1989/90

 

Wandel im Osten: Opposition und Machtverlust

Photo: Ein verbogenes Propagandaschild wird zum Symbol für den Machtverlust in der DDR, 1985
Skulptur: Schwerter zu Pflugscharen, 1978
Technik: MfS-Auswertungsgerät für Telefongespräche, 1989

Die Regierenden der DDR lehnen Reformen wie in der Sowjetunion ab und kämpfen um den Erhalt ihrer Macht. Mangelwirtschaft, Reisebeschränkungen, Wahlbetrug und politische Bevormundung fördern Ausreisewillen und Opposition in der DDR. Die Kirche unterstützt die oppositionellen Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsgruppen, deren Selbstbewusstsein wächst. Verschärfte Unterdrückung, Bespitzelung und Zensur sind die Antwort der SED-Führung. Die Abgrenzung zur Sowjetunion - bis dahin unbedingtes Vorbild für die DDR - beschleunigt ihren Zusammenbruch.

"Schwerter zu Pflugscharen" heißt die Losung der breiten kirchlichen Friedensbewegung in der DDR, die wie alle oppositionellen Gruppen nach Einleitung der Politik von Glasnost und Perestroika ihre Aktivitäten verstärkt. 1989 nimmt die Unzufriedenheit der Bürger zu. Mit dem Ruf "Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden" zitieren Demonstranten in Leipzig am 15. Januar 1989 die Sozialistin Rosa Luxemburg. Anlässlich des 70. Jahrestags ihrer und Karl Liebknechts Ermordung findet eine "Gegendemonstration" für Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit sowie für das Recht auf Ausreise statt.

Für die SED sind Andersdenkende Staatsfeinde, die bespitzelt und verhaftet werden. Diese Aufgabe übernehmen die 1988 rund 89.000 hauptamtlichen und 109.000 inoffiziellen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit(MfS). Obwohl die SED-Regierung für den Beginn des Jahres 1989 mehr Freizügigkeit im innerdeutschen Reiseverkehr zusagt, behandelt sie weiterhin die Ausreisewünsche der Bürger restriktiv. Im März kommt es in Leipzig zu Demonstrationen von Ausreisewilligen, auf die das MfS mit Gewalt und Verhaftungen antwortet. Die Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen sowie die von Ungarn eingeleitete Öffnung seiner Westgrenze verstärken im Mai 1989 Opposition und Ausreisedruck in der DDR.

[Kollektives Gedächtnis] Werner Pethke: Im Fadenkreuz des MfS

(ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Geteiltes DeutschlandDeutsche EinheitGegenwartHomeLeMOImpressum