1945-49 |
Hunger nach Kultur: Literatur |
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Der literarische Neuanfang in Deutschland gestaltet sich unterschiedlich: Für einen
Teil der Schriftsteller verlangt die
Last der Vergangenheit
nach inhaltlicher Bewältigung,
die Stilistik, ihrer Meinung nach während des
NS-Regimes "in Phrasen und Klischees erstarrt",
nach einer grundlegenden Erneuerung. Nach der kulturellen Isolation der vergangenenen Jahre wollen Verlagshäuser wie Rowohlt und Suhrkamp dem deutschen Publikum vor allem moderne deutsche Schriftsteller wie Heinrich Böll und Wolfgang Borchert, aber auch ausländische Autoren wie Graham Greene, Ernest Hemingway (1899-1961) und Jean-Paul Sartre nahe bringen. Auch die Werke von Thomas Mann, Hermann Hesse, Erich Kästner und Kurt Tucholsky, die im "Dritten Reich" verboten waren, werden wieder verlegt. Um trotz der Papierknappheit den ungeheuren Lesehunger der Nachkriegsgesellschaft stillen zu können, lässt der Verleger Heinrich Maria Ledig-Rowohlt (1908-1992) Bücher auf Zeitungspapier drucken und als "Rowohlts Rotations-Romane" verkaufen. Sie sind Vorläufer der späteren Taschenbuchreihe rororo. Bereits wenige Monate nach Kriegsende erlebt Deutschland eine Blüte politisch-literarischer Zeitschriften, die sich vor allem als Sprachrohr der jungen Generation verstehen und nachdrücklich eine grundlegende geistige und gesellschaftliche Erneuerung Deutschlands fordern. Große Bedeutung erlangt die von Alfred Andersch und Hans Werner Richter herausgegebene Zeitschrift "Der Ruf", die wegen ihrer kritischen Auseinandersetzung mit der Besatzungspolitik von den amerikanischen Besatzungsbehörden verboten wird. Als neues literarisches Diskussionsforum initiieren beide Herausgeber daraufhin die "Gruppe 47", zu deren Mitgliedern u.a. Günter Eich, Wolfdietrich Schnurre, und Ilse Aichinger zählen. Sie fordern eine zeitgemäße Sprache und eine realitätsnahe Literatur des politischen Engagements und der radikalen Wahrheit. (ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |