"Suchender" und "Gesuchter"
werden zu schicksalsschweren Begriffen der Nachkriegszeit. Jeder vierte
Bewohner Deutschlands sucht einen oder mehrere vermisste Angehörige.
Auf der Flucht getrennte Familien, verloren gegangene Kinder, verschollene
Soldaten: An trostlosen Hauswänden, in zerstörten Bahnhofshallen,
an Litfasssäulen und Laternenmasten hängen ihre Bilder und Zettel
mit ihren Namen.
Doch private Suchaktionen sind räumlich
begrenzt und meist zum Scheitern verurteilt. Nur überregionale Organisationen
können die Suche nach Vermissten wirkungsvoll betreiben. Der Deutsche Caritas-Verband,
das Hilfswerk der evangelischen Kirche und das Deutsche Rote Kreuz bauen gemeinsam
eine Suchkartei auf. Hundertausende von Schicksalen verwandeln sich in Karteikarten.
Die Suche nach Kindern stellt den Suchdienst vor besondere Probleme. Wie sollen Kinder identifiziert, wie
soll für sie gesucht werden, wenn sie nicht einmal ihren eigenen Namen kennen? Hier dienen vor allem
Fotografien als Grundlage der Nachforschung. Sie werden in umfangreichen Bildkarteien zusammengestellt. Aber
auch mit Hilfe von Plakaten, Filmen und Radiosendungen wird versucht, die Kinder ihren Eltern oder den
nächsten Angehörigen wieder zuzuführen.
Ist die Suche erfolgreich,
spielen sich ergreifende Szenen ab: Mütter schließen überglücklich
ihre Kinder in die Arme, die sie in einem Waisenhaus wiederfinden, Eltern
weinen vor Freude über das Wiedersehen mit dem vermeintlich gefallenen
Sohn, Frauen finden den tot geglaubten Ehemann wieder. Über 7 Millionen
Menschen werden zusammengeführt. Doch kann auch der Tod der Angehörigen
zur traurigen Gewissheit werden. Trotz aller Mühen, trotz aller Erfolge
sind heute noch mehr als eine Million Schicksale ungeklärt.