Papststuhl in der Ausstellung 'Deutsche Mythen seit 1945" ZFL Leipzig
Demnächst

16.03.2018–14.10.2018

Deutsche Mythen

seit 1945

„Stunde Null“, „Wirtschaftswunder“, „Antifaschismus“ und „Wunder von Bern“: Mythen verdichten das kaum überschaubare Geschehen der Vergangenheit zu sinnstiftenden Geschichten. Die Ausstellung veranschaulicht mit rund 900 Objekten wichtige Mythen der Deutschen seit dem Zweiten Weltkrieg. Zentrale Exponate repräsentieren ausgewählte mythische Erzählungen. Die Ausstellung zeichnet ihre Entstehung und Verbreitung nach und fragt nach möglichen Ansätzen für eine gemeinsame europäische Identität.

Bruch mit alten Erzählungen
Mythen bilden einen wichtigen Teil nationaler Erinnerung, die so über Generationen weitergegeben wird. Mit mythischen Erzählungen stärken Nationen ihre Identität. Solche alten Mythen, wie sie andere Länder bis heute bewahren, sind allerdings in Deutschland fast vergessen. Die Tradition bricht 1945 nach dem Missbrauch durch die Nationalsozialisten weitgehend ab. Hermann, der „Befreier Germaniens“, oder Kaiser Barbarossa im Kyffhäuser haben keine identitätsstiftende Bedeutung mehr. Doch welche neuen Erinnerungserzählungen pflegen die Deutschen heute?

Gründungsmythen
Die westdeutschen Gründungsmythen gelten dem Aufstieg aus den Trümmern des Krieges, hart erarbeitet mit Fleiß und kluger Politik, verbunden mit dem Mythos der D-Mark. Ihnen stehen in der DDR die von der SED-Diktatur gesetzten Mythen vom „Arbeiter- und Bauernstaat“ gegenüber, gegründet als „Erbe der Antifaschisten“ nach der „Befreiung durch die siegreiche Sowjetunion“. Seit 1990 entwickeln die Deutschen eine neue gemeinsame Gründungserzählung. Sie verbindet die Erinnerung an die friedliche Revolution von 1989 mit der Wiedervereinigung.

Deutsche und europäische Selbstbilder
Viele mythische Erzählungen haben in Ost und West ihre Wurzeln in der deutschen Selbstverpflichtung zum Frieden und zur Abgrenzung von der nationalsozialistischen Vergangenheit. Aktuelle Mythen präsentieren die Deutschen als vorbildliche Europäer, als Vorreiter im Umweltschutz oder als siegreiche Fußballer. Anhand der Kampagnen „Du bist Deutschland“ und „Wir sind Papst!“ zeigt die Ausstellung Versuche gezielter Mythenbildung durch Politik, Wirtschaft und Medien. Europa entwickelt dagegen bislang keine gemeinsamen Mythen. Ansätze, die EU als Friedensgarant oder als Wertegemeinschaft darzustellen, finden wenig Resonanz.

Mythen für die Zukunft
Für Nationen aber sind politische Mythen auch im 21. Jahrhundert zentral. Mythen verdichten Erinnerung, sie mobilisieren Selbstbewusstsein und Zuversicht. Mythen können dem Zusammenhalt der Gesellschaft und der Integration von Zuwanderern dienen, weil sie wichtige Bestandteile nationaler Identität vermitteln. Eine gemeinsame Erzählung kann helfen gegen zersetzende mythische Konstruktionen von politischen Extremisten. Sind Mythen für den gesellschaftlichen Konsens unverzichtbar?

Inklusive Angebote 
Für den Besuch der Ausstellung hat das Haus der Geschichte neue inklusive Angebote entwickelt: Ein Mediaguide mit Hörtexten gibt Informationen zu ausgewählten Objekten und Themen. Mit Hilfe der Audiodeskriptionen und des taktilen Bodenleitsystems können blinde und sehbehinderte Besucherinnen und Besucher diese Objekte entdecken. Für Besucherinnen und Besucher mit Lerneinschränkungen bietet der Mediaguide Informationen in Leichter Sprache. Gerne geben wir weitere Informationen zur Planung Ihres Besuchs. 
Kontakt: besucherdienst(at)hdg.de

Buch zur Ausstellung

Wie und warum entstehen Mythen? Namhafte Autoren analysieren deutsche Mythen von der „Stunde Null“ bis zur Rolle als „Zahlmeister Europas“. Objektgeschichten ergänzen die Beiträge.

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Museumsmagazin

Lesen Sie mehr über unsere Ausstellung „Deutsche Mythen seit 1945“ in der Ausgabe 02/2016 unseres Museumsmagazins.

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Einblicke
Schiebepuzzle aus der DDR zum 8. Mai 1945
Entwurf für das Staatswappen der DDR, Herbert Gute und Martin Hänisch
Heldenfigur Zwermann
Filmplakat Das Wunder von Bern
Wo die Sonne aufgeht, II von Moritz Götze