1945-49

 

Ende als Anfang: Flucht und Vertreibung

Druckschrift: Einweisungsschein für einen Flüchtling, 1946
Transportmittel: Leiterwagen, vor  1945

Der Zweite Weltkrieg löst eine beispiellose Völkerwanderung in Europa aus. Millionen von Menschen sind auf der Flucht oder suchen eine neue Heimat.
Vor der heranrückenden Roten Armee flüchten in den letzten Kriegswochen hunderttausende Deutsche nach Westen. Die rücksichtslose nationalsozialistische Durchhaltepolitik führt dazu, dass die Flucht hinausgeschoben wird und nun häufig inmitten von Kampfhandlungen des letzten Kriegswinters erfolgt.
Nach Kriegsende beginnt die brutale Vertreibung der Deutschen aus Ost-, Mittel- und Südosteuropa. Ab 1946 folgen in Ausführung der Potsdamer Beschlüsse die großen "regulären" Vertriebenentransporte.

Ein kleiner Handwagen, ein Rucksack, ein Holzkoffer mit wenigen Habseligkeiten sind häufig der ganze Besitz der Flüchtlinge und Vertriebenen. Hunger, Kälte und Krankheiten begleiten ihre wochen- und monatelange Flucht. Hunderttausende verlieren dabei ihr Leben. Viele Familien werden auseinandergerissen und sind auf der Suche nach ihren Angehörigen.

Immer mehr Menschen strömen in das Gebiet der vier Besatzungszonen. Bei der ersten auf Anordnung des Alliierten Kontrollrats durchgeführten Volkszählung im Oktober 1946 werden 9,6 Millionen Flüchtlinge gezählt. Allein in Schleswig Holstein steigt die Bevölkerung mit 860.000 Vertriebenen um 33 %. Die Flüchtlinge werden in Lager und Notquartiere eingewiesen oder bei Privatfamilien untergebracht. Nicht selten gibt es Schwierigkeiten im Zusammenleben zwischen Einheimischen und Vertriebenen. Dennoch ist die Integration von Millionen, die sich über Jahre hinzieht, eine herausragende Leistung in den Wirren der Nachkriegszeit.

Nicht allein Flüchtlinge und Vertriebene, auch entlassene Soldaten, Verwundete, Evakuierte, Kinder aus den zahlreichen Heimen der Kinderlandverschickung, ehemalige Zwangsarbeiter, die Überlebenden der Konzentrationslager und zurückkehrende Emigranten sind unterwegs, oft quer durch Deutschland - etwa 12 Millionen Menschen, meist zu Fuß, auf der Suche nach ihren Familien, ihren Heimatorten oder einem neuen Zuhause.


[Kollektives Gedächtnis] Karl Deutmann: Flüchtlinge

[Kollektives Gedächtnis] Annemarie Müller: In polnischer Gefangenschaft 1945-1947
[Kollektives Gedächtnis] Martina Stanko: Oma Cäcilie: Vertreibung aus Schlesien
[Kollektives Gedächtnis] Nadja Schlatzer: Die Aussiedlung meiner Großmutter aus der Tschechoslowakei
[Kollektives Gedächtnis] Nina Schrader: Flucht aus Ostpreußen
[Kollektives Gedächtnis] Helene Bornkessel: Stiefmutter?
[Kollektives Gedächtnis]Siegfried Fiedler: Sudetendeutsche Familie
[Kollektives Gedächtnis]Gertrud Wallis: Aus dem Haus! Umgesiedelt nach Tanowo!
[Kollektives Gedächtnis]Gertrud Wallis: Alle Deutschen werden ausgesiedelt - wir dürfen bleiben
[Kollektives Gedächtnis]Irmgard Pennanen: Immer nur vorwärts
[Kollektives Gedächtnis]Hannes Bienert: Auf dem Rückweg nach Beuthen
[Kollektives Gedächtnis]Hannes Bienert: Vertreibungen und Flucht aus Polen

(ab/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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