Veranstaltungen und Termine
September 2026
Gespräch Saal
Zwischen politischer Entfremdung und lokaler Mitbestimmung – Die wachsende Bedeutung parteiunabhängigen Engagements in Sachsens Kommunalpolitik
Eintritt frei
Vortrag und Gespräch
Mit Dr. Johannes Kieß (Stellvertretender Direktor des Else-Frenkel-Brunswik Instituts, Leipzig) und Kerstin Körner (Oberbürgermeisterin von Dippoldiswalde)
Moderation: Katharina Dalko (Konrad-Adenauer-Stiftung Dresden)
In Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Dresden – Politisches Bildungsforum Sachsen
Eintritt frei
Die Veranstaltung ist Teil einer Reihe zur politischen Kultur in Sachsen und nimmt die wachsende Bedeutung von Wählervereinigungen sowie parteiunabhängigen Kandidierenden in der Kommunalpolitik in den Fokus. Zunächst beleuchtet der Sozialwissenschaftler Dr. Johannes Kieß die zunehmende politische Fragmentierung. Er zeigt auf, wie Wählervereinigungen etablierte Parteien auf lokaler Ebene in manchen sächsischen Gemeinden zunehmend verdrängen. Daran schließt sich ein Gespräch mit der Oberbürgermeisterin von Dippoldiswalde, Kerstin Körner, an. Als CDU-Mitglied trat sie bewusst als unabhängige Kandidatin an und verteidigte ihr Amt erfolgreich mit 77,4 Prozent der Stimmen. Den Abschluss bildet ein offener Austausch mit dem Publikum über die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die kommunale Demokratie und die Bürgernähe vor Ort.
Dr. Johannes Kiess ist stellvertretender Direktor des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts in Leipzig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen politische Einstellungen, demokratische Kultur und antidemokratische Mobilisierung. Er beschäftigt sich unter anderem mit Rechtsextremismus sowie den Herausforderungen lokaler politischer Strukturen. Als Projektleiter verantwortet er etwa das Monitoring antidemokratischer Mobilisierung in Sachsen und arbeitet an der Leipziger Autoritarismus-Studie.
Kerstin Körner ist seit 2019 Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Dippoldiswalde. Die diplomierte Verwaltungs-Betriebswirtin engagiert sich darüber hinaus unter anderem als Kreisrätin im Kreistag Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und ist Mitglied des Beirats Sachsen-Monitor beim Freistaat Sachsen. Bei ihrer Wiederwahl im Mai 2026 trat sie als unabhängige Kandidatin an.
Buchvorstellung KOMM-Haus Leipzig
Block Stories. Literatur trifft Platte
Eintritt frei
ZFL unterwegs im KOMM-Haus
Gespräch und Lesung
Mit Grit Lemke (Autorin, Berlin) und Sara Gmuer (Autorin, Berlin)
Moderation: Carolin Haentjes (Journalistin, Leipzig)
In Kooperation mit dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig und dem KOMM-Haus Leipzig
Eintritt frei
„Wie weit sie auch geht, die Platte in ihrem Rücken wird nie wirklich kleiner“, heißt es über Wanda, die Hauptfigur in Sara Gmuers aktuellem Roman „Achtzehnter Stock“. Prägen Kindheit und Jugend in der „Platte“ ein Leben lang? Was macht den Alltag in der Großwohnsiedlung aus – in der DDR, in den Jahren des Umbruchs und in der Gegenwart? Wie dicht liegen „Traum und Trauma“ beieinander, wie es Grit Lemke in „Kinder von Hoy“ bezeichnet?
Über diese und weitere Fragen sprechen die beiden Autorinnen auf Einladung des Zeitgeschichtlichen Forums und des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig im KOMM-Haus in Grünau. Lesepassagen aus ihren Büchern, die in Hoyerswerda und Berlin angesiedelt sind, vervollständigen das Gespräch. Es moderiert die Leipziger Journalistin Carolin Haentjes. Die Veranstaltung ist Teil des Begleitangebots zur Wechselausstellung „Platte. Leben in der Großwohnsiedlung“ im Zeitgeschichtlichen Forum und des stadtweiten Programms zum 50. Geburtstag Grünaus.
