Die Umgestaltung der ostdeutschen Wirtschaft nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen liegt zwischen 1990 und 1994 in den Händen der Treuhandanstalt. Sie übernimmt die Verantwortung für die Volkseigenen Betriebe mit fast vier Millionen Beschäftigten. Die Treuhand spaltet die großen Industriekombinate der DDR auf, privatisiert, saniert und legt Betriebe still. Folgen sind eine weitgehende Deindustrialisierung und Massenarbeitslosigkeit in Ostdeutschland.

Aufgaben

Die Volkskammer schafft im Juni 1990 die Treuhand, um die DDR-Wirtschaft neu zu organisieren und zu privatisieren. Nach der Deutschen Einheit setzt Bundeskanzler Helmut Kohl auf eine zügige Privatisierung. Er rechnet mit hohen Einnahmen, die die Einheit finanzieren sollen. Tatsächlich entwickelt sich die ostdeutsche Wirtschaft jedoch katastrophal. Durch die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion sind Betriebe schlagartig dem Weltmarkt ausgesetzt und müssen höhere Löhne in D-Mark zahlen. Ihre Produktivität hingegen ist meist gering, Anlagen sind veraltet und Produkte nicht konkurrenzfähig. Zudem bestehen ökologische Altlasten. Der frühere Absatzmarkt in Osteuropa bricht völlig zusammen. Die Treuhand hat Probleme, Unternehmen und Grundstücke zu verkaufen. Bei ihrer Auflösung Ende 1994 hat sie einen Verlust von circa 275 Milliarden D-Mark gemacht. Von zuletzt rund 12.000 Betrieben in der DDR hat sie 6.000 privatisiert, etwa 1.000 an frühere Eigentümer zurückgegeben und 3.700 abgewickelt.

Massenarbeitslosigkeit

Die Auflösung ehemaliger DDR-Großbetriebe bedroht ganze Städte und Regionen. Tausende demonstrieren, streiken oder halten Mahnwachen ab für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Sie kritisieren auch, dass vor allem westdeutsche Unternehmen von der Privatisierung profitieren. Der Ruf der Treuhand leidet zudem unter Betrügereien, die einige Geschäfte begleiten. Treuhand-Vorstandschef Detlev Rohwedder wird am 1. April 1991 von der Roten-Armee-Fraktion ermordet. Bis 1993 sind rund drei Millionen Menschen im Osten arbeitslos. Viele sorgen sich um ihre Zukunft und fühlen sich als Verlierer der Deutschen Einheit.

(ap) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 13.04.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Petschow, Annabelle: Treuhand, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/deutsche-einheit/baustelle-deutsche-einheit/treuhand.html
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