1989/90

 

Wandel im Osten: Kulturaustausch

Filmplakat: Die Legende von Paul und Paula, 1973
Plakat: Ausstellung für einen Abend anläßlich der Lesung von Günter Grass, 1987
Gemälde: Wolfgang Mattheuer " Zwiespalt", 1980-1982

Während der 1980er Jahre versucht die DDR-Regierung, das durch die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann im November 1976 beschädigte "kulturelle Ansehen" der DDR zu verbessern. Das seit 1972 geplante deutsch-deutsche Kulturabkommen wird am 6. Mai 1986 unterzeichnet. Der Streit um die "Stiftung Preußischer Kulturbesitz", der jahrelang die Verhandlungen behindert hatte, wird nun als "nicht einigungsfähig" ausgeklammert. In dem Kulturabkommen vereinbaren beide Staaten im Rahmen ihrer Möglichkeiten und beiderseitigen Interesses eine Zusammenarbeit in Kultur, Kunst, Bildung und Wissenschaft.

Das Abkommen, das auch für West-Berlin gilt, soll zu einer Vertiefung der gegenseitigen Kenntnis des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens beitragen. Obgleich die DDR-Regierung seit den 1970er Jahren von einer geteilten Kulturnation spricht, herrscht auf beiden Seiten reges Interesse an der Kultur des anderen Deutschlands. Der Austausch bleibt jedoch einseitig - die DDR schickt "Vorzeigekunst" und sortiert aus, welche Künstlerinnen und Künstler aus dem Westen in ihr Land einreisen dürfen. So erscheinen in der DDR bis in die 1980er Jahre keine Werke des von offizieller Seite scharf kritisierten westdeutschen Autors Günter Grass, der trotzdem Anklang in der DDR-Bevölkerung findet.

In der Bundesrepublik sind Namen und Werke vieler DDR-Künstlerinnen und Künstler bekannt: Bücher von Christa Wolf und Ulrich Plenzdorf oder Gemälde von Bernhard Heisig und Willi Sitte. Wer im "Westen" auftreten darf, ist ausgewählt. Das Werk des DDR-Künstlers Wolfgang Mattheuer, der in den 1970er Jahren auch in der Bundesrepublik bekannt wird, ist häufig als Auseinandersetzung mit der DDR-Alltagsrealität verstanden worden, wobei er selbst jedoch diese Interpretation für zu eng hält. Sein Werk "Zwiespalt" von 1980/82 zeigt die Zerissenheit des Menschen, ein wiederkehrendes Thema des Künstlers. Spiegelt sich hier auch eine gespaltene Nation?

(ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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