1989/90

 

Wandel im Osten: Demokratischer Aufbruch

Abzeichen: Button des DA zu den Volkskammerwahlen, 1990
Abzeichen: Button des DA zu den Volkskammerwahlen, 1990

Anfang Oktober 1989 noch durch Polizeiaufgebote behindert, konstituiert sich der Demokratische Aufbruch (DA) bereits Ende Oktober vorläufig als oppositionelle Partei. Die offizielle Gründung erfolgt erst am 16./17. Dezember in Leipzig. Vorläufer ist eine im Juli 1989 in Ost-Berlin gegründete Initiativgruppe mit überwiegend kirchlichen Vertretern. Diese Gruppierung fordert eine sozial-ökologische Marktwirtschaft und die deutsche Einheit. Prominente Mitglieder sind der Ostberliner Pfarrer Rainer Eppelmann, der Weimarer Theologe Edelbert Richter (geb. 1943) und der Wittenberger Pfarrer Friedrich Schorlemmer.

Der Rostocker Rechtsanwalt Wolfgang Schnur wird erster Vorsitzender der Partei. Im März 1990 erfolgt allerdings seine Enttarnung als langjähriger Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Der DA vertritt ab Oktober 1989 öffentlich die Idee eines demokratischen Sozialismus und fordert demokratische, pluralistische und rechtsstaatliche Strukturen. Die Organisation der Partei ist zunächst stark informell ausgerichtet. Nach seinem Gründungstreffen Ende Oktober in Berlin gibt sich der DA jedoch eine Kommunikations- und Leitungsstruktur. Die "Vorläufige Grundsatzerklärung" stellt einen Kompromiss zwischen demokratischem Sozialismus und liberaleren Ideen dar.

Das Mitte Dezember in Leipzig verabschiedete Programm zeigt bereits eine konservative Wende des DA. Es verwirft die "Vision einer sozialistischen Gesellschaftsordnung", die deutsche Einheit soll als Staatenbund verwirklicht werden. Linksgerichtete Gründungsmitglieder wie Schorlemmer und Daniela Dahn (geb. 1949) verlassen nach dem Zustrom anders orientierter Mitglieder die Partei. Schorlemmer tritt zur SPD über. Im Februar 1990 geht der DA das Wahlbündnis "Allianz für Deutschland" mit der Deutschen Sozialen Union und der CDU ein.

Dokument Erklärung: Vorläufige Grundsatzerklärung des Demokratischen Aufbruch, 1989
[Ton] Interview: Rainer Eppelmann, Interview in Radio Glasnost über den Demokratischen Aufbruch, 30.10.1989

(ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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