Nach dem Mauerbau, der die massenhafte Abwanderung der arbeitsfähigen Bevölkerung stoppt, gilt das vorrangige Interesse der DDR-Führung einer Überwindung der Wirtschaftskrise. Das "Neue Ökonomische System", das ab Juli 1963 die Gedanken der Dezentralisierung und der Rentabilität in die Planwirtschaft einführt, beschert der DDR wirtschaftliche Erfolge. Versorgungsmängel bleiben jedoch Kennzeichen der DDR-Wirtschaft. Der Perspektivplan 1966 bis 1970 wird nicht erfüllt. Das Scheitern der Reformen trägt wesentlich zur Ablösung Walter Ulbrichts durch Erich Honecker im Mai 1971 bei.

Die Wirtschaftsreformen sind die Basis für deutliche Verbesserungen der materiellen Lebensbedingungen. Der Anteil der Haushalte, die einen Fernseher besitzen, steigt zwischen 1960 und 1970 von 17 auf 69 Prozent, jede siebte DDR-Familie hat 1969 ein Auto. Das Wirtschaftswachstum ermöglicht der DDR 1967 die Einführung der Fünftagewoche und die Erhöhung des Mindesturlaubs auf 15 Tage. Sie steigt zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht innerhalb der sozialistischen Staaten auf. Trotzdem bleibt ihre Wirtschaftsentwicklung hinter der der Bundesrepublik zurück, der Abstand im Lebensstandard beider Staaten vergrößert sich sogar.

In Forschung und Ausbildung will die DDR "Weltniveau" erreichen. Alle, besonders Frauen, sollen sich qualifizieren, um die "wissenschaftlich-technische Revolution" voranzutreiben. Die Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen konzentrieren sich vor allem auf technologieintensive Branchen. Dadurch entstehen Versorgungsmängel in anderen Bereichen, die Unzufriedenheit der Bevölkerung wächst. Erich Honecker setzt die von seinem Vorgänger bereits eingeleitete Rückkehr zur zentralen Wirtschaftsplanung und -lenkung und den Prozess der Kollektivierung fort. 1972 werden die Verstaatlichungen in der Industrie abgeschlossen.

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 05.05.2003
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Hinz-Wessels, Annette: Wirtschaftsreformen, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-modernisierung/reformversuche-im-osten/wirtschaftsreformen.html
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