Grit Lemke, geboren in Spremberg, aufgewachsen in Hoyerswerda, arbeitet als Dokumentarfilmregisseurin und Autorin. Ihr Film „Gundermann Revier“ wurde 2020 für den Grimmepreis nominiert.
Sara Gmuer wurde 1980 in Locarno geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in der italienischen Schweiz, ihre Jugend in Luzern. Nach ihrem Abschluss an der Filmschauspielschule Zürich zog sie nach Deutschland. Sie stand für Dominik Graf und Die Ärzte vor der Kamera und als Rapperin auf der Bühne. Sie schrieb Songs, textete für Agenturen und fand dabei ihre ganz eigene Stimme. Mit ihrem Mann und ihren Kindern lebt sie in Berlin.
Carolin Haentjes arbeitet seit ihrem Studium der Politik-, Kultur- und Literaturwissenschaften als freie Journalistin und Feature-Autorin, unter anderem für das Deutschlandradio und den Mitteldeutschen Rundfunk.
Veranstaltungsort:
KOMM-Haus
Selliner Straße 17
04207 Leipzig
Vortrag Wechselausstellung, 3. OG
Vielfalt ernten. Die Leipziger Saatgutbibliothek stellt sich vor
Eintritt frei
Projektpräsentation und Austausch
Mit Dagmar Knecht (Stadtbibliothek Leipzig), Antje Osterland (Ökolöwe – Umweltbund Leipzig), Holger Große (Kleingartenverein Kultur e. V.) und Daniel Janko (Stadt Leipzig, Amt für Stadtgrün und Gewässer)
Eintritt frei
Samenfestes, regionales Saatgut – dieser Trend beim Gärtnern ist aktuell in aller Munde. Wer die Samen nicht teuer einkaufen will, der kann sie in Leipzig auch leihen – in einer „Saatgutbibliothek“ in den Leipziger Städtischen Bibliotheken. Einzige Bedingung: Ein Teil des selbst vermehrten Saatguts wird nach der Ernte zurückgegeben.
Bei einem Ideengarten-Nachmittag im Zeitgeschichtlichen Forum lässt sich die Saatgutbibliothek, eine Kooperation mehrerer in Leipzig aktiver Gartenexperten und der Stadt, kennenlernen. Mehrere Projektbeteiligte stellen das Anliegen der Spezialbibliothek vor: die Sortenvielfalt Leipzigs erhalten und Wissen über Kulturpflanzen und ihre Vermehrung vermitteln. Diskutiert werden auch alle praktischen Fragen rund um die Ausleihe: Welche Sorten gibt es? Wie und wo kann ich sie leihen? Wie funktioniert die Rückgabe und was passiert, wenn der grüne Daumen versagt und die Aufzucht der entliehenen Samen scheitert?
Film Saal
Film des Monats: Halbe Treppe
Eintritt frei
Drama/Komödie, D 2002, 111 Min, Regie: Andreas Dresen
Filmvorführung
In der Reihe „Zwischen Beton und Paradies“
Begleitprogramm zur Ausstellung „Platte. Leben in der Großwohnsiedlung“
Eintritt frei
Etwa auf halber Treppe ihres Lebens haben sich die befreundeten Paare Düring und Kukowski, die im selben Plattenbau in Frankfurt/Oder leben, festgefahren. Chris und Kathrin Düring haben sich in Alltag und Bett nicht mehr viel zu sagen, während Uwe Kukowski rund um die Uhr in seiner Imbissbude schuftet und darüber seine Frau Ellen und die Kinder vergisst. Kein Wunder, dass sich die vereinsamte Ellen und der nach Abwechslung drängende Chris näherkommen. Doch das Verhältnis fliegt auf – plötzlich werden alle Karten neu gemischt, Bewegung kommt in den Alltag.
