Das "Neue Forum" ist innerhalb der Oppositionsbewegung in der DDR die Gruppe mit der größten Breitenwirkung. Mitglieder der Friedens-, Menschenrechts- und Umweltbewegung wie Bärbel Bohley, Rolf Henrich, Jens Reich und Katja Havemann treffen sich am 9. und 10. September 1989 in Grünheide im Haus von Katja Havemann. Dort, am letzten Wohnort von Robert Havemann, unterzeichnen sie den Gründungsaufruf "Aufbruch 89". Westliche Medien feiern ihn als außerordentliches und wichtiges Ereignis. Das "Neue Forum" fordert, über demokratische Reformen zu diskutieren, um mit Unterstützung möglichst breiter Bevölkerungskreise die Gesellschaft umzugestalten.

Gründung

Am 19. September 1989 beantragt das "Neue Forum", als Vereinigung zugelassen zu werden. Das Innenministerium der DDR lehnt zwei Tage später ab mit der Begründung, das "Neue Forum" sei eine "staatsfeindliche Plattform". Dem "Neuen Forum" schlägt daraufhin eine Welle der Zustimmung entgegen. Bei Demonstrationen in Leipzig, Plauen, Dresden und an vielen anderen Orten wird "Neues Forum zulassen!" eine der zentralen Losungen. Nach außen tolerieren die Behörden das "Neue Forum", de facto bekämpfen sie es aber weiterhin. Am 8. November 1989 schließlich lässt das Ministerium des Innern das "Neue Forum" als politische Vereinigung zu. Von allen Oppositionsgruppen, die im Herbst 1989 an die Öffentlichkeit treten, erhält es den stärksten Zulauf. Bis zum Ende des Jahres unterschreiben 200.000 Menschen den Gründungsaufruf, etwa 10.000 Ostdeutsche werden Mitglied. Das "Neue Forum" setzt sich für freie und demokratische Wahlen ein. Die Ortsgruppen der Vereinigung agieren vor allem in den Städten.

Parteien

Diskussionen über den basisdemokratischen Aufbau und die Organisation des "Neue Forums" münden Ende 1989 in den Streit, ob man eine Partei bilden oder eine Bewegung bleiben solle. Nach mehrtägigen Auseinandersetzungen spaltet sich Ende Januar 1990 ein Viertel der "Neuen Forum"-Mitglieder ab und gründet die Deutsche Forumpartei (DFP).

Das "Neue Forum" behält seine basisdemokratische Struktur bei und schließt sich im Februar 1990 mit anderen Oppositionsgruppen im Bündnis 90 zusammen. Drei Jahre später vereinigen sich Bündnis 90 und die Grünen zu einer neuen Partei.

(ke, reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 20.04.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Engel, Kathrin/Haunhorst, Regina: "Neues Forum", in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/deutsche-einheit/friedliche-revolution/neues-forum.html
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