Bei der zweiten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 16. Oktober 1994 kann sich die Regierungskoalition knapp behaupten. CDU/CSU erreichen 41,5 Prozent, die FDP 6,9 Prozent der Stimmen. Die Union erzielt damit ihr schlechtestes Bundestagswahlergebnis seit 1949, auch die FDP verliert Stimmen. Mit 338 gegen 333 Stimmen wird Helmut Kohl erneut zum Bundeskanzler gewählt.

Wahlkampf

Für die SPD tritt Parteivorsitzender Rudolf Scharping als Spitzenkandidat an. Ihn hat im Juni 1993 eine Mitgliederbefragung ins Amt gebracht, erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik wird ein möglicher Spitzenkandidat auf diesem Weg bestimmt. Im personenbezogenen Wahlkampf kann Scharping zwar höhere Sympathiewerte als Kohl erreichen. Eine leichte Konjunkturbelebung stärkt jedoch das Vertrauen der Wähler in die Regierungsparteien.

Ergebnis

Die SPD erzielt schließlich 36,4 Prozent. Der neue Zusammenschluss Bündnis 90/Die Grünen ist mit 7,3 Prozent drittstärkste Kraft. Die PDS scheitert an der Fünfprozenthürde, erreicht aber vier Direktmandate und zieht dank Grundmandatsregel mit 30 Abgeordneten in den Bundestag ein. Der parteilose 81-jährige Schriftsteller Stefan Heym eröffnet als Alterspräsident am 10. November 1994 den zweiten gesamtdeutschen Bundestag mit einer Rede, in der er sein eigenes Schicksal in den gesamtdeutschen Rahmen stellt. CDU-Politikerin Rita Süssmuth wird als Bundestagspräsidentin wiedergewählt.

(ke, mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 20.11.2014
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Engel, Kathrin/Würz, Markus: Bundestagswahl 1994, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/deutsche-einheit/baustelle-deutsche-einheit/bundestagswahl-1994.html
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