Andreas Dresen, 1963 in Gera geboren, zählt zu den bedeutendsten deutschen Filmregisseuren der Gegenwart. Nach ersten Amateurfilmproduktionen und einer Tätigkeit als Tontechniker studierte er von 1986 bis 1991 Regie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit Nachtgestalten (1999) und endgültig mit Halbe Treppe (2002), der auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen außerdem Sommer vorm Balkon (2005), Wolke 9 (2007), Halt auf freier Strecke (2011) und Gundermann (2018).
Buchvorstellung Saal
Marieke Reimann: Zweite Wende. Warum Ostdeutschland uns alle angeht
Eintritt frei
Buchvorstellung und Gespräch
Mit Marieke Reimann (Autorin, Journalistin) und Antonie Rietzschel (Journalistin, Leipziger Volkszeitung)
Eintritt frei
„Noch immer gibt es große strukturelle Ungleichheiten zwischen Ost und West – mit denen wir uns auf keinen Fall abfinden dürfen.“ Das sagt die renommierte Journalistin Marieke Reimann, geboren 1987 in Rostock, in ihrem aktuellen Buch „Zweite Wende“. Gleichzeitig kämpft sie gegen das Stereotyp des abgehängten, sächselnden Jammer-Ossis – ihr Tagesthemen-Kommentar dazu ging viral. Am 15. September ist Marieke Reimann im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu Gast.
Reimann erlebte selbst, wie schwierig es ist, als junge Frau ohne Vermögen und Netzwerk in westdeutschen Macht-Zirkeln zu bestehen, und brachte es dennoch bis zur Zweiten Chefredakteurin des Südwestrundfunks (SWR). In ihrem Buch, so schreibt sie, wolle sie ostdeutsche Geschichten authentischer erzählen und gesellschaftliche Dimensionen analytisch auffächern: Wie hängen Vermögen und Eigentum mit dem Wahlverhalten zusammen? Wie wird die Zeit nach der Wiedervereinigung in der Schule behandelt? Können Angela Merkel und Tokio Hotel Role Models sein? Und warum sind auf den Bildern der Einheitsfeiern nur Westdeutsche? Über diese und weitere Fragen kommt die Autorin mit Moderatorin Antonie Rietzschel ins Gespräch.
Für die Veranstaltung können keine Plätze reserviert werden. Bitte kommen Sie frühzeitig.
Marieke Reimann, geboren 1987 in Rostock, war bis 2024 Zweite Chefredakteurin des SWR und leitete die Runde der ARD-Chefredakteure. Reimann war damit die jüngste und erste ostdeutsche Chefredakteurin bei einem öffentlich-rechtlichen Medium im Westen. Bis 2020 war sie Chefredakteurin des Magazins ze.tt der Wochenzeitung DIE ZEIT. Hier entwickelte sie ein nachhaltiges Abo-Modell und gründete ein Ostdeutschland-Ressort. 2015 wurde sie als Deutschlands „Top 30 bis 30“-Journalistin ausgezeichnet.
Antonie Rietzschel, 1986 geboren, arbeitet als Reporterin bei der Leipziger Volkszeitung. Sie wuchs in einem kleinen Dorf nahe der Sächsischen Schweiz auf, einer Region, die lange durch Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus geprägt war. Unter anderem durch ihre persönlichen Erfahrungen bildet dieses Thema heute den Schwerpunkt ihrer mehrfach ausgezeichneten journalistischen Arbeit. Rietzschel studierte Politikwissenschaften und arbeitete unter anderem für Spiegel Online, den Tagesspiegel und die Süddeutsche Zeitung.
Film Saal
DOK: Sedimente
Eintritt frei
Dokumentarfilm (Schweiz 2025, 81 Min, Regie: Laura Coppens)
Filmvorführung und Gespräch
Mit der Regisseurin Laura Coppens
In Kooperation mit dem Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
Eintritt frei
Wie tief graben sich die Spuren von Diktaturen in die Geschichte einer Familie ein? In ihrem berührenden und schmerzhaft ehrlichen Dokumentarfilm „Sedimente“ begibt sich die Regisseurin Laura Coppens auf eine filmische Spurensuche. Im Zentrum steht ihr eigener Großvater und dessen persönliche Verflechtungen mit zwei der prägendsten Regime der deutschen Geschichte: dem Nationalsozialismus und der DDR. Der Film zeigt eindrücklich, wie Mechanismen von Anpassung, Schuld und Verdrängung über Generationen hinweg nachwirken. „Sedimente“ ist ein intimes Porträt über Verantwortung und ein wichtiger Beitrag zur aktuellen deutschen Erinnerungskultur.
