1974-89 |
Weltwirtschaftskrise: Ölkrise |
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Im Herbst 1973 verwenden
die arabischen Staaten das bisher den Industriestaaten vergleichsweise billig
verkaufte Erdöl erstmals als politische Waffe. Sie verhängen gegen
die Niederlande und die USA ein Embargo wegen ihrer israelfreundlichen Haltung
im israelisch-arabischen Jom-Kippur-Krieg und drosseln die Exporte in die
übrigen westlichen Industrieländer. Die Bundesrepublik wird von dem Boykott hart getroffen, da sie ihren Energiebedarf zu 55 Prozent mit importiertem Erdöl deckt. 75 Prozent ihrer Rohöleinfuhren bezieht sie aus arabischen Ländern. Der Bundestag verabschiedet daher am 9. November 1973 ein Energiesicherungsgesetz, das unter anderem Sofortmaßnahmen zur Energieeinsparung vorsieht. Auf dieser gesetzlichen Grundlage verfügt Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs (geb. 1931)(F.D.P.) ein Fahrverbot für vier Sonntage im November und Dezember 1973. Darüber hinaus werden die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen und Landstraßen gesenkt und die Abgabemengen für Treibstoff begrenzt. Nach der Entspannung der politischen
Lage im Nahen Osten wird die Ölproduktion zwar angehoben, jedoch werden
die Abgabepreise drastisch erhöht. Die Bundesrepublik muß 1974
für ihre Importe rund 17 Milliarden D-Mark mehr als 1973 zahlen. Unter
der Ölkrise leidet besonders die Autoindustrie und deren Zulieferbetriebe.
Im Inland sinkt der Absatz von Autos im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent.
Auch der Export ist rückläufig. Dagegen kann die deutsche Fahrradindustrie
in den ersten sechs Monaten nach Beginn der Ölkrise ihren Absatz um
rund 25 Prozent steigern. In der Folgezeit bemühen sich die Industriestaaten,
von den Öleinfuhren unabhängiger zu werden. Zum Teil wird das
Erdöl durch andere Energiequellen wie Kohle, Erdgas und die umstrittene
Kernenergie ersetzt. (ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |