1989/90 |
Der Fall der Mauer: Maueröffnung |
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Nachdem Ungarn seine Grenzanlagen zu Österreich ab Mai 1989 abbaut und am 11. September vollständig öffnet, kommt es zu wiederholten Ausreisewellen von DDR-Bürgern. Diese "Abstimmung mit den Füßen" über Ungarn und später auch die Tschechoslowakische Sozialistische Republik (CSSR) führt im Herbst 1989 zu Produktionsausfällen in der Wirtschaft. Die Regierung der CSSR droht, ihre Grenze zur DDR zu schließen. Gleichzeitig gerät die DDR-Regierung durch die Proteste und Demonstrationen der "Hierbleiber" weiter unter Druck. Um einen Zusammenbruch der DDR zu vermeiden, entschließt sich die Regierung zur Reformierung des Reisegesetzes, die den Fall der Mauer einleitet. 9. November 1989. Um 18.57 Uhr stellt sich Günter Schabowski, Mitglied des SED-Politbüros, auf einer internationalen Pressekonferenz den Journalisten und verliest vor laufenden Kameras stockend "von einem Zettel, den mir jemand zugesteckt hat", wie er später bekennt, einen Beschluss des Ministerrats, den dieser wenige Minuten zuvor gefasst habe: "Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse) beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt. Ständige Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD beziehunsweise zu Berlin (West) erfolgen." Auf eine Nachfrage erklärt Schabowski, dies trete nach seiner Kenntnis "sofort, unverzüglich" in Kraft. Noch in der Nacht eilen Tausende an die Grenze nach West-Berlin. Ohne Befehl öffnen Grenzsoldaten die Übergange. In einem Freudentaumel ohnegleichen fallen sich fremde Menschen in die Arme und feiern gemeinsam spontan die Öffnung der Mauer. Am Wochenende setzt sich eine Menschenflut von mehreren Millionen DDR-Bürgern in Bewegung. In endlosen "Trabi-" und "Wartburg"-Schlangen fahren sie in die Bundesrepublik, besuchen Verwandte, besichtigen Städte und Landschaften, sie durchstreifen die "Einkaufsparadiese" mit 100 D-Mark "Begrüßungsgeld" aus der Bundesrepublik in der Tasche. (ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |