1945-49

 

Ende als Anfang: Suchdienst

Dokument:  Suchdienst-Kartei 1945-1949
Plakat: Suchdienst, 1946

"Suchender" und "Gesuchter" werden zu schicksalsschweren Begriffen der Nachkriegszeit. Jeder vierte Bewohner Deutschlands sucht einen oder mehrere vermisste Angehörige. Auf der Flucht getrennte Familien, verloren gegangene Kinder, verschollene Soldaten: An trostlosen Hauswänden, in zerstörten Bahnhofshallen, an Litfasssäulen und Laternenmasten hängen ihre Bilder und Zettel mit ihren Namen.

Doch private Suchaktionen sind räumlich begrenzt und meist zum Scheitern verurteilt. Nur überregionale Organisationen können die Suche nach Vermissten wirkungsvoll betreiben. Der Deutsche Caritas-Verband, das Hilfswerk der evangelischen Kirche und das Deutsche Rote Kreuz bauen gemeinsam eine Suchkartei auf. Hundertausende von Schicksalen verwandeln sich in Karteikarten.

Die Suche nach Kindern stellt den Suchdienst vor besondere Probleme. Wie sollen Kinder identifiziert, wie soll für sie gesucht werden, wenn sie nicht einmal ihren eigenen Namen kennen? Hier dienen vor allem Fotografien als Grundlage der Nachforschung. Sie werden in umfangreichen Bildkarteien zusammengestellt. Aber auch mit Hilfe von Plakaten, Filmen und Radiosendungen wird versucht, die Kinder ihren Eltern oder den nächsten Angehörigen wieder zuzuführen.

Ist die Suche erfolgreich, spielen sich ergreifende Szenen ab: Mütter schließen überglücklich ihre Kinder in die Arme, die sie in einem Waisenhaus wiederfinden, Eltern weinen vor Freude über das Wiedersehen mit dem vermeintlich gefallenen Sohn, Frauen finden den tot geglaubten Ehemann wieder. Über 7 Millionen Menschen werden zusammengeführt. Doch kann auch der Tod der Angehörigen zur traurigen Gewissheit werden. Trotz aller Mühen, trotz aller Erfolge sind heute noch mehr als eine Million Schicksale ungeklärt.

(ab) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Video: Suchdienst: Kinder suchen ihre Eltern
Quelle: Progress Film Verleih
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