Der Alltag der Menschen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ist von Versorgungsmängeln gekennzeichnet. Zwar verspricht das SED-Regime unter Parteichef Erich Honecker einen "Konsumsozialismus" mit hohem Lebensstandard. In Wirklichkeit kann die Herstellung von Konsumgütern den Bedarf der Menschen vielfach nicht decken. Die Mangelwirtschaft erfordert von den Ostdeutschen Geduld sowie Organisations- und Improvisationstalent.

Versorgungslücken

Zwar sichert das Angebot in den Geschäften den Grundbedarf der Menschen. Engpässe gibt es jedoch bei der durchgängigen Versorgung mit hochwertiger Kleidung, ansprechenden Möbeln, Bettwäsche, Fleisch, Wurst, Obst und Gemüse. Vor allem technische Konsumgüter wie Stereoanlagen oder Farbfernseher sind schwer zu erhalten und teuer. Technischer Standard, Design und Qualität von Erzeugnissen sind oftmals schlecht. Die durchschnittliche Wartezeit für ein Auto der Marken „Trabant“ oder „Wartburg“ liegt bei 15 Jahren. Manch seltene Ware gelangt nicht in den freien Verkauf und ist nur über gute Beziehungen zum Verkaufspersonal erhältlich („Bückware“). Auch ist die Versorgungslage regional unterschiedlich. Bevorzugt beliefert werden etwa Ost-Berlin oder wichtige industrielle Betriebe wie der Uranerzabbau der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft Wismut.

Westpakete

Sendungen von Familien und Freunden aus der Bundesrepublik Deutschland, sogenannte Westpakete, helfen vielen Ostdeutschen, Versorgungslücken zu schließen. 28 Millionen Westpakete mit Waren im Wert von 5,5 Milliarden Mark erreichen 1988 die DDR. Besonders geschätzt sind etwa Damenstrumpfhosen, Schokolade und Kaffee.

Unzufriedenheit

Die Anzahl der Eingaben, die Ostdeutsche bei SED-Parteistellen und Behörden machen, wächst seit den 1970er stark an. 1988 liegt sie bei 29.000. Die Menschen bemängeln Engpässe in der Versorgung, ungerechte Warenverteilung und Wohnungsprobleme.

(mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 20.04.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Würz, Markus: Mangelwirtschaft, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-krisenmanagement/niedergang-der-ddr/mangelwirtschaft.html
Zuletzt besucht am: 18.06.2018

lo