Dr. Laura Coppens (geb. 1980 in Berlin) ist Filmemacherin und Sozialanthropologin. Seit 2014 lehrt und forscht sie im Bereich Medienanthropologie an der Universität Bern. Ihre dokumentarischen Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von visuellem Aktivismus, alternativen Ökonomien und persönlicher Erinnerungskultur. Nach ihrem Berlinale-Debüt Children of Srikandi (2012) und dem preisgekrönten Dokumentarfilm Taste of Hope (2019) feierte ihr neuester, sehr persönlicher Essayfilm Sedimente (2025) Weltpremiere bei Visions du Réel und wurde dort mit dem Special Jury Award ausgezeichnet.
Filmvorführung und Gespräch Saal
Stolz und Eigensinn
Eintritt frei
Stolz und Eigensinn
Dokumentarfilm (Deutschland 2025, 113 Min, Regie: Gerd Kroske)
Filmvorführung und Gespräch
Mit Annika Haupts (Programmkoordinatorin Retrospektive & Berlinale Classics, Deutsche Kinemathek, Berlin) und Dr. Andreas Kötzing (Historiker, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e. V., Dresden)
Der Dokumentarfilm porträtiert Frauen, die in der DDR in verschiedenen Industrieberufen arbeiteten und nach 1990 hart um ihren Arbeitsplatz kämpfen mussten. Die filmische Reise in die Vergangenheit basiert auf einem außergewöhnlichen Archivfund: Aufnahmen aus den 1990er Jahren, in denen die Frauen offen über ihre Erfahrungen sprechen. Der Film verwebt dieses authentische Material mit der heutigen Lebenswelt der Protagonistinnen, indem er sie 30 Jahre später erneut vor die Kamera holt. So entsteht ein eindrucksvoller Brückenschlag zwischen der Transformationsphase und dem Leben von heute. Im Anschluss an die Filmvorführung findet ein Publikumsgespräch mit Annika Haupts und Dr. Andreas Kötzing über die Relevanz von Filmen aus den 1990er Jahren als Quelle für die Transformationsforschung statt.
Annika Haupts ist Filmwissenschaftlerin und Kuratorin. Nach ihrem Studium der Filmwissenschaft ist sie seit 2013 für die Deutsche Kinemathek tätig, zunächst als Redakteurin und wissenschaftliche Mitarbeiterin. Seit 2020 leitet sie die Programmkoordination für die Sektionen Retrospektive und Berlinale Classics bei der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen in Berlin. In dieser Funktion ist sie Mitglied der Auswahlkommission für das historische Programm der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale). Neben ihrer kuratorischen Arbeit lehrt sie an Universitäten zu Themen der Filmgeschichte, Kinokultur und Archivpraxis mit einem besonderen Schwerpunkt auf weiblichem Filmschaffen.
Dr. Andreas Kötzing ist Historiker und Kulturwissenschaftler mit dem Forschungsschwerpunkt Medien- und Zeitgeschichte. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT) an der TU Dresden und lehrt parallel an der Universität Leipzig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der deutsch-deutschen Film- und Kinogeschichte, Zensur sowie der Aufarbeitung von Diktaturen. Für seine Arbeiten zur visuellen Zeitgeschichte wurde er unter anderem mit dem “Zeitgeschicht Digital”-Preis ausgezeichnet.
