1974-89

 

Weltwirtschaftskrise: Weltwirtschaftsgipfel

Photo: Weltwirtschaftsgipfel in Rambouillet bei Paris, 1975
Photo: Weltwirtschaftsgipfel in Bonn, 1985
Photo: Weltwirtschaftsgipfel in Venedig, 1987

Der Zusammenbruch des Weltwährungssystems und die Ölkrise führen alle westlichen Industriestaaten in eine schwere Rezession. Anders als bei der Weltwirtschaftskrise ab 1929 setzt sich diesmal jedoch die Erkenntnis durch, dass globale Probleme nicht mehr im nationalen Alleingang zu lösen sind. Auf Initiative des französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing (geb. 1926) und Bundeskanzler Helmut Schmidts treffen sich in Rambouillet bei Paris im November 1975 erstmals die Staats- bzw. Regierungschefs der sechs führenden westlichen Industrienationen, um über Maßnahmen zur Beendigung der Rezession und zum Abbau der Arbeitslosigkeit zu beraten. In der Folgezeit wird der Weltwirtschaftsgipfel zu einer festen Einrichtung, auch wenn die Zusammenkünfte häufig ohne konkrete Programme enden.

Seit 1975 treffen sich die Staats- bzw. Regierungschefs von Frankreich, den USA, Italien, Großbritannien, Japan und der Bundesrepublik Deutschland alljährlich zu einem Weltwirtschaftsgipfel in einem der Teilnehmerländer. Sie beraten vor allem währungs- und energiepolitische Fragen und stimmen ihre Wirtschafts- und Währungspolitik aufeinander ab. Die Verhandlungen sollen verhindern, dass einzelne Länder ihre wirtschaftlichen Probleme auf Kosten anderer zu lösen versuchen, etwa durch Zollschranken oder andere Handelsbeschränkungen. Nicht bei allen strittigen Themen können Übereinkünfte erzielt werden, doch die Treffen erscheinen schon allein wegen der Gelegenheit zum persönlichen Meinungsaustausch als wertvoll. Seit 1976 nimmt auch Kanada regelmäßig an den Zusammenkünften teil.

Seit dem Gipfel im amerikanischen Williamsburg 1983 beraten die Staats- bzw. Regierungschefs vor allem auf Betreiben der USA auch allgemeine politische Themen. So endet der 13. Weltwirtschaftsgipfel im Juni 1987 in Venedig mit Erklärungen zu den Ost-West-Beziehungen, zum Golf-Krieg zwischen Iran und Irak und zum internationalem Terrorismus. Beim Wirtschaftsgipfel im Juli 1989 in Paris stehen nicht nur die politischen Umwälzungen in Osteuropa und die westliche Unterstützung dieser Prozesse auf der Tagesordnung, sondern erstmals auch umweltpolitische Themen, wie die Zerstörung des tropischen Regenwaldes.

Audio-Station Interview: Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Weltwirtschaftsgipfel in Rambouillet, 1975
Audio-Station Interview: Bundeskanzler Helmut Kohl zum Weltwirtschaftsgipfel in Paris, 14.7.1989

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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