirken. Sie demonstrieren, schreiben offene Briefe und rufen die Gerichte an. Bundesweites Aufsehen erregt erstmals 1969 eine Bürgerinitiative in Hannover, die sich gegen Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr richtet. Mit medienwirksamen Aktionen versuchen Bürgerinitiativen dann in den 70er Jahren, die Realisierung von Großprojekten, von denen sie Gefahren für Umwelt und Mitmenschen befürchten, zu verhindern. Massendemonstrationen und Bauplatzbesetzungen so in Wyhl, Brokdorf und Gorleben richten sich vor allem gegen den Bau neuer Atomkraftwerke. Die Aktionen der Anti-Atomkraft-Bewegung lösen eine breite öffentliche Diskussion über die Kernenergie aus und führen zur Revision der ursprünglichen Planungen. Weniger Atomkraftwerke als vorgesehen gehen ans Netz. Großen Widerhall in der Bevölkerung finden in der Bundesrepublik auch die Forderungen der Friedensbewegung, die als Reaktion auf den NATO-Doppelbeschluss entsteht. Die in Bonn zu Beginn der 80er Jahre stattfindenden Demonstrationen für Frieden und Abrüstung sind die größten Kundgebungen seit Bestehen der Bundesrepublik. Die Anhänger der Friedens- und Umweltbewegung befürworten vielfach auch einen alternativen Lebensstil. Genau wie im Westen entwickeln sich seit Ende der 70er Jahre auch Bürgerbewegungen in der DDR. Die zumeist unter dem Dach der Kirchen entstehenden oppositionellen Gruppen setzen sich sowohl für die Wahrung der Menschenrechte als auch für den Schutz der Umwelt ein. Unter dem Motto "Schwerter zu Pflugscharen" bildet sich auch eine unabhängige Friedensbewegung, die Abrüstung in Ost und West fordert. Trotz der ständigen Repressionen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) nimmt die Stärke der Bürgerbewegungen in der DDR zu.
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