Die auf dem VIII. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) 1971 beschlossene "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" bestimmt den Wirtschaftskurs des SED-Regimes unter Erich Honecker. Mit Krediten finanzierte sozialpolitische Maßnahmen sollen die Zufriedenheit der Menschen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erhöhen. Zugleich soll so die wirtschaftliche Produktivität steigen, um die sozialen Leistungen zu finanzieren. Tatsächlich übersteigen die Ausgaben der DDR ihre Einnahmen. Die Verschuldung steigt dramatisch an. Die wirtschaftliche Produktivität sinkt.

Ölgeschäfte

Das SED-Regime erzielt hohe Einnahmen, indem es verbilligt sowjetisches Erdöl einkauft und zu höheren Weltmarktpreisen in den Westen verkauft. Die Sowjetunion kürzt jedoch Anfang der 1980er Jahre ihre Lieferungen und erhöht den Preis. Die SED reagiert auf steigende Energiekosten, indem sie die einheimische Braunkohle stärker nutzt.

Steigende Verschuldung

Sozialpolitische Maßnahmen wie etwa das Wohnungsbauprogramm verursachen hohe Kosten. Um die Versorgung mit Konsumgütern zu verbessern, importiert das SED-Regime Waren aus dem Westen. Daher fehlen finanzielle Mittel, um Betriebe und Infrastruktur zu modernisieren. Die Arbeitsproduktivität sinkt. Große Summen fließen in den Aufbau der Mikroelektronikindustrie, die jedoch nicht mit westlichen Firmen konkurrieren kann. Die Auslandsverschuldung der DDR steigt zwischen 1975 und 1982 von 8,9 Milliarden auf 26,1 Milliarden D-Mark. Um Zinsen tilgen zu können, exportiert das SED-Regime auch Waren zu Preisen, die unter den Herstellungskosten liegen. Erzeugnisse, die gestalterisch weltmarktfähig sind, lassen sich besser exportieren. Große Messen in Leipzig dienen der Devisenbeschaffung durch Export. Ab 1978 vergibt das "Amt für industrielle Formgestaltung" dort die Auszeichnung "Gutes Design".

Der Alltag der Menschen bleibt von Mangelwirtschaft gekennzeichnet. Braunkohleindustrie und marode Betriebe zerstören die Umwelt.

(mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 20.04.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Würz, Markus: Wirtschaftspolitik in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-krisenmanagement/niedergang-der-ddr/wirtschaftspolitik.html
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