1989/90 |
Der Fall der Mauer: Forderung nach Einheit |
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Obgleich bei den Leipziger Montagsdemonstrationen und auf Massenkundgebungen in vielen anderen Städten Ende November der Ruf nach demokratischen Reformen in der DDR noch dominiert, werden erste Forderungen nach einer Wiedervereinigung laut. "Deutschland-einig Vaterland", "Keine Experimente mehr, Wiedervereinigung jetzt" steht auf den Transparenten der Demonstranten. Bei der Montagsdemonstration am 11. Dezember übertönt zwar der neue Slogan "Wir sind ein Volk" die ursprüngliche Parole "Wir sind das Volk", doch gibt es auch Transparente mit Parolen wie "Wir wollen keinen Kohl auf dem sauberen Mittagstisch" oder Slogans wie "Kein Ausverkauf der DDR" und "Wir lassen uns nicht BRDigen". Die Gegensätze zwischen Befürwortern und Gegnern der Deutschen Einheit werden auf den Demonstrationen immer deutlicher. Viele Anhänger der oppositionellen Bürgerbewegungen und Intellektuelle, die die Eigenständigkeit der DDR fordern, ziehen sich zurück. Sie warnen vor einem wirtschaftlichen Ausverkauf der DDR, während die Mehrheit der Bevölkerung eine rasche Wiedervereinigung fordert. Die Demonstrationen verlieren mehr und mehr ihre ursprüngliche Bedeutung, weil die vorrangigen Ziele - politische Reformen und freie Wahlen - erkämpft sind. Sie werden im Frühjahr 1990 zu Foren für Wahlkampfreden mit Blick auf die bevorstehenden Volkskammerwahlen. Am 13. März 1990 nehmen an der letzten Montagsdemonstration in Leipzig nur noch 30.000 - 50.000 Menschen teil. Am 19. Dezember 1989 treffen sich Bundeskanzler Helmut Kohl und Ministerpräsident Hans Modrow zu Gesprächen in Dresden. Beide erklären sich bereit, einen "gemeinsamen Vertrag über Zusammenarbeit und gute Nachbarschaft" abzuschließen. Bei einer Großkundgebung vor der Ruine der Dresdner Frauenkirche dankt Helmut Kohl für die "friedliche Revolution in der DDR" und nennt die deutsche Einheit als das Ziel seiner Politik, "wenn die geschichtliche Stunde es zulässt". (ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |