In Garching bei München wird 1957 der erste Forschungsreaktor in der Bundesrepublik gebaut. Seit Mitte der 1960er Jahren gehen wirtschaftlich genutzte Kernkraftwerke ans Netz. Sie gelten als sichere, umweltfreundliche und wirtschaftliche Möglichkeit zur Lösung des Energieproblems. Nach der Ölkrise 1973 plant die Bundesregierung den großzügigen Ausbau der Kernenergie, um den prognostizierten, ständig steigenden Energiebedarf zu sichern. Bis 1985 sollen nach der damaligen Planung 40 neue Atommeiler gebaut werden. Gegen den Bau eines Kernkraftwerkes in der kleinen südbadischen Gemeinde Wyhl kommt es 1975 zur ersten großen Protestaktion von Atomkraftgegnern in der Bundesrepublik.

Nachdem die Planungen abgeschlossen und das Genehmigungsverfahren fast beendet ist, melden sich betroffene Bürger der Region zu Wort. Sie fordern mehr Informationen, bezweifeln die Notwendigkeit der Anlage und befürchten Schaden für ihren Lebensraum. Nach vergeblichen juristischen Einspruchsversuchen greifen sie zu radikaleren Mitteln und besetzen den Bauplatz. Der Protest aus der südbadischen und elsässischen Bevölkerung findet bundesweite Unterstützung. Bei der Räumung des Bauplatzes kommt es dann zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Während der Proteste gegen das Kernkraftwerk Brokdorf an der Unterelbe eskaliert 1976 der Konflikt zwischen den Atomkraftgegnern und der Polizei durch militante Gruppen, die sich unter friedliche Demonstranten mischen. Brokdorf wird Schauplatz tagelanger bürgerkriegsähnlicher Auseinandersetzungen. Auch im niedersächsischen Gorleben, wo eine Wiederaufbereitungsanlage und ein Endlager für abgebrannte Brennstäbe entstehen soll, besetzen Demonstranten 1979 den Bauplatz. Sie rufen die "Freie Republik Wendland" aus und stellen den "Bürgern" ihrer "Republik" sogar fiktive Pässe aus. Polizei und Bundesgrenzschutz räumen schließlich das Gelände.

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 05.05.2003
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Grau, Andreas: Anti-Atomkraft-Bewegung, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-krisenmanagement/bundesrepublik-im-umbruch/anti-atomkraft-bewegung.html
Zuletzt besucht am: 19.10.2018

lo