1990/91 -heute |
Weltpolitik: Eine Welt |
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Die Änderung der Ost-West-Beziehungen hat dazu geführt, dass den Entwicklungsländern keine sicherheitspolitische Bedeutung mehr zukommt, wie dies beispielsweise noch 1962 bei der Kuba-Krise der Fall war. Ihre internationale Bedeutung wird vor allem auf wirtschaftliche Aspekte reduziert. Der weltweite Wirtschaftsaustausch ist gekennzeichnet durch ein starkes Nord-Süd-Gefälle, wobei sich die Handelsbeziehungen auf dem Weltmarkt häufig zu Lasten der armen Länder im Süden entwickeln. Der hohen Verschuldung vieler Entwicklungsländer versucht die Weltbank mit Darlehen zu Sonderkonditionen zu begegnen. Kriterien hierfür sind allerdings die wirtschaftliche und politische Stabilität der Länder. Typische Exportgüter der armen Länder Afrikas, Süd- und Südostasiens, des Nahen Ostens und Lateinamerikas sind agrarische Rohstoffe wie Kaffee, Tee oder Zucker. Ihr Preisverfall treibt diese Länder immer weiter ins Elend. Deutschland gehört zu den reichsten Ländern der Erde. Das Budget für Entwicklungshilfe liegt mit rund 11 Milliarden D-Mark bei etwa 0,3 Prozent des Bruttosozialproduktes. Produktive Investitionen konzentrieren sich häufig auf Schwellenländer wie Brasilien. Während der 90er Jahre fließen zunehmend westliche Kapitalströme in den Osten und noch weniger als bisher in den Süden. Zudem liegen in der Europäischen Union (EU) nun mit den osteuropäischen Reformstaaten die "Billiglohnländer" praktisch vor der Tür. Von wachsendem Gewicht sind wirtschaftliche Hilfsprogramme für die Staaten des ehemaligen Ostblocks, die mit großen finanziellen Schwierigkeiten bei der Durchführung marktwirtschaftlicher Reformen zu kämpfen haben. Im Juli 1990 befürworten die sieben großen Industriestaaten (G7) auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Houston/Texas wirtschaftliche Übergangshilfen für den Osten. Auf dem 18. Weltwirtschaftsgipfel in München vom 6. bis 8. Juli 1992 kommen die G7-Staaten unter anderem überein, den Welthandel zu liberalisieren und die Entwicklungsländer sowie die reformierten osteuropäischen Staaten mit "Hilfe zur Selbsthilfe" zu unterstützen. Ein "Zehn-Punkte-Programm" für Russland macht zukünftige Kredite von marktwirtschaftlichen Reformen abhängig. Am 15. April 1994 wird die GATT-Schlussakte in Marrakesch unterzeichnet, die als bisher umfangreichstes internationales Handelsabkommen den Welthandel liberalisiert. Die neue World Trade Organization (WTO) tritt an die Stelle des bisherigen GATT-Sekretariats (General Agreement on Tariffs and Trade). (ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |