In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) prägen Betriebe und Arbeitskollektive entscheidend den Alltag der Menschen. Als Folge der Wirtschaftspolitik des SED-Regimes unter Erich Honecker verschlechtert sich in den 1970er und 1980er Jahren jedoch der Arbeitsalltag. Die Arbeitsmoral sinkt. In Ihrer Freizeit entfliehen viele Ostdeutsche Arbeitskollektiv, Mangelwirtschaft und sozialer Kontrolle der Diktatur zunehmend in ihre Datschen oder auf den Zeltplatz. Heimliches Fernsehen macht kleine Fluchten in den Westen möglich.

Arbeit

In vielen Volkseigenen Betrieben wächst in den 1970er und 1980er Jahren die Unzufriedenheit. Das SED-Regime modernisiert nur ausgewählte Wirtschaftszweige, so dass die meisten Produktionsanlagen und Gebäude zunehmend veralten. Weil Material, Ersatzteile oder Rohstoffe fehlen, stehen Anlagen immer länger still. Betriebsunfälle häufen sich. Im Chemiekombinat Bitterfeld etwa gefährden unkontrolliert freigesetzte Schafstoffe die Gesundheit der Belegschaft. Die Motivation der Beschäftigten sinkt. Um knappe Konsumgüter kaufen zu können, erledigen die Menschen Einkäufe oftmals während der Arbeitszeit.

Freizeit

Einen hohen Stellenwert in der Freizeitkultur der DDR haben Datschen und Schrebergärten. In der DDR gibt es 2,6 Millionen Wochenendgrundstücke und 855.000 Kleingärten. Hierhin ziehen sich viele Menschen zurück, um monotonen Plattenbausiedlungen und staatlicher Kontrolle zu entgehen. Das selbst angebaute Obst und Gemüse trägt zur täglichen Versorgung bei. Auch Freikörperkultur (FKK) und Campingurlaub ermöglichen Freiräume. 1988 besuchen 2,5 Millionen Urlauber die staatlichen Zeltplätze der DDR.

Auch das Fernsehen gehört zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen im Osten. Besonders populär sind Unterhaltungssendungen und Serien westdeutscher Programme, die in Teilen der DDR zu empfangen sind. Das SED-Regime toleriert den Konsum westlicher Medien.

(mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 29.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Würz, Markus: Alltag, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-krisenmanagement/niedergang-der-ddr/alltag.html
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