1945-49

 

Ende als Anfang: Lager und Einquartierung

Photo: Aufnahmelager Ulm, 1945
Druckschrift: Einweisungsschein für einen Flüchtling, 1946

Dem Heer von Flüchtlingen, Vertriebenen, Ausgebombten und aus dem Ausland zur Zwangsarbeit nach Deutschland Verschleppten bieten Lager eine notdürftige Unterkunft. Der Zustrom von Menschen soll in Durchgangslagern kanalisiert werden. Die Ankömmlinge werden registriert, entlaust und mit dem Notwendigsten versorgt. Angesichts der Enge und der hygienischen Verhältnisse herrscht immer wieder Seuchengefahr.
Auf diese Durchgangslager folgen die Wohnlager: Wellblechhütten, sogenannte Nissenhütten, Baracken des ehemaligen Reichsarbeitsdienstes und unterschiedliche Provisorien bleiben für Hunderttausende unfreiwilligen Aufenthaltsort bis weit in die fünfziger Jahre.

Die Wohnungssituation ist prekär, denn fast zwei Millionen Wohnungen, vor allem in den Großstädten, sind zerstört. Die kleinen, weniger zerstörten Städte und ländliche Gemeinden müssen den Großteil der Flüchtlinge aufnehmen.Sporthallen, Gasthäuser, stillgelegte Fabriken, selbst die ehemaligen Lager der Zwangsarbeiter füllen sich mit Flüchtlingen.
Einquartierungen in private Wohnungen und Häuser können oft nur mit dem Mittel der Zwangseinweisung durchgesetzt werden. Auch sorgen fehlende Hilfsbereitschaft und mangelndes Verständnis der einheimischen Bevölkerung, die freilich selbst unter akuten Versorgungsproblemen zu leiden hat, oftmals für Spannungen im Verhältnis zueinander. Die heimat- und besitzlosen Flüchtlinge stehen einem eher fremdenfeindlichen, geschlossenen Sozialmilieu gegenüber. Es dauert Jahre bis zu ihrer vollständigen Integration.

(ab) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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