Veranstaltungen und Termine
Vortrag Forum live
Kuriert oder kontrolliert? Wie Frauen in der DDR zwangsweise auf Stationen für Geschlechtskrankheiten eingewiesen wurden
Eintritt frei
Vortrag und Gespräch mit Jennifer Schatz (Referendarin für Deutsch und Geschichte an der Wieratalschule Langenleuba-Niederhain)
In Kooperation mit dem Historischen Seminar der Universität Leipzig
Eintritt frei
„Herumtreiberinnen“, „Arbeitsbummelanten“ oder „Asoziale“ – mit solchen Zuschreibungen waren Frauen und Mädchen gebrandmarkt, die in der DDR zwangsweise in sogenannte venerologische Stationen eingewiesen wurden. „Tripperburgen“ nannte der Volksmund diese Einrichtungen, denn vorgeblich sollten hier Geschlechtskrankheiten behandelt werden. Tatsächlich dienten sie vielmehr der Disziplinierung, Isolation und Umerziehung von Frauen, deren Verhalten in den Augen der Machthaber nicht den gesellschaftlichen Normen entsprach.
Jennifer Schatz hat in ihrer Staatsexamensarbeit an der Universität Leipzig den Umgang mit Frauen in geschlossenen venerologischen Stationen der DDR untersucht und dabei besonders die Leipziger Einrichtung im Stadtteil Thonberg in den Blick genommen. Ihre Ergebnisse stellt sie im Rahmen eines Werkstattgesprächs im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig vor. Im Fokus stehen die rechtlichen, medizinischen und organisatorischen Rahmenbedingungen auf den Stationen. Dabei wird deutlich, dass die eingewiesenen Frauen und Mädchen häufig ohne Aufklärung oder Einwilligung medizinisch behandelt wurden, und dass ihre Einweisung oft mit Gewalt, Demütigung und Traumatisierung verbunden war. Jennifer Schatz fragt daher auch nach den psychischen und körperlichen Folgen für die Betroffenen sowie nach gesellschaftlicher Aufarbeitung und Wiedergutmachung. Nicht zuletzt ordnet sie die DDR-Praxis in einen internationalen Kontext ein und zeigt, dass vergleichbare Einrichtungen auch in der Bundesrepublik und anderen Ländern existierten.
Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Werkstattgespräche zur Zeit/Geschichte“. Regelmäßig stellen Studierende und Absolventinnen beziehungsweise Absolventen des Historischen Seminars der Universität Leipzig ihre Forschungsprojekte außerhalb des akademischen Raums zur Diskussion. Besucherinnen und Besuchern eröffnet die Reihe neue Perspektiven auf die universitäre Forschung und lädt zum Mitdiskutieren ein.
Jennifer Schatz studierte von 2020 bis 2024 Deutsch und Geschichte auf Lehramt an der Universität Leipzig. Aktuell absolviert sie ein Referendariat an der Wieratalschule Langenleuba-Niederhain in Thüringen. Ihre wissenschaftlichen Interessen liegen vor allem im Bereich der DDR-Geschichte, der historischen Bildungsarbeit und der Aufarbeitung staatlicher Repressionsmechanismen.