1974-89 |
Entwicklungen in der Kultur: Sehnsucht nach Heimat |
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Als Ausdruck einer Sehnsucht nach Vertrautheit und eines Unbehagens gegenüber der zunehmenden Technisierung und Modernisierung des Alltags artikuliert sich in der Bevölkerung und in der Kultur ein wieder erwachtes Interesse an dem durch den Missbrauch im Nationalsozialismus diskredierten Begriff "Heimat". Romane und Fernsehproduktionen zu diesem Thema haben Hochkonjunktur, in der Popmusik erobern Rock-Songs in mundartlicher Sprache die Plattencharts. Heimatmuseen und historische Großausstellungen wie die Staufer-Ausstellung 1977 in Stuttgart und die Preußen-Ausstellung 1981 in West-Berlin erleben einen ungeahnten Publikumsandrang und zeugen von einem wachsenden Bedürfnis nach geschichtlicher Orientierung. Der Schriftsteller Siegfried
Lenz (geb. 1926) macht 1978 das Bemühen, den Begriff "Heimat" von seinen
ideologischen Belastungen zu befreien, zum Thema seines Romans "Heimatmuseum".
Die Hauptperson des Romans, ein aus dem deutschen Osten Vertriebener, steckt
das von ihm in der Bundesrepublik aufgebaute Heimatmuseum in Brand, um die
Vergangenheit vor dem Missbrauch durch revanchistische Kreise in der Bundesrepublik
zu bewahren. Die Deutschen zeigen zudem ein wachsendes Interesse an Historie. Eine umfangreiche Ausstellung über die Epoche der Staufer im Stuttgarter Alten Schloß findet 1977 so große Resonanz, daß sich in der Öffentlichkeit der Begriff "Stauferjahr" prägt. Ähnlichen Besucherandrang erfährt die Ausstellung "Preußen - Versuch einer Bilanz" über 500 Jahre preußische Geschichte, die 1981 im Berliner Martin-Gropius-Bau gezeigt wird. Bundeskanzler Helmut Kohl regt in seiner Regierungserklärung 1982 den Bau eines Museums zur Geschichte der Bundesrepublik und der geteilten Nation an; fünf Jahre später schenkt die Bundesregierung der Stadt Berlin zum 750. Geburtstag ein Historisches Museum, das die Geschichte der Deutschen in Europa dokumentieren soll. (ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |