1945-49

 

Ende als Anfang: Hunger

Plakat: Flüchtlingshilfsaktion, ca. 1948
Handschrift: Tauschanzeige, ca. 1946

Der Hunger ist das zentrale Problem der Nachkriegszeit. Schon kurz nach Kriegsende wird die Ernährungslage der Bevölkerung äußerst kritisch. Im Chaos der Wochen nach der Kapitulation bricht die staatliche Lebensmittelversorgung komplett zusammen.
Jede Region, jede Stadt und jede Gemeinde ist nun auf ihre eigenen Vorräte angewiesen, die in Ballungsgebieten allerdings schnell verbraucht sind. Der während der Endphase des Krieges bei etwa 1500 Kalorien liegende Zuteilungsdurchschnitt pro Tag sinkt rapide auf bis zu 700 Kalorien.
Mit dem Wiederaufbau staatlicher Kontroll- und Verteilungsinstitutionen und der Ernte im Herbst 1945 entspannt sich die Lage vorübergehend, so dass die Rationen auf 1500 bis 1700 Kalorien je nach Region und Besatzungszone gesteigert werden können. Internationale Hilfsorganisationen versuchen mit Lebensmittelsendungen die schlimmste Not zu lindern.

Im Dezember 1946 jedoch beginnt einer der kältesten Winter in Mitteleuropa. Eis und Schnee legen den Verkehr zu Wasser und zu Lande weitgehend lahm. Getreidelieferungen aus Amerika liegen in den Häfen fest, Kartoffelsonderlieferungen für das Ruhrgebiet kommen erfroren an, Vieh aus Bayern kann nicht transportiert werden. Die Lebensmittelreserven schmelzen dramatisch, teilweise bis auf den Bestand für nur noch drei Tage. Nach vier Monaten des Hungers geht der strenge Winter zu Ende. Doch sind die Vorräte aufgebraucht, und die Hilfslieferungen der Alliierten bleiben weiterhin hinter den Erwartungen zurück.

Ende März 1947 kommt es zu großen Hungerdemonstrationen und Streiks im Ruhrgebiet, im Mai versammeln sich über 100.000 Menschen zu einer Protestkundgebung in Hamburg, andere Städte und Regionen folgen. Bezogen auf die Ernährungslage wird das Jahr 1947 zum kritischsten der gesamten Nachkriegszeit. Erst ab Juli entspannt sich die Lage ein wenig.

[Kollektives Gedächtnis] Dilek Ayanoglu: Der Hunger in der Nachkriegszeit

(db) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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