1974-89

 

Weltwirtschaftskrise: Ölkrise

Spielzeug: Gesellschaftsspiel "Öl für uns alle", 1964
Photo: Teilstück der Autobahn Köln/Bonn, 1973
Photo: autofreier Kudamm, 1973

Im Herbst 1973 verwenden die arabischen Staaten das bisher den Industriestaaten vergleichsweise billig verkaufte Erdöl erstmals als politische Waffe. Sie verhängen gegen die Niederlande und die USA ein Embargo wegen ihrer israelfreundlichen Haltung im israelisch-arabischen Jom-Kippur-Krieg und drosseln die Exporte in die übrigen westlichen Industrieländer.
Die betroffenen Staaten, die zum Teil ihren Erdölbedarf zu 85 Prozent aus arabischen Ölquellen decken, reagieren mit umfassenden Sparprogrammen und intensivieren die Suche nach alternativen Energiequellen. Vor allem die Atomkraft soll künftig stärker nutzbar gemacht werden, sie gilt als sicherer und scheinbar unbegrenzt vorhandener Energieträger.

Die Bundesrepublik wird von dem Boykott hart getroffen, da sie ihren Energiebedarf zu 55 Prozent mit importiertem Erdöl deckt. 75 Prozent ihrer Rohöleinfuhren bezieht sie aus arabischen Ländern. Der Bundestag verabschiedet daher am 9. November 1973 ein Energiesicherungsgesetz, das unter anderem Sofortmaßnahmen zur Energieeinsparung vorsieht. Auf dieser gesetzlichen Grundlage verfügt Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs (geb. 1931)(F.D.P.) ein Fahrverbot für vier Sonntage im November und Dezember 1973. Darüber hinaus werden die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen und Landstraßen gesenkt und die Abgabemengen für Treibstoff begrenzt.

Nach der Entspannung der politischen Lage im Nahen Osten wird die Ölproduktion zwar angehoben, jedoch werden die Abgabepreise drastisch erhöht. Die Bundesrepublik muß 1974 für ihre Importe rund 17 Milliarden D-Mark mehr als 1973 zahlen. Unter der Ölkrise leidet besonders die Autoindustrie und deren Zulieferbetriebe. Im Inland sinkt der Absatz von Autos im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent. Auch der Export ist rückläufig. Dagegen kann die deutsche Fahrradindustrie in den ersten sechs Monaten nach Beginn der Ölkrise ihren Absatz um rund 25 Prozent steigern. In der Folgezeit bemühen sich die Industriestaaten, von den Öleinfuhren unabhängiger zu werden. Zum Teil wird das Erdöl durch andere Energiequellen wie Kohle, Erdgas und die umstrittene Kernenergie ersetzt.
Bundesdeutsche Industrieunternehmen müssen aufgrund der knappen Energievorräte ihre Produktion teilweise drosseln. Bei den Verbrauchern führen die notwendigen Mehrausgaben für Energie zu einer sinkenden Nachfrage in anderen Bereichen. Konjunkturrückgänge vor allem in der Bau- und Automobilindustrie zwingen die Unternehmen zu Kurzarbeit, Massenentlassungen und Firmenfusionen. Die Arbeitslosenquote steigt zwischen 1973 und 1974 von 2,2 auf 4,2 Prozent.

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

NachkriegsjahreGeteiltes DeutschlandDeutsche EinheitHomeLeMOImpressum