Neben Presse und Rundfunk nutzen die Alliierten Kultur, um die Deutschen politisch umzuerziehen. Zugleich bietet sie Zerstreuung und Ablenkung von den Alltagsnöten der Nachkriegszeit. In den Städten sorgen die Besatzungsmächte für eine rasche Wiedereröffnung von Theatern, Konzertsälen und Museen, die vielfach noch vom Bombenkrieg gezeichnet sind. Die Deutschen stehen Schlange, obwohl sie Briketts oder Holz zum Heizen mitbringen müssen.

Theater

Neben "unbelasteten" Theaterklassikern, wie "Nathan der Weise" oder "Kabale und Liebe", werden auch ausländische Stücke wie Sartres "Die schmutzigen Hände" oder T.S. Eliots "Mord im Dom" gezeigt. Zu den erfolgreichsten Dramen der Nachkriegszeit gehört Carl Zuckmayers "Des Teufels General".

Musik

Klassische Musik ist auch nach dem Krieg sehr beliebt. Es werden Werke von Komponisten aufgeführt, die während des NS-Regimes verboten sind wie Paul Hindemith und Arnold Schönberg. Die Besatzungsmächte unterstützen aktiv das musikalische Leben in ihren Zonen, helfen bei der Beschaffung von Instrumenten und Noten, bei der Organisation von Konzerten oder sorgen für bessere Ernährung der Musiker.

Bildende Kunst

Die Bildende Kunst kann nach dem Ende des Nationalsozialismus wieder frei arbeiten. Freiheit für die Kunst, Rettung des humanistischen Erbes und kulturelle Erziehung sind die Stichworte der Kulturschaffenden nach dem Krieg. Museen zeigen Werke verfolgter und unterdrückter Künstler. Ausstellungen abstrakter Kunst, wie die 1947 in Augsburg veranstaltete "Extreme Kunst" mit Werken von Max Ackermann, Willi Baumeister und anderen, stoßen allerdings auf wenig Begeisterung.

Kino

Das Kino erreicht die Masse der Bevölkerung. Gezeigt werden Wochenschauen und Aufklärungsfilme der Alliierten. Auch laufen Filme wie "Die Mörder sind unter uns", die sich kritisch mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Das Publikum schätzt aber vor allem ausländische Filme, die nun wieder vorgeführt werden können. Für Zerstreuung sorgen auch das Kabarett, Varietés, Straßenkünstler und Zirkus-Aufführungen.

Literatur

Groß ist auch der Lesehunger. Aber Papier ist knapp und Bücher können nur in geringen Auflagen erscheinen. Klassiker, im "Dritten Reich" verbotene sowie ausländische Schriftsteller, aber auch eine neue Generation junger Autoren bestimmen die Verlagsprogramme.

Kulturbund

In der Sowjetischen Besatzungszone, aber auch im Westen, gestaltet der "Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands" die kulturelle Landschaft mit. Als der Ost-West-Konflikt sich 1947 verhärtet, stellt sich der Bund in den Dienst der SED. Die gegenständliche Kunst des Sozialistischen Realismus wird Programm, abstrakte Kunst abgelehnt.

(db, ab, reh, ahw, mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 10.12.2014
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Blume, Dorlis/Baghdady, Anne/Haunhorst, Regina/Hinz-Wessels, Annette/Würz, Markus: Kultur, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/nachkriegsjahre/neuanfaenge/kultur.html
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