In Kooperation mit der Universität Leipzig – Historisches Seminar/Forschungsstelle Transformationsgeschichte und dem Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e. V. an der TU Dresden
ZFL unterwegs Ev.-luth. Pauluskirche
Zwischen Kirchturm und Platte. Zwei Gemeinden in der sozialistischen Großwohnsiedlung
Eintritt frei
Podiumsgespräch
Mit Matthias Möbius (ehemaliger Pfarrer der Pauluskirchgemeinde), Christoph Käßler (langjähriger Mitwirkender im Posaunenchor der Pauluskirchgemeinde), Wolfgang Lamm (langjähriges Kirchenratsmitglied der Pfarrei St. Martin), Prof. Dr. Günther Fitzl (langjähriger Pfarrgemeinderatsvorsitzender der Pfarrei St. Martin) und Prof. Dr. Klaus Fitschen (Leiter des Instituts für Kirchengeschichte, Universität Leipzig)
Moderation: Carolin Haentjes (Journalistin, Leipzig)
In Kooperation mit dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, der Ev.-luth. Pauluskirchgemeinde und der Katholischen Gemeinde St. Martin
Eintritt frei
Mehr als 60 Kirchenbauten ließ die DDR-Führung gezielt sprengen oder abreißen. In Leipzig-Grünau entstanden in den 1980er Jahren hingegen zwei neue – ausgerechnet in einer sozialistischen Großwohnsiedlung. Wie war das möglich und was prägte das Gemeindeleben in der evangelisch-lutherischen Pauluskirche und der katholischen St. Martinskirche in diesem speziellen Lebensumfeld? Welche Veränderungen lösten Friedliche Revolution und Wiedervereinigung aus und wie arbeiten die benachbarten Kirchen bis heute zusammen? Diese und weitere Fragen diskutieren Zeitzeugen und Experten in der Pauluskirche. Die Veranstaltung ist Teil des Jubiläumsprogramms zum 50. Geburtstag von Leipzig-Grünau.
Beide Kirchen sind bereits ab 18 Uhr geöffnet und können besichtigt werden. Ansprechpartnerinnen und -partner aus den Gemeinden beantworten gerne Fragen zur Architektur und weisen auf Besonderheiten hin. Die Kirchen wurden unter dem baulichen Leitgedanken, „Zelt Gottes unter den Menschen“ zu sein, entworfen.
Veranstaltungsort:
Ev.-luth. Pauluskirche
Alte Salzstraße 185
04209 Leipzig
Oktober 2026
Konzert Saal
Stellmäcke: Der einfache Frieden – Lieder von hier
Eintritt frei
Konzert
Eintritt frei
Jede Epoche hat ihre Lieder. Sie überdauern die Zeit, bewahren Erinnerungen und spiegeln das Lebensgefühl ganzer Generationen wider. Ab Mitte der 1960er Jahre wurden Chansons, Balladen und Rocksongs in der DDR zum Ventil für Träume, Sehnsüchte und den Drang nach Selbstbestimmung. Junge Musiker und Texter lebten darin ihre Rebellion aus und untergruben damit das staatliche Kulturmonopol. Obwohl viele dieser Werke in ihrer Allgemeingültigkeit heute wieder hochaktuell erscheinen, finden sie im gesamtdeutschen Kulturbetrieb kaum noch einen Sendeplatz.
Das Quartett um Bandleader Olaf Stelmecke bricht dieses Schweigen und bringt einen lebendigen Mix aus Livemusik, Anekdoten und Texten erfolgreicher sowie weniger bekannter DDR-Künstler auf die Bühne. Das Publikum darf sich auf eine musikalische Zeitreise freuen, die das Schaffen von Ikonen wie den Puhdys, Renft, Lift, Karussell und Keimzeit ebenso beleuchtet wie die Lieder von Veronika Fischer, Holger Biege, Franz Bartzsch und Manfred Krug. Auch den Poeten und Liedermachern wie Gundermann, Wenzel, Gerhard Schöne, Stephan Krawczyk, Barbara Thalheim, Kurt Nolze und der Formation Pension Volkmann wird an diesem Abend Raum gegeben.
Die Musiker des Quartetts sind selbst mit dieser vitalen Kunstform aufgewachsen und haben von ihr gelernt, wie man sich auch gegen widrige Umstände behauptet. In ihrem aktuellen Programm widmen sie sich den bekannten und verborgenen musikalischen Schätzen jener Ära mit großer Spielfreude, aber völlig frei von Sentimentalität. So entsteht ein facettenreicher Konzertabend, der gekonnt die Brücke von der Vergangenheit direkt in die Gegenwart schlägt.
Hörkunstperformance Saal
35x89 – Engagierte Frauen 1989/90. Eine hybride Spurensuche
Eintritt frei
Hörkunstperformance
Mit Ingeborg Freytag und Maria Schüritz
In Kooperation mit dem Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.
Eintritt frei
Die hybride Hörkunstperformance „35x89 – Engagierte Frauen 1989/90“ wirft ein Schlaglicht auf die weibliche Seite der Friedlichen Revolution. Das collagenartige Kulturprojekt der Leipziger Musikerinnen Ingeborg Freytag und Maria Schüritz verwebt Songs, Kompositionen und interaktive Echtzeitmusik mit authentischen Zeitzeuginnen-Interviews. Ergänzt wird das vielschichtige Klangbild durch Sprach- und Klangkunst von Schauspielstudierenden der Theaterakademie Sachsen.
Das Besondere: Die Performance bringt mindestens drei Generationen miteinander ins Gespräch. Frauen, die die Wendezeit 1989/90 aktiv mitgestalteten, treffen auf (Nach-)Wendekinder und junge Erwachsene von heute. So entsteht ein lebendiger, multidimensionaler Dialog über den damaligen Systemwechsel und das historische Engagement von Frauen.
Die Akteurinnen spiegeln diesen Ansatz perfekt wider: Multimusikerin Ingeborg Freytag (*1965) war selbst in der Leipziger Bürgerrechts- und Frauenbewegung aktiv. Songpoetin Maria Schüritz (*1985) wuchs inmitten des Leipziger Strukturwandels auf und bringt die Fragen der Nachwendegeneration ein. Das Projekt lädt zu einer faszinierenden akustischen Spurensuche ein. Ein eindringliches Kulturerlebnis, das die Perspektiven weiblicher Aktivistinnen beleuchtet und Geschichte hörbar, fühlbar und nahbar macht.
Vortrag Saal
„Wir für uns“: Jüdische Erfahrungen in den letzten Jahren der DDR
Eintritt frei
Vortrag und Gespräch
Mit Prof. Dr. Miriam Rürup (Direktorin des Moses Mendelssohn Zentrums an der Universität Potsdam/MMZ), Dr. Lutz Fiedler (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am MMZ, Potsdam) und Dr. Annette Leo (Historikerin, Berlin)
In Kooperation mit dem Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam
Eintritt frei
„Wir für uns“ – unter diesem Namen schlossen sich 1986 in der DDR Kinder jüdischer Remigrantinnen und -migranten zusammen. Ihre Eltern waren nach dem Ende des Nationalsozialismus aus dem Exil in den entstehenden sozialistischen Staat gekommen, in dem die nachfolgende Generation auch aufwuchs. In den 1980er Jahren gewann die eigene jüdische Herkunft für die Gruppenmitglieder zunehmend an Bedeutung. Dies geschah in einer Zeit, in der das sozialistische Versprechen auf eine wirtschaftlich und sozial gerechte Zukunft in Staat und Gesellschaft spürbar unterging.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung mit dem Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig stehen jüdische Wahrnehmungen und Deutungen aus den letzten Jahren der DDR sowie die damaligen Sorgen angesichts der deutschen Wiedervereinigung, da die Transformationszeit von einer Welle des Nationalismus und der Gewalt begleitet war.
In einem einführenden Vortrag rekonstruiert Dr. Lutz Fiedler die Geschichte von „Wir für uns“ und gibt Einblicke in ein sich wandelndes jüdisches Selbstverständnis sowie in vergessene Kapitel der Nachwendezeit. Anschließend diskutiert die MMZ-Direktorin Prof. Dr. Miriam Rürup mit der Historikerin Dr. Annette Leo, die selbst an der Gründungsveranstaltung von „Wir für uns“ teilgenommen hat und Zeitzeugin der Wendeereignisse ist.
Während der Veranstaltung präsentieren Daniel Burckhardt und Nina Zellenhoff zudem das Online-Portal „Jüdische Geschichte[n] in der DDR“, das derzeit auf Basis von lebensgeschichtlichen Interviews aufgebaut wird.