1989/90

 

Wandel im Osten: Initiative für unabhängige Gewerkschaften

Photo: Heiner Müller, 1989
Transparent: So kann es nicht weitergehen! Freie Wahlen wollen wir sehen. SED - ade, 1989

Mitte Oktober 1989 entsteht in Ostberlin die Initiative für unabhängige Gewerkschaften (IfUG). Die Gruppierung versteht sich weder als Partei oder Bürgerbewegung noch als Plattform für oppositionelle Sozialisten. Am 4. November 1989 tritt sie während der Kundgebung auf dem Alexanderplatz mit ihrem Aufruf zur Gründung unabhängiger Gewerkschaften in die Öffentlichkeit. Vorgetragen vom Schriftsteller Heiner Müller, verbreitet sich der Aufruf an die "Kolleginnen und Kollegen" in der ganzen DDR. Die IfUG will die "Werktätigen" mobilisieren, um neue, von SED und FDGB unabhängige Gewerkschaften zu bilden.

Die Gründer der Initiative wie Ulf Dahlmann und Uwe Bastian (geb. 1957) sind Vertreter einer intellektuellen marxistischen Tradition, die der SED kritisch gegenübersteht. Sie sehen die Forderung nach unabhängigen Gewerkschaften innerhalb der anderen oppositionellen Gruppen nicht genügend berücksichtigt und fordern einen "Sozialismus von unten". Der DDR-Staat ist in ihren Augen ein nicht reformierbares System des "Staatskapitalismus", in dem der FDGB lediglich Handlanger des Staates ist und den Interessengegensatz zwischen "Werktätigen" und Betriebsleitern verschleiert.

Die IfUG gründet im November 1989 ein Kontaktbüro und baut bis zum Ende des Jahres ein landesweites Kommunikationsnetz auf. Sie bleibt jedoch regional vorwiegend auf Ost-Berlin begrenzt. Im Dezember 1989 wird aus der IfUG die Initiative unabhängige Gewerkschaften (IUG) und im Januar 1991 die Initiative kritische Gewerkschaftsarbeit (IKG).

Dokument Aufruf: Gründung einer unabhängigen Gewerkschaft in der DDR, 1989

(ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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