1990/91 -heute |
Folgen der deutschen Einheit: Stasi - Das unheimliche Erbe |
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Um der Vernichtung von Akten zuvorzukommen, besetzen Bürgerkomitees vom 4. Dezember 1989 bis zum 15. Januar 1990 die Stasi-Zentralen. Die allgegenwärtige Bespitzelung kommt ans Licht: Sechs Millionen personenbezogene Akten wurden vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in vierzig Jahren zusammengetragen. Briefe wurden geöffnet und heimlich gelesen, Telefongespräche abgehört und mitgeschnitten. Die Stasi sammelte sogar Geruchsproben von Oppositionellen, um sie bei Bedarf mit Spürhunden verfolgen zu können. Zur Praxis der Einschüchterung gegen Regimegegner gehörten auch Morddrohungen und Entführungen. Westliche Terroristen erhielten in der DDR eine neue Identität. Es stellt sich heraus, dass die Methoden des DDR-Regimes noch grausamer waren, als von ihren Kritikern vermutet. Seit Besetzung der Stasi-Dienststellen 1989/90 wird heftig darüber diskutiert, wie mit diesem Erbe umzugehen
sei. Die Akten vernichten und damit ein Zeichen der Versöhnung setzen? Oder schafft erst die eindringliche
Aufklärung die Voraussetzung dafür, sich in Zukunft offen zu begegnen? Zentrales Argument gegen die Vernichtung
der Stasi-Akten sind die Belange der Opfer. Seit Januar 1992 gibt das
Stasi-Unterlagengesetz den Opfern das Recht, ihre Akten auf Antrag bei der
sogenannten Gauck-Behörde einzusehen. Hunderttausende machen Gebrauch
davon, und viele entdecken Erschütterndes. Engste Freunde und Verwandte
entpuppen sich als Handlanger der Stasi. Auch Arbeitgeber erhalten bei Antrag
Auskunft, ob ihre Beschäftigten Informelle Mitarbeiter (IM) der Stasi
waren. Zahlreichen Personen wird ihre Vergangenheit zum Verhängnis.
Empörung lösen sogenannte Wendehälse aus, die sich über
alte "Seilschaften" mit früheren Gesinnungsgenossen erneut hocharbeiten.
(ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |