1974-89

 

Weltwirtschaftskrise: Gentechnik

Spielzeug: Gesellschaftsspiel Gen-Zeit, 1990
Photo: Protest gegen Gen-manipuliertes Gemüse, 1990
Photo: Freilandversuche mit Glusinat-verträglichem Ölraps, 1996

Unter Gentechnik versteht man den Umbau oder die Veränderung der genetischen Information, das heißt der Gene oder Erbanlagen einer Zelle oder eines Organismus. Stofflicher Träger der genetischen Information ist die Desoxyribonucleinsäure (DNA), deren Struktur die US-Amerikaner James Watson (geb. 1928) und Francis Crick (geb. 1916) 1953 entschlüsseln. Als Geburtsstunde der Gentechnik gilt das Jahr 1972, als es erstmals gelingt, einen DNA-Faden mittels "Gen-Scheren" in Teile zu zerlegen, einzelne Gene zu isolieren und diese zu analysieren. Bald werden die Ergebnisse der Genforschung für den Menschen nutzbar: 1977 gelingt der Transfer des menschlichen Insulin-Gens auf ein Bakterium. Damit wird die industrielle Produktion von Insulin aus gentechnisch veränderten Bakterien möglich.

Die Gentechnik findet vor allem in der Medizin und in der Landwirtschaft Anwendung. Gentransfer und - klonierung, das heißt die identische Vermehrung eines isolierten Gens, ermöglichen die Produktion medizinisch wichtiger Eiweiße wie Interferon. In der Pflanzenzucht können gezielt Eigenschaften wie zum Beispiel Schädlingsresistenz in Kulturpflanzen übertragen werden.
Mit den Erfolgen der Gentechnik wachsen jedoch auch die Bedenken hinsichtlich möglicher Risiken. Viele Verbraucher fürchten Nebenwirkungen wie Allergien oder Antibiotika-Resistenzen bei dem Verzehr gentechnisch veränderter Lebensmittel. Ängste wecken auch die mögliche Veränderung von Krankheitserregern oder die unabsichtliche Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen.

Auch in Wissenschaft und Politik diskutiert man parallel zur Entwicklung der Gentechnik ihre Gefahren und Risiken. Die Folge ist, dass fast alle Industrieländer Richtlinien oder Gesetze für die gentechnologische Forschung erlassen, die Mensch und Umwelt vor den möglichen Gefahren gentechnischer Verfahren und Produkte schützen sollen. In der Bundesrepublik werden die Erforschung und Nutzung der Gentechnik durch das am 1. Juli 1990 in Kraft getretene Gentechnikgesetz geregelt. Neben den rechtlichen Aspekten werden aber auch die ethischen Aspekte der Gentechnik kontrovers diskutiert. Dabei stehen vor allem die Frage nach den ethisch erlaubten Eingriffen in die Natur und die Frage nach den Grenzen für die Anwendung der Genforschung auf den Menschen im Vordergrund.

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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