1989/90

 

Wandel im Osten: Unabhängiger Frauenverband

Plakat des Unabhängigen Frauenverbandes der DDR, 1990
Textil: Spruchband der Lila Offensive, 1989

Am 2. Dezember 1989 verabschieden die Teilnehmerinnen des Frauenkongresses in der Berliner Volksbühne das "Manifest für eine autonome Frauenbewegung". Der Unabhängige Frauenverband (UFV) wird jedoch erst am 17. Februar 1990 auf einem Kongreß in Ost-Berlin gegründet. Der UFV geht auf ältere Gruppierungen wie "Frauen für den Frieden" und Anfänge einer Frauen-/Lesben-Bewegung in der DDR zurück. Sprecherinnen sind Ina Merkel (geb. 1957) und Tatjana Böhm (geb. 1954).

Als politische Interessenvertretung der Frauen will der Verband alle unabhängigen Frauengruppen, -initiativen, -vereine und -kommissionen sowie die Frauenfraktionen der Parteien und Massenorganisationen in der DDR zusammenschließen. Gleichzeitig soll deren Eigenständigkeit gewahrt bleiben. Nach dem Motto "Ohne Frauen ist kein Staat zu machen" fordert der UFV die paritätische Beteiligung der Frauen an allen politischen und ökonomischen Entscheidungen. Er kritisiert, dass die Interessen der Frauen in der Situation gesellschaftlichen Umbruchs in der DDR nicht berücksichtigt werden. Ferner soll eine weitere Verschlechterung der sozialen Lage von Frauen verhindert werden.

Der UFV nimmt an den Runden Tischen teil und geht zur Teilnahme an den Volkskammerwahlen vom 18. März 1990 mit der Grünen Partei in der DDR ein Wahlbündnis ein. Zum gemeinsamen Wahlprogramm gehört unter anderem die Ausarbeitung einer Sozialcharta für beide deutschen Staaten. Nach den Volkskammerwahlen kündigt der UFV das Wahlbündnis auf, weil die Grüne Partei alle acht errungenen Mandate für sich beansprucht. Ende September 1991 beschließt der 3. außerordentliche Kongreß des UFV in Weimar, daß der Verband in Zukunft als Verein weiterarbeiten soll.

Dokument Erklärung: Grundsätze und Ziele des Unabhängigen Frauenverbandes, 1990
Dokument Aufruf: Initiativkomitee zur Gründung eines autonomen Frauenverbandes der DDR, 1990

(ke/lb) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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