Ausstellungsplakat Roger Melis - In einem stillen Land. Fotografien aus der DDR
Vergangene Ausstellung
15.02.2008 bis 30.03.2008

Roger Melis - In einem stillen Land

Fotografien aus der DDR

Fast zwei Jahrzehnte nach der friedlichen Revolution und dem Untergang der DDR fällt der Blick zurück in ein „stilles Land”. Nüchtern und kritisch porträtierte der Fotograf Roger Melis Menschen und ihren Alltag im „real existierenden Sozialismus”. Eine Auswahl seiner Fotos aus den Jahren 1965 bis 1989 präsentiert das Zeitgeschichtliche Forum in einer Foyerausstellung, die vom 15. Februar bis zum 30. März 2008 zu sehen ist.


Roger Melis, 1940 in Berlin geboren, absolvierte zunächst eine Fotografenlehre, arbeitete dann als wissenschaftlicher Fotograf an der Charité, ehe er ab 1968 in die Freiberuflichkeit wechselte.  Er erhielt Aufträge aus Ost und West, fotografierte für die Modezeitschrift „Sybille”, aber auch für die „Neue Berliner Illustrierte” und die „Wochenpost”. Letztere beauftragten ihn mit Reportagen aus der Arbeitswelt, die heute einen Großteil seines Bilderschatzes ausmachen. Zu Bildikonen wurden einige seiner Aufnahmen aus der Künstlerszene und von prominenten Dissidenten.

Die atmosphärisch dichten, oft symbolhaften Bilder führen quer durch Landschaften, Dörfer und Städte zwischen Ostsee, Harz und Erzgebirge. Obwohl Melis zeitweilig im offiziellen Auftrag der DDR-Magazine arbeitete, wurden viele seiner Aufnahmen nicht gedruckt und als „Müllkastenfotografie” denunziert. Zu deutlich, zu ungeschminkt spiegelten sie die Wirklichkeit wider. Trotz der merkwürdigen Stille, der Resignation und Tristesse, die Land und Leute zu lähmen scheinen, zeugen die Aufnahmen dabei auch von Widerspruchsgeist und Selbstbewusstsein. Der Staat war auf seine Bürger angewiesen, sie wussten um ihre Macht und konnten sich auf ihre soziale Absicherung verlassen. So existierte im Alltag der DDR, wie Roger Melis in seinem Vorwort zum Bildband schreibt, beides nebeneinander: „Das private Leben konnte laut und lustig sein, das öffentliche lag unter einer Dunstglocke.”

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Lehmstedt Verlag, Leipzig, der 2007 einen gleichnamigen Bildband veröffentlichte.