Die Menschen in Ost und West finden nach der Deutschen Einheit nur langsam zueinander. Die Zugehörigkeit zu zwei grundverschiedenen Gesellschaftssystemen während der deutschen Teilung hat sie geprägt. Ost- wie Westdeutsche nehmen gegenseitige Unterschiede wahr, die auch zu klischeehaften Zuschreibungen führen. Das Aufkommen der Bezeichnungen "Wessi" und "Ossi" für Westdeutsche und Ostdeutsche drückt dies aus.

Unterschiedliche Sozialisation

40 Jahre lang prägen das jeweilige politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche System die Denk- und Verhaltensmuster der Menschen in West- und Ostdeutschland. Die Demokratie im Westen sowie die sozialistische Diktatur im Osten vermitteln unterschiedliche Werte. Auch machen die Menschen in Familie, Kindergarten, Schule und Universität, Beruf, Alltag sowie im Freizeitleben verschiedene Erfahrungen. Dies führt zu kulturellen und mentalen Unterschieden zwischen West und Ost.

"Wessi" und "Ossi"

Nach dem Verebben der Freude über die Deutsche Einheit folgt bei Ost- und Westdeutschen vielfach Ernüchterung, die in gegenseitigen Vorurteilen mündet. Umfragen zeigen, dass Ostdeutsche "Wessis" überheblich, machtgierig, ehrgeizig und egoistisch finden. Westdeutsche empfinden "Ossis" als unzufrieden, misstrauisch, ängstlich und bequem. Im Osten nehmen sich laut einer Umfrage Mitte der 1990er Jahre 67 Prozent der Menschen als "Ostdeutsche" wahr. Wiederholt thematisieren Zeitungen und Fernsehsendungen die Ost-West-Wahrnehmung und das langwierige Zusammenwachsen der Deutschen.

(koi, mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 13.09.2014
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Koischwitz, Svea/Würz, Markus: Ost-West-Wahrnehmungen, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/deutsche-einheit/eine-nation-zwei-gesellschaften/ost-west-wahrnehmungen.html
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