1974-89 |
Bürgerbewegungen: Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) |
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Im Herbst 1985 organisieren Mitglieder verschiedener Friedenskreise in Ost-Berlin ein Menschenrechtsseminar. Obwohl das Seminar auf Druck des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) kurzfristig abgesagt werden muss, beschließt der Vorbereitungskreis, weiterzuarbeiten. Am 24. Januar 1986 veröffentlicht er ein Papier, in dem zu einer DDR-weiten Menschenrechtsarbeit aufgerufen wird. Darin heißt es einleitend: "In der Friedensbewegung wächst das Bewusstsein für den engen Zusammenhang zwischen Frieden und Menschenrechten." Zu den Mitgliedern des Vorbereitungskreises, der sich seit März 1986 Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) nennt, gehören Wolfgang Templin (geb. 1948), Ralf Hirsch (geb. 1960), Ulrike und Gerd Poppe sowie Bärbel Bohley. Die IFM ist die erste kontinuierlich arbeitende Bürgerrechtsgruppe in der DDR. Sie orientiert sich in Zielsetzung und Arbeitsweise an der Gruppe "Charta 77" in der CSSR. Die von kirchlichen Strukturen weitgehend unabhängige IFM wird schon bald zu einer der wichtigsten Oppositionsgruppen in der DDR. Seit Juni 1986 gibt die IFM mit dem "grenzfall" auch eine eigene, nicht genehmigte Zeitschrift heraus. Die in etwa 1.000 Exemplaren unter einfachsten Bedingungen gedruckte Zeitschrift trägt dazu bei, dass sich in der DDR die kritische Gegenöffentlichkeit verstärkt. Am 25. Januar 1988 werden die aktivsten Mitglieder der IFM von der Staatssicherheit verhaftet. Zwar werden die Verhafteten aufgrund zahlreicher Proteste nach einer Woche freigelassen, doch müssen sie anschließend in den Westen ausreisen. Die kontinuierliche Arbeit der IFM kommt dadurch fast zum Erliegen. Die Zeitschrift "grenzfall" erscheint im ganzen Jahr 1988 nicht. Der am 11. März 1989 veröffentlichte Aufruf zur Gründung einer landesweiten Bürgerbewegung bleibt ohne große Resonanz. Im Herbst 1989 wandern die Mitglieder der IFM daher in die neugegründeten Parteien und Bürgerbewegungen ab. (ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |