1974-89

 

Kanzlerwechsel: Agentenaffäre

Handschrift: Rücktrittsschreiben von Bundeskanzler Willy Brandt, 1974
Urkunde: Ehrendoktorurkunde für Günter Guillaume, 1985

In der Nacht zum 24. April 1974 werden der Referent im Bundeskanzleramt, Günter Guillaume sowie dessen Ehefrau Christel verhaftet. Wenig später gibt die Bundesanwaltschaft bekannt, dass das Ehepaar Guillaume unter Verdacht steht, seit achtzehn Jahren für die DDR spioniert zu haben. Die Entdeckung des DDR-Agenten im Bundeskanzleramt verursacht große Aufregung in der Öffentlichkeit. Willy Brandt übernimmt in einem Schreiben an den Bundespräsidenten vom 6. Mai 1974 die "politische Verantwortung für Fahrlässigkeiten im Zusammenhang mit der Agentenaffäre" und erklärt seinen Rücktritt.

Zur Aufklärung der Affäre setzt der Bundestag im Juni 1974 einen Untersuchungsausschuss ein. Der Umfang von Guillaumes Agententätigkeit bleibt jedoch ungeklärt. Wegen schweren Landesverrats wird das Ehepaar Guillaume im Dezember 1975 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Beide werden 1981 jedoch begnadigt und in die DDR abgeschoben. Günter Guillaume, der 1985 aufgrund seiner Spionagetätigkeit die Ehrendoktorwürde der Universität Potsdam erhält, stirbt 1995 in Berlin.

Günter und Christel Guillaume sind 1956 als Flüchtlinge getarnt, in die Bundesrepublik gekommen. Tatsächlich sollen die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) aber Informationen über die Parteiarbeit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) beschaffen. In Frankfurt/Main betreiben beide zunächst einen Tabakladen. Als SPD-Mitglied wird Günter Guillaume 1963 Sekretär des SPD-Unterbezirks Frankfurt/Main und 1968 Stadtverordneter. Durch Vermittlung von Bundesminister Georg Leber (geb. 1920) kommt er dann 1970 als Referent ins Bundeskanzleramt. Durch seinen Aufstieg zum persönlichen Referenten des Bundeskanzlers 1972 gehört Guillaume als Reiseorganisator und "Mädchen für alles" zur näheren Umgebung Brandts.

Dokument Brief: Rücktrittsschreiben von Bundeskanzler Willy Brandt, 1974

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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