Vom 15.-19. Juni 1971 findet in Ost-Berlin der VIII. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) statt. Über 2000 Delegierten nehmen teil. Erich Honecker, der neue Erste Sekretär des SED-Zentralkomitees, der kurz zuvor Walter Ulbricht abgelöst hat, verkündet die "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" als neuen politischen und wirtschaftlichen Kurs des SED-Regimes.

Abrechnung mit Ulbricht

Nach seiner Absetzung als SED-Parteichef nimmt Ulbricht, der weiterhin Staatsoberhaupt ist, nicht am Parteitag teil. Sein Nachfolger Honecker kritisiert in seinem Grundsatzreferat die wirtschaftlichen Reformversuche unter Ulbricht und verkündet die Abkehr von dessen Plan, die Bundesrepublik Deutschland bei der Versorgung mit Konsumgütern zu überholen. Weiterhin betont er jedoch die Abgrenzung der "sozialistischen DDR" vom "imperialistischen" Westen.

Neuer Kurs

Das SED-Regime folgt unter Honecker dem Kurs der Sowjetunion, die durch eine bessere Versorgung der Menschen Unzufriedenheit entgegenwirken will. Auf dem Parteitag verkündet Honecker, durch die "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" das materielle und kulturelle Lebensniveau der Menschen in der DDR erhöhen zu wollen. Neue Hauptaufgabe sei es, die Wünsche und Bedürfnisse der Ostdeutschen in der Gegenwart zu erfüllen. Der vom VIII. Parteitag beschlossene Fünfjahrplan für die Jahre 1971 bis 1975 enthält daher zahlreiche wirtschafts- und sozialpolitischen Maßnahmen, um dieses Ziel zu erfüllen. Ein "Konsumsozialismus" soll etwa die Versorgung mit Konsumgütern verbessen und ein Wohnungsbauprogramm bis 1990 angemessenen Wohnraum für alle Menschen schaffen.

(mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 29.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Würz, Markus: VIII. SED-Parteitag, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-modernisierung/reformversuche-im-osten/viii-sed-parteitag